Dem grausamen Krieg entkommen – grausame Trennung von geliebter Frau bleibt

Ahmad aus Syrien:

Dem grausamen Krieg entkommen – grausame Trennung von geliebter Frau bleibt

Ahmad kommt aus Syrien, ist Kurde und wohnt seit 2015 in Borchen, erst im Flüchtlingsheim, seit Mai 2017 in einer eigenen Wohnung. Seit Januar hat er eine Vollzeitstelle als Betonbauer bei einer Firma in Sennelager. Er ist beim Lauftreff und bei „Gemeinsam am Ball“ des SC Borchen dabei. In Alfen spielt er Volleyball. Er hilft seinen Nachbarn. Bei ihnen ist er ebenso beliebt wie bei seinen Sportfreunden. Ahmad gehört zu uns, er ist bestens integriert.

Eigentlich alles gut, eigentlich…. Früher sah man Achmed häufiger lachen. Das ist in den letzten Wochen seltener geworden. Er wirkt sehr traurig, leer. Wir, Helfer der Flüchtlingshilfe Borchen (FlüBo e. V.), fragen ihn, was denn los sei. Bei ihm laufe doch alles prima. „Ja, ich bin auch sehr glücklich hier in Borchen. Alle sind sehr freundlich, besonders auch meine Arbeitskollegen. Und ich kann endlich mein eigenes Geld verdienen. Doch seit einer gefühlten Ewigkeit versuche ich, meine Ehefrau Somoia nach Borchen zu holen. Ich habe schon viel Geld dafür bezahlt, habe viel telefoniert und geschrieben mit der deutschen Botschaft im Irak und vielen anderen Behörden. Auch beim Ausländeramt in Paderborn bin ich zig Mal gewesen. Leider ohne Erfolg. Ich bin total verzweifelt.“ Zweimal ist er auf Grund der schrecklichen Kriegsereignisse in seiner Heimat geflohen. Erst zerstörten die Truppen Assads seine erst ein Jahr vorher mit seiner Frau bezogene Wohnung in Damaskus. Beide ergriffen daraufhin die Flucht nach Ras AlEin, ihre Heimatstadt im Nordosten Syriens. Dachten sie zunächst, dort seien sie sicher, setzte sich auch dort der Krieg fort. Dennoch, in ihrer alten Heimat, in der Nähe ihrer Familien, gab es für das Paar, inzwischen beide über 30, Grund zur Freude. Lange hatten sie sich Kinder gewünscht, und nun sollte ihr Wunsch endlich in Erfüllung gehen. Es kündigten sich Zwillinge an. Doch die Grausamkeit des Krieges zeigte kein Erbarmen. Bei einem Bombenangriff auf ihre Heimatstadt kam es bei Somoia zu einer Frühgeburt. Beide Kinder kamen viel zu früh. Sie überlebten nicht. Somoia litt noch wochenlang unter dem Schock, sprach nicht mehr, wollte nichts essen und trinken. Gerade erst hatte Ahmad seine beiden Söhne beerdigt, da wurde er aufgefordert, der kurdischen Miliz im Kampf gegen den IS beizutreten. Bei einer Verweigerung drohten ihm schlimme Konsequenzen, möglicherweise der Tod. Er sah keinen anderen Ausweg als zu flüchten, diesen unerträglichen Verhältnissen in seinem Land zu entkommen. Seine Ehefrau konnte er nicht mitnehmen, sie war noch viel zu schwach. Er musste sie bei ihren Eltern zurücklassen. Natürlich sollte sie, die er über alles liebt, nachkommen.

Auch die zweimonatige Flucht Ahmads verlief sehr dramatisch. Mit anderen Flüchtlingen versuchte er, in einem Schlauchboot von der Türkei aus Griechenland zu erreichen. Von der griechischen Küstenwache wurde das Boot zerstört. Aus der lebensbedrohlichen Situation konnte er sich als guter Schwimmer gerade noch auf eine Insel retten. Es dauerte dann noch mehrere Wochen, bevor er über ein Aufnahmelager in Rheda nach Borchen kam.
Es gibt wohl kaum einen, der nach diesen Ausführungen der Meinung ist, Achmed habe nicht genügend Gründe für seine Flucht aus Syrien gehabt. Die BAMF-Entscheider im Asylverfahren sprachen ihm jedoch nur den sehr unsicheren „Subsidiären Schutzstatus“ zu. Dieser hat zur Folge, dass er seine Frau, mit der er schon seit seiner Kindheit zusammen ist, nicht nachholen kann. Er kann das nicht verstehen: „Alles könnte so gut sein, wenn Somia hier wäre. Ich kann doch für sie sorgen. Ich verdiene genug.“ Jeden Tag telefoniert er mit ihr. Morgens, bevor er zur Arbeit geht, nach der Arbeit und noch einmal vor dem Schlafengehen. Wie gern hätte er sie bei sich und würde sich mit ihr eine kleine Familie mit einem Kind wünschen. Die Sorgenfalten in seinem Gesicht sind in den zweieinhalb Jahren in Deutschland tiefer geworden. Aber noch hat Ahmad die Hoffnung nicht aufgegeben. All seine Bemühungen beim Ausländeramt und den anderen Einrichtungen haben nur ein Ziel: die besondere Härte des Schicksals seiner Frau zu verdeutlichen, so dass ihm die Familienzusammenführung ermöglicht werden kann. Erst dann kann er auch mit seinen Gedanken und mit seinem Herzen ganz in Deutschland, bei uns in Borchen, ankommen.
Kommentar:

Viele unserer Politiker reden von einer deutschen Leitkultur und heben gern die Werte unseres christlichen Abendlandes hervor. Auch wird die Familie gern von ihnen als die Keimzelle unseres Staates bezeichnet. Sie gehöre besonders geschützt. Hehre Worte, denen selten Taten folgen! Denn es sind auch diese Politiker, die Gesetze beschlossen haben, die wie im Fall Ahmad Menschlichkeit in jeder Hinsicht vermissen lassen. Wenn sie die Bedeutung von Familien hervorheben, haben sie offensichtlich nur die deutschen Familien im Blick. Familien aus anderen Ländern scheinen ihnen nicht so viel Wert zu sein…. Auch die viel beschworenen Werte des christlichen Abendlandes sind ihnen offensichtlich nicht mehr geläufig. Eine herausragende Ausrichtung unserer Kultur, unserer Gesellschaft, ist das Prinzip der Nächstenliebe. In der Bergpredigt Jesu Christi heißt es: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ und: „Das Geringste, was Du meinen Brüdern getan hast, das hast Du mir getan.“ Statt Populisten mit leeren Phrasen zu bedienen, sollten sich die Politiker an diesen Grundsätzen orientieren!

Vorstand der Flüchtlingshilfe Borchen e. V. (Petra Artzt, Marianne Hartmann, Kalle Lüke, Klaus Rösler)

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