Erfahrungsbericht Lea Kloppenburg und Verena Vüllers

Unser Volontariat in der “City of Hope School” Sambia

Schon in der Schulzeit wussten wir, dass wir nach dem Abitur ein halbes Jahr im Ausland verbringen wollen. Anfangs dachten wir darüber nach in Australien “work and travel” zu machen, bis uns Martin J. auf “City of Hope” in Sambia aufmerksam machte. Wir informierten uns anschließend über diese Einrichtung und waren schnell überzeugt, uns ein halbes Jahr in “City of Hope” zu engagieren. Wir waren begeistert davon, einen neuen Kontinent und eine andere Kultur kennenzulernen, sowie Kindern und Jugendlichen in ihrer schulischen Ausbildung Unterstützung zu bieten.

Natürlich gehörten zu einem solchem Auslandsaufenthalt auch einige Vorbereitungen. Neben unzähligen Arztbesuchen und Impfungen, besuchten wir einmal mit unseren Eltern einen Mitarbeiter der katholischen Hochschulgemeinde Paderborn, der uns unsere Fragen beantworten und einige Ängste nehmen konnte. Da wir ohne Organisation und auf eigene Faust reisen wollten, war es hilfreich, dass der Mann uns viele Tipps geben konnte. Er erklärte uns, wie wir uns in einem fremden Land verhalten sollten, was auf uns zukommen könnte oder wie wir am besten mit Heimweh umzugehen lernen.

Später trafen wir uns noch mit einer ehemaligen Volontärin, die bis zum März 2017 in Sambia war. Sie konnte uns von ihren eigenen Erfahrungen in City of Hope berichten und uns noch weitere Tipps geben.

Da Martin Juda, der 1. Vorsitzende des Fördervereins Windeck e.V., uns den Kontakt nach Sambia organisiert hat, brachten wir auch einige Labdoo-Laptops mit in die City of Hope. Diese werden vor Ort in der Schule genutzt, um den Schülern den richtigen Umgang mit den Computern und dem Internet beizubringen.

Für uns ging es dann am 31. August 2017 los. Wir flogen mit Ethiopian Airlines von Frankfurt über Addis Abeba nach Lusaka. Nach ca. 16 Stunden Flug landeten wir in der Hauptstadt Sambias. Von dort wurden wir von einer Schwester und dem Fahrer abgeholt. Am 01. September kamen wir dann zum ersten Mal in City of Hope an.

City of Hope ist sowohl ein Zuhause für ca. 35 Mädchen im Alter von 9-20 Jahren, als auch eine Schule für die Klassen 1-12.

Die Mädchen, die dort im Waisenheim leben, wohnen im sogenannten GART. Dies steht für Girls at Risk Trust und ist ein Waisenheim, in das die Mädchen vom Staat untergebracht werden, da sie in sehr schlechten Verhältnissen gelebt haben. Ihnen soll in der City of Hope ein normales Leben ermöglicht werden. Sie erlernen sowohl alle notwendigen Hausarbeiten, als auch Verantwortungsbewusstsein, Selbstständigkeit und Zusammenarbeit in der Gruppe. In der Regel bleiben sie dort bis sie das 12. Schuljahr abgeschlossen haben. Das Ziel des GART‘s ist es, die Mädchen so zu erziehen, dass sie später alleine gut in der Gesellschaft leben können. Sie erhoffen sich für ihre Zukunft, eine Arbeitsstelle oder einen Platz an einer Universität oder einem College zu bekommen.
In der Schule erlangen die Mädchen aus City of Hope und rund 800 andere Kinder aus dem Umkreis Lusakas eine schulische Ausbildung. Die Schule orientiert sich an dem damaligen Priester Don Bosco und seiner Einstellung, Jugendlichen eine Bildung zu ermöglichen.

Außerdem bietet City of Hope in einem Auxilium, die Möglichkeit eine Ausbildung zur Hotelfachfrau oder zum Hotelmanagement abzuschließen.

Seit 1995 wird City of Hope in allen Bereichen von salesianischen Schwestern geleitet. Zurzeit ist Schwester Prisca, neben knapp 10 weiteren Schwestern, die Hauptschwester.
Wir Volontäre begleiteten die Mädchen, die dort wohnen, sowohl in der Schule als auch in ihrer Freizeit. Die meiste Zeit unseres sechsmonatigen Aufenthalts waren wir drei deutsche Volontäre. Die ersten beiden Wochen waren noch zwei Polinnen da und eine Irin war während unseres ersten Monats ebenfalls in der City of Hope.
Wir wohnten über das halbe Jahr in einer kleinen, gemütlichen Haushälfte. Diese war ausgestattet mit einem Wohnbereich mit Sofa, Tisch und zwei Stühlen. Wir hatten eine kleine Küche, wo es uns an nichts fehlte. Es gab einen Kühlschrank, eine Tiefkühltruhe, einen Backofen, einen Herd und eine Spüle. Zudem hatten wir ein Badezimmer mit Dusche und fast jeden Tag warmes Wasser. Zum Schlafen hatten wir je ein kleines Zimmer, in dem genug Platz für ein Bett und einen Schrank war.

