Havariertes Windrad wird repariert

Artikel im Westfalen-Blatt vom 25.5.2016

Franz-Josef Vogt weist Wartungsmängel zurück und spricht von höherer Gewalt

a91131727i0010_max1024xDörenhagen(per). Der Besitzer der zerstörten Windkraftanlage bei Dörenhagen wehrt sich gegen Vorwürfe, dass mangelnde Wartung zu der Havarie geführt habe. »Das war höhere Gewalt und einfach Pech, dass sich die Anlage im Weg einer Sturmwalze befunden hat«, sagt Franz-Josef Vogt. Gleichzeitig kündigt er an, die Anlage wieder aufzubauen.
So genannte Sturmjäger hätten das Unwetter gefilmt und Windgeschwindigkeiten von 160 Stundenkilometern gemessen, sagt der Dörenhagener Landwirt. »Die Rotorblätter standen zu dem Zeitpunkt bereits still, aber der Sturm hat die Flügel so ungünstig von hinten erfasst, dass sie dem Druck nicht standhalten konnten.« Das Unwetter am Sonntagabend tobte derart heftig, dass Trümmerteile des Windrades bis zu 250 Meter weit geschleudert wurden. Sogar der etwa sieben Tonnen schwere Generator wurde aus seiner Verankerung gerissen und schlug etwa zehn Meter neben dem Turm auf. Vogt: »Ich bin froh, dass niemand zu Schaden gekommen ist.«

Das Alter der Anlage – nämlich 18 Jahre – habe für das Unglück keine Rolle gespielt, betont der Windbauer. »Franz Tacke, der die Anlagen seinerzeit hergestellt hat, kam aus dem Schiffsbau. Entsprechend robust und stabil baute er auch seine Windräder.«

Franz-Josef Vogt kündigt an, das zerstörte Windrad wieder aufzubauen. In spätestens zehn Wochen soll die Anlage wieder Strom liefern. Eine Versicherung komme für den Schaden nicht auf, denn die habe er nicht. »Die sind mit 8000 bis 10 000 Euro für eine Anlage viel zu teuer. Ich bin meine eigene Versicherung«, sagt der Dörenhagener und verweist auf zwei jeweils 30 Tonnen schweren Gondeln samt Generatoren sowie sechs Rotorblätter, die er seit vielen Jahren als Ersatzteile auf seinem Grundstück lagert.

Heute rückt ein Unternehmen an, um die Reste der zerfetzten Rotoren an der 60 Meter hohen Anlage zu entfernen. Dann, so hofft der Dörenhagener, soll es auch mit den vielen Schaulustigen vorbei sein, die sich trotz Absperrbändern an den Unglücksort begäben. Das ist nicht ungefährlich, da Teile der Flügel an der Befestigung wie ein Damoklesschwert am seidenen Faden im Wind hin- und herschwingen und jederzeit zu Boden stürzen können.
Franz-Josef Vogt kann genauso wie Anton Driller aus Altenbeken getrost als Windkraft-Pionier bezeichnet werden. Vor 23 Jahren habe er seine erste Anlage in Betrieb genommen, sagt er. Mittlerweile zählt er 17 Anlagen auch außerhalb des Hochstiftes sein eigen. Und obwohl der Dörenhagener mit der Windkraft seinen Lebensunterhalt bestreitet, zeigt er durchaus Verständnis dafür, dass das Thema die Gesellschaft spaltet. »Man darf Landschaft und Natur nicht wie in Lichtenau vergewaltigen. Denn dann darf man sich auch nicht wundern, wenn die Bürger auf die Barrikaden gehen und die Akzeptanz für die Windkraft schwindet. Wir brauchen einen Ausbau der Windenergie mit Augenmaß und Sachverstand«, sagt Vogt und nennt als Beispiel das Bundesland Bayern, wo Windräder einen Abstand von 2000 Metern zur Wohnbebauung einhalten müssen.

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