Die Ursachenforschung beginnt

Havarie der Windkraftanlage bei Dörenhagen – Kreis fordert Wartungsunterlagen ein

Artikel im Westfalen-Blatt von Bernhard Liebmann vom 24.5.2016

a91073192i0017_max1024xDörenhagen(WV). Als erste Maßnahme nach der Havarie des Windrades bei Dörenhagen am Sonntagabend hat der Kreis Paderborn die Wartungsprotokolle der Anlage vom Betreiber angefordert. Auch die Inhaber der anderen sieben Anlagen der Firma Tacke vom Typ TW-600 sollen diese Unterlagen zur Ursachenforschung einreichen, so der Kreis gestern auf Anfrage.

Dem Vernehmen nach sollen die Rotorblätter des zerstörten Rades durch eine holländische Firma gewartet worden sein. Auch soll die 1994 errichtete Anlage wieder aufgebaut werden. Sie war als privilegierte Anlage im Außenbereich genehmigt worden. Damals gab es noch keine Windvorrangzonen.

Für eine Stilllegung baugleicher Anlagen bestehe derzeit kein gesetzliche Grundlage, sagte der Kreis gestern. Bereits in den frühen Morgenstunden hat die Polizei am Montag den Bereich rund um das Windrad abgesperrt, die mehr als 100 Meter verstreuten Trümmer von Feld und Acker wurden eingesammelt.

Der Kreis Paderborn hat durch Mitarbeiter des Bauamtes vor Ort die Schäden in Augenschein genommen. Angefordert wurden von dem Landwirt, der mehrere Anlagen dieser Art betreibt, die Wartungsprotokolle. Insgesamt gibt es im Kreis Paderborn noch weitere sieben TW-600 Anlagen. Auch eine Windkraftanlage müsse regelmäßig überprüft werden, so der Kreis. Bei der Ursachenforschung hält man sich bei der Behörde zurück: Voraussichtlich werde erst ein Gutachten klären, ob ein Blitzeinschlag erfolgt sei oder eine Windböe das Zerfetzen des Rades ausgelöst hat. Die Wetterstation in Bad Lippspringe hat zu der Zeit um kurz nach 19 Uhr Windgeschwindigkeiten von 75 Stundenkilometern gemessen und Niederschlagspitzen von acht Litern pro Quadratmeter. Es gab auch Blitzeinschläge während des Unwetters.

Angesichts des Alters des Rades von 22 Jahren wird das Thema »Materialermüdung« im Raum Paderborn eine zunehmende Rolle spielen. Bei der ersten großen Havarie einer Anlage im Januar, einer E-66, war ein 100 Tonnen schwerer Generator von einer 19 Jahre alten Prototyp-Anlage des Herstellers Enercon auf dem Boden aufgeschlagen. Bei dem Prototyp stellten Gutachter schließlich im März abschließend als Ursache die besondere Bauweise des nur für den Prototypen in der Vorserie verwendeten Flanches fest. Danach war der Turm vermutlich zu mehr als 50 Prozent durchgerissen. Bei starkem Wind kippte die Gondel schließlich und schlug auf dem Boden auf.

a91073192i0012_max1024xIn diesem Zusammenhang wiesen seinerzeit die Windkraftbetreiber durch die Buker Windkraft GmbH darauf hin, dass es bei rund 400 Anlagen im Kreis Paderborn bislang sehr wenig Unfälle und zum Glück auch keine Personenschäden gegeben habe. »Natürlich kann niemand ausschließen, dass es mal zu Unglücken kommt, aber im Vergleich zu anderen Energieerzeugungsanlagen ist die Windkraft eben sehr sicher«, erklärte Geschäftsführer Johannes Lackmann. Dies zeige sich auch an den Prämien für die Haftpflichtversicherung von Windradenergieanlagen. Versicherungsprämien seien ein objektives Maß für die Häufigkeit von Fremdschäden und Unfallrisiken. Die Haftpflichtprämie für eine große Windenergieanlage betrage knapp 90 Euro im Jahr. Im Vergleich koste sie für einen Schäferhund 50 Euro.

Westfalenwind als größter Betreiber von Windkraftanlagen wollte gestern zum Unfall in Dörenhagen keine Erklärung abgeben, da man selbst keine Anlagen des betroffenen Typs der Firma Tacke betreibe.

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