Unser Tag begann morgens um 7:30 Uhr mit der Schule, wo Verena die 5. Klasse und Lea die 4. Klasse begleitete. In der Schule war es unsere Aufgabe, die Lehrer zu unterstützen. Wir saßen mit ihnen vorne am Pult und korrigierten die Hefte der Kinder, die sie am Ende jeder erledigten Aufgabe zu uns brachten. Viele Kinder hatten auch Fragen zu dem neu erlernten Unterrichtsstoff, die wir ihnen dann beantwortet und ggf. nochmal erklärt haben. Außerdem konnten wir den Lehrern Arbeit abnehmen, indem wir zum Beispiel Texte an die Tafel geschrieben, den Unterricht übernommen, Dokumente abgetippt oder Unterlagen kopiert haben. Die Schule endete für Verena um halb 3 und für Lea um halb 4.

Im Anschluss beschäftigten wir uns mit den Mädchen indem wir zum Beispiel mit Ihnen Sport machten oder einfach nur zusammen saßen und redeten.

Jeden Abend um 17:30 Uhr beteten alle Mädchen, einige „Mamis“ und die Ordensschwestern zusammen den Rosenkranz. Danach halfen wir den Mädchen bei ihren Hausaufgaben oder lernten mit ihnen für ihre Prüfungen.
Samstags fanden 2,5 Stunden Freizeitgestaltung statt, bei der auch immer einige Brothers aus einem Nachbarprojekt anwesend waren. Es wurden Spiele gespielt, Filme angesehen oder Sachen wie Talentshows durchgeführt.
Sonntagmorgens gingen alle Mädchen zum zweistündigen Gottesdienst in eine nahe gelegene Kirche.

Während unserer Zeit in City of Hope durften wir einige Feste der salesianischen Schwestern mitfeiern.
Direkt in unserer ersten Schulwoche war der Price Giving Day, bei dem aus jeder Klasse die besten drei Schüler ein Geschenk für ihre guten Leistungen bei den letzten Klausuren bekommen haben.
Am 13. Oktober fand dann der Gratitude Day statt, bei dem alle Kinder Schwester Prisca, der Leiterin von City of Hope, für ihre viele Arbeit dankten. Dies taten sie klassenweise in Form von Liedern und Tänzen. Außerdem hat jede Klasse ein Geschenk überreicht.
Am 24. Oktober war Sambias 53. Unabhängigkeitstag. An diesem besonderen Feiertag hatten wir natürlich keine Schule. Dafür feierten wir den Tag mit den Mädchen, Schwestern und Mamis in City of Hope. Der Tag begann mit einer Messe auf dem Gelände. Danach bereiteten wir Volontäre Spiele für die Mädchen vor und spielten anschließend zusammen mit den Schwestern und Mamis gegen die Mädchen Netball. Nach dem Mittagessen führten die Mädchen in 4 Gruppen Tänze, Lieder und Sketche zum Thema Unabhängigkeit vor. Danach gab es noch ein Bibelquiz und zum Abschluss des Tages wurde wieder gebetet.

Auch Weihnachten verbrachten wir letztes Jahr in Sambia, obwohl die Weihnachtsstimmung bei circa 30 Grad nicht wirklich vorhanden war. Am 24. Dezember waren wir Volontäre zu dritt abends Essen, nachdem wir Plätzchen backten und am 25. Dezember wurden wir abends von den Schwestern zum Essen eingeladen. Wir haben mit ihnen zusammen gegessen, getanzt und natürlich gab es auch eine Bescherung mit Geschenken für alle.

Ein Tag der auch sehr gefeiert wurde, war am 31. Januar das Don Bosco Fest. Es gab ein Programm, bei dem viele Klassen tanzten und sangen. Außerdem führten wir Volontäre immer zwischendurch Spiele mit einigen Kindern durch. Abends haben die Mädchen aus City of Hope noch Sketche, Lieder und Tänze über Don Bosco vorgeführt.

All diese Feste machten uns sehr viel Spaß, da immer gute Stimmung war und alle anwesenden Personen viel getanzt, gesungen und miteinander gelacht haben. Außerdem hatten wir so auch die Möglichkeit, noch mehr mit den Kindern aus unseren Klassen zu machen, als nur im Unterricht.

Da wir uns bereits von Deutschland aus in eine Liste des Auswärtigen Amts eingetragen hatten, wurden wir in Sambia zu zwei Veranstaltungen eingeladen, die von der deutschen Botschaft organisiert wurden. Am 24. September veranstaltete der Botschafter aus Deutschland eine Wahlparty und am 03. Oktober wurde zum Tag der deutschen Einheit eingeladen. Auf beiden Veranstaltungen hatten wir die Möglichkeit auf andere Deutsche zu treffen, uns mit ihnen auszutauschen und zu feiern. Sowohl viele Erwachsene als auch andere jugendliche Volontäre waren dort.

