Malawigrüße

Meine Zeit hier in Malawi neigt sich dem Ende zu und ich möchte die Gelegenheit nutzen um meinen letzten Zwischenbericht zu schreiben.

eva-hueppmeierIch habe in den letzten 3 Monaten viele interessante Erfahrungen gemacht, die mich sehr beeindruckten und mir wohl mein Leben lang in Erinnerung bleiben werden.
Die Arbeit der letzten Monate zog sich durch alle Bereiche des Madisi Missions Hospitals und gab mir die Chance einen Überblick der medizinischen Berufe zu bekommen.
Während der Zeit auf der Erwachsenenstation lernte ich unter Aufsicht z.B. Zugänge zu legen und Blutproben zu entnehmen.
Außerdem durfte ich bei der Visite assistieren und bei der Tablettenvergabe helfen. Meine Aufgaben deckten sich fast vollständig mit denen der ausgebildeten Krankenschwestern hier in Malawi.
Die vielschichtigen Erlebnisse zeigten mir wieder einmal mehr, wie wichtig es ist Projekte in Entwicklungsländern zu unterstützen. Wenn wieder einmal von der Verwaltung erklärt wird, dass kein Geld für Taschenlampen verfügbar sei und die Krankenschwestern in der Nacht während des Stromausfalls mit Kerzen versuchen Kanülen zu setzen oder Spritzen zu geben, wird mir klar, dass wirklich jeder Cent zählt.
Wenn Patienten sterben müssen, weil die, für uns Deutsche, doch so selbstverständliche Behandlung hier nicht möglich ist, wird die Verzweiflung bei mir besonders groß.
Trotz alledem versuchen die Malawier nicht aufzugeben und improvisieren wo sie nur können. Ihr Einfallsreichtum und der Glaube an Gott in jeder erdenklichen Situation hat mich schon oft überrascht.
Nach dieser Zeit der wirklich beeindruckenden Erlebnisse wechselte ich mein Arbeits-umfeld und lernte auf der Kinderstation unter Stress und Druck zu arbeiten.
Durchschnittlich 100 Patienten wollten jeden Morgen untersucht werden, Tabletten ausgehändigt und Spritzen verabreicht bekommen.
Viel Zeit um Fragen zu stellen und etwas über Krankheiten zu lernen blieb mit zwar nicht, aber dafür habe ich gelernt, im Akkord zu arbeiten und dabei trotzdem noch den Überblick zu bewahren.
Eine wichtige Eigenschaft, die in medizinischen Berufen unabdingbar ist.
Nach dieser stressigen Zeit wechselte ich dann in den Kreissaal, wo ich bis zum Ende meines Dienstes bleiben werde.
Von Zwillingsgeburten und Kaiserschnitten bis hin zu Ausschabungen und Todgeburten habe ich jetzt alles miterlebt.
Meine Aufgabe ist es, der Hebamme während der Geburt zu assistieren und mich nach der Entbindung um die Neugeborenen zu kümmern.
Ich habe festgestellt, dass die Mehrheit der Frauen, die zur Entbindung kommen sehr jung sind und die meisten von ihnen noch zur Schule gehen. Außerdem unterscheiden sich die angewandten Untersuchungsmethoden so sehr von denen in Deutschland, dass es für mich erst eine Zeit der Umstellung bedurfte.
Ich stelle viele Fragen, lerne viel und darf sogar einige Untersuchungen an den Frauen durchführen.
Vor ein paar Tagen haben wir auch ein Ultraschallgerät für das Krankenhaus bekommen, was die Arbeit besonders im Kreissaal sehr vereinfacht.
Insgesamt gefällt mir die Arbeit im Krankenhaus sehr gut und auch, oder gerade wegen der vielen Erfahrungen mit dem Tod, habe ich schon vieles lernen dürfen.
Die Mischung aus allen Bereichen der medizinischen Berufe hat mir die Entscheidung meiner Berufswahl erleichtert. Diese intensive und abwechslungsreiche Arbeit hätte ich in Deutschland wohl nirgendwo erfahren können. Dafür bin ich sehr dankbar und denke, dass mich meine Arbeit nicht nur in dem medizinischen Wissen sondern auch persönlich gestärkt
hat.
Liebe Grüße
Eva

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