Investoren ernten Gegenwind

Ettelner Bürger wehren sich gegen 17 geplante Windräder auf Gemeindegebiet

Von Johanna Peitsch im Westfalen-Blatt am 5.5.2016

Etteln (WV). Der geplante Bau eines Windparks in Etteln stößt bei der Bevölkerung auf alles andere als Begeisterung. Engagierte Bürger haben deswegen am Dienstagabend zu einer Versammlung eingeladen. Dort wurde besprochen, wie gegen die Bauanträge vorgegangen werden kann.

Michael Henniges (Zweiter von rechts) hat sich intensiv mit den Unterla- gen zum Bau der 17 Windräder auseinandergesetzt und auf dieser Grundlage eine Fotomontage erstellt, wie die Landschaft damit ausse- hen könnte. Das sorgte nicht nur bei (von links) Ortsvorsteher Ulrich Ah- le, Wolfgang Brand und Volker Tschischke für Unmut, sondern auch für ein Raunen im Publikum. Foto: Johanna Pietsch»Wir wollen keine Wind-Disco.« Das machte Michael Henniges im voll besetzten Festsaal der Gaststätte Rustemeier deutlich. Als einer der Initiatoren der Bürgerversammlung hat er die Teilnehmer dazu aufgerufen, ihre Einwände schriftlich beim Kreis einzureichen, um die Baugenehmigung zu verhindern. Nicht nur die optische und akustische Beeinträchtigung
sei das Problem, er habe außerdem Unterlagen zum Bauantrag des Windparks genauer unter die Lupe genommen und dabei nach eigenen Aussagen einige Ungereimtheiten gefunden. So sei im Flächennutzungsplan der Gemeinde Borchen vorgesehen, dass

Windräder eine Höhe von 100 Metern nicht überschreiten dürfen. Die 17 geplanten An-
lagen sollen jedoch 200 Meter hoch werden. Außerdem kritisierte er, dass der Schallpegel bei drei Anwohnern in der Nähe der Autobahn deutlich überschritten werde und das Gutachten auf Umweltverträglichkeit irreführende Fotomontagen beinhalte. »Das Gutachten wurde vom Bauherrn in Auftrag gegeben und stellt die Situation meiner Meinung nach nicht richtig dar. Die geplanten Anlagen werden von einem großen Teil der Bevölkerung abgelehnt. Ihr Bau würde den Dorffrieden bedrohen«, so Henniges.

Unterstützung erhält die Bevölkerung auch von der Politik, wie Volker Tschischke als Mitglied des Gemeinderates erklärte. Im Finanz- und Umwelt- ausschuss stimmten sowohl CDU als auch SPD gegen den Windpark. Bis jetzt seien bereits 440 schriftliche Einsprüche allein in der Gemeinde eingegangen. Wolfgang Brand, ebenfalls Unterstützer dieser Initiative, hofft, dass am Ende ein Erfolg steht: »Erst kürzlich gab es die Aktion ›Aufschwung für Etteln‹, die sehr erfolgreich war. Der Windpark hingegen wäre ein erneuter Abschwung und das will doch niemand.«

Ortsvorsteher Ulrich Ahle legte als Moderator der Versammlung Wert darauf, Akzeptanz für beide Positionen mitzubringen. »Es geht hier nicht um ein Duell zwischen Windparkbetreiber und Windparkgegner. Es gibt ja bereits Anlagen in Borchen und der Umgebung. Aber diesen Windpark, wie er jetzt geplant ist, wollen wir nicht.« Deshalb werde die Gemeinde im Fall einer Baugenehmigung gegen das Urteil des Kreises klagen.

Die Veranstaltung stieß auf große Zustimmung beim Publikum. Viele Anwesende kündigten an, persönliche Einsprüche an den Kreis weiterzuleiten. Ein weiterer Beschwerdepunkt war dabei zum Beispiel der Schattenwurf. Jäger Patrick Büker sorgte sich außerdem um den Lebensraum gefährdeter Vogelarten wie dem Rotmilan. Die Einsendung weiterer Beschwerden ist bis zum 9. Mai möglich. Wenn der Bauantrag schließlich abgelehnt wird, soll es voraussichtlich Anfang Juni einen Erörterungstermin geben.

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