Mit einigen Jugendlichen blieben wir auch über die restlichen Monate in Kontakt, tauschten uns weiter über unsere Projekte aus oder trafen uns am Wochenende, um z.B. auf sambische Märkte zu gehen.
Es war sehr interessant, einiges über andere Projekte zu hören. Teilweise merkte man, dass es uns in City of Hope vom Lebensstandard sehr gut ging.

Auf den Straßen Sambias waren die Leute immer sehr freundlich. Wir sind mit unserer hellen Haut natürlich aufgefallen und deshalb wurde uns sehr häufig „Muzungu“ hinterher gerufen. Muzungu ist auf der sambischen Sprache Cinyanja ein Wort für „Weißer“. Viele Leute wollten uns auch einfach nur die Hand zur Begrüßung geben oder Fotos mit uns machen. Die Menschen in Sambia sind nicht nur offen und freundlich zu uns gewesen, sondern haben uns auch herzlichen in ihrem Land aufgenommen. Außerdem merkten wir immer wieder, dass die Sambier sehr stolz auf ihr Land und dessen Unabhängigkeit waren. Teilweise wurden auch wir als Sambier bezeichnet, da manche sagten „Wer einmal in Sambia war, ist auch Sambier“.

Neben der Arbeit haben wir es uns allerdings auch nicht nehmen lassen, zwischendurch Urlaub zu machen, um Sambia zu erkunden.

So waren wir Anfang Oktober am Lake Kariba, entspannten dort ein Wochenende lang und guckten uns dank eines sehr netten Taxifahrers auch noch den Kariba Staudamm an.
Außerdem wurden wir kurz nach Weihnachten von unseren Eltern besucht. Nachdem wir ihnen Lusaka und vor allem die City of Hope zeigten, ging es für uns sechs mit einem Reisebus nach Livingstone zu den Victoriafällen. Diese guckten wir uns dann einen Tag lang von Sambia und Simbabwe aus an und machten ebenfalls eine Safari in einem Jeep durch den Mosi-oa-Tunya Nationalpark. Dabei haben wir schon die ersten afrikanischen Tiere gesehen.

Anschließend verbrachten wir einige Tage in einer Lodge am Lower Zambezi Nationalpark. Dort haben wir neben der Besichtigung eines afrikanischen Dorfes und Sambias größter Bananenplantage, sowie einer Kanufahrt auch jeden Tag einige Stunden mit dem Boot auf dem Zambezi Fluss verbracht und uns den Sonnenuntergang angeguckt.

Für uns beide ist die Zeit in Sambia unvergesslich. Wir sind mit vielen schönen Erinnerungen zurückgekehrt und erzählen die lustigen und interessanten Geschichten immer gerne. Die Mädchen und Schulkinder, mit denen wir uns super verstanden haben, sind uns sehr ans Herz gewachsen.

Vom Alltag bis zu Urlauben haben wir so viel erlebt, dass es schwierig ist diese Zeit in kurze Worte zu fassen. Natürlich beschreibt man die Zeit als sehr schön und denkt immer wieder gerne zurück, aber es läuft natürlich auch nicht immer alles perfekt.

Wegen der Hitze waren wir am Anfang nachmittags oft sehr müde aber in unserem Haus hatten wir selten Ruhe da immer ein paar Mädchen vorbei geschaut haben.
Außerdem war die Kommunikation mit den Schwestern nicht einfach. Wir haben nicht zusammen mit ihnen in einem Haus gewohnt und oft hat man niemanden oder nicht die gerade benötigte Schwester angefunden. Außerdem wurden wir nicht immer über aktuelle Termine und Planänderungen informiert, was unsere Arbeit nicht erleichtert hat.
Da wir den größten Teil unserer Zeit nur drei Volontäre waren, hatten wir natürlich auch mehr zu tun als die Volontäre in den letzten Jahren, die immer zu 6. oder sogar zu 8. waren.
Trotz dieser kleinen Schwierigkeiten hat uns das halbe Jahr in Sambia sehr gut gefallen und die positiven Erlebnisse überwiegen eindeutig.

Zuletzt wollen wir uns bei all den Spendern bedanken, die es uns möglich gemacht haben, den Mädchen aus City of Hope, den Kindern aus der Schule und auch anderen Kindern aus Sambia mit kleinen Geschenken ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.
Wir danken:

  • Sparkasse Paderborn-Höxter
  • Volksbank Elsen-Wewer-Borchen
  • AWO
  • Kaldewei
  • Lödige
  • CDU, Carsten Linnemann
  • SPD
  • Privaten Spendern

Und unser größter Dank gilt Martin, der es uns überhaupt möglich gemacht hat nach Sambia zu kommen und diese wunderbare Erfahrungen zu machen.

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