»80 Prozent der Ettelner lehnen Windanlagen ab«

Ortsvorsteher Ulrich Ahle widerspricht Investoren-Erklärung

Artikel im Westfalen-Blatt vom 18.5.2016

Etteln (WV). Der Ettelner Ortsvorsteher Ulrich Ahle (CDU) widerspricht der Darstellung, es gebe eine breite Mehrheit von Bürgern in Etteln, die weitere Windkraftanlagen in dem Ortsteil befürworteten. Damit reagiert er auf einen Bericht in der Pfingstausgabe dieser Zeitung, in dem sich der Geschäftsführer der Westfalen Wind GmbH, Johannes Lackmann, entsprechend geäußert hatte.

Richtig sei es, dass es Befürworter eines weiteren Ausbaus der Windenergienutzung auch in Etteln gebe. Oft seien es auch Landwirte, deren Flächen sich im Bereich der jetzt beantragten 17 Windenergieanlagen befinden. Diese Gruppe möchte sich die wirtschaftlichen Vorteile sichern, falls es doch einmal zum Bau weiterer Windenergieanlagen in Etteln kommen sollte. Die Mehrheit, so Ahle in einer Erklärung, lehne den Ausbau jedoch ab. »Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass mehr als 80 Prozent der Ettelner Bevölkerung die beantragten Windenergieanlagen ablehnen.« Diese Grundhaltung sei auch beim Fischerfest am Padedelteich oder dem Schützenausmarsch in Etteln deutlich geworden.

Ahle weiter: »Wenn es binnen kurzer Zeit über 650 Einwendungen beim Kreis Paderborn und der Gemeinde Borchen gab, dann unterstützt dies meine Einschätzung. Sicherlich haben sich viele der unterschiedlichen vorbereiteten Einwendungen bedient. Es gibt jedoch auch erstaunlich viele betroffene Bürger, die individuelle Einsprüche mit aus meiner Einschätzung durchaus substantiellen Gründen vorgebracht haben.« Darin würden unter anderem die schalltechnischen Gutachten massiv angezweifelt, da bestehende Lärmbelastungen wie Lüftungsanlagen von landwirtschaftlichen Betrieben, bereits bestehende Windenergieanlagen oder auch die Autobahn A 33 keine Berücksichtigung fänden. Andere Einwendungen beschäftigten sich mit dem Umweltverträglichkeitsgutachten, dem Artenschutzgutachten oder den »suggestiven Fotomontagen« der Antragunterlagen.
Bei einem juristischen Streit sei man im Rat der Gemeinde Borchen überzeugt, dass der bestehende Flächennutzungsplan bereits heute der Windenergienutzung ausreichend substantiellen Raum gebe.

Im Bereich der Gemeinde Borchen werden aktuell 49 Windenergieanlagen betrieben. Viele dieser Anlagen könnten durch Repowering in ihrer Leistungsfähigkeit noch weiter verbessert werden. Ein Beleg dafür ist eine erst kürzlich genehmigte neue Anlage mit einer Leistung von 2,3 Megawatt, die eine alte Anlage mit 0,6 Megawatt ersetzen soll, aber weiterhin die Höhenbegrenzung von 100 Metern einhält. Sicherlich wäre eine 200 Meter hohe Anlage noch lukrativer, aber kein Investor würde eine neue 100 Meter hohe Anlage installieren, wenn sie sich nicht auch rechnen würde, so der Ortsvorsteher. Und die Gemeinde Borchen sei nicht dafür da, die Gewinnmaximierung der Investoren sicherzustellen.
Borchen erzeuge bereits 209 Prozent des Eigenbedarfs an regenerativer Energie.

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