»Mehr als 700 Meter möglich«

Initiative Tudorf: Planung soll in Bezug auf Windrad-Abstand überarbeitet werden

An vielen Orten im Kreisgebiet sind neue Windkraftanlagen beantragt – oft sehr zum Missfallen der Anwohner. In Tudorf fordert die Bürgerinitiative Verwaltung und Politik jetzt auf, den aktuellen Plan wegen sachlicher Fehler zu überarbeiten. Foto: Besim MazhiqiOberntudorf / Niederntudorf(WV/han). Auch in Tudorf wehren sich Anlieger gegen geplante Windvorrangzonen. Sie sehen ihren Ort durch die Nähe zum Flughafen ohnehin schon belastet und halten es für zwingend notwendig, dass der Plan grundsätzlich überarbeitet wird.
Christiane Rensing, Sprecherin der Bürgerinitiative, beschreibt die Lage so: »Mit niedrigsten Abständen gehen die Planer ins Rennen. Und behaupten den Bürgern gegenüber: Mehr ist absolut nicht drin. Wir nehmen euch sehr ernst, aber alles andere ist nicht rechtssicher. Einwände und Proteste werden ignoriert und die Mehrheitsfraktion folgt am Ende den Planern fügsam und brav.«
Christiane Rensing erläutert, das Land NRW habe untersucht, wie viel Fläche in den Kommunen für Windenergie zur Verfügung steht. „Mit rund 30 beziehungsweise 40 Prozent mehr an Fläche schießen die Salzkottener Planer weit über die Landesempfehlungen hinaus.«
In der jüngsten Bauausschusssitzung habe Zweitgutachter Michael Ahn seine Position dargelegt und deutliche Kritik geübt, so die Initiative. Die Initiative sieht sich von Ahn bestätigt. So fehle im Plan die eindeutige Definition einer Referenzanlage. Rensing: »Der ganze Plan kann nichts werden, wenn man nicht sagt, welche Windradklasse man zugrunde legt.«
Auch Ahn sage, dass mehr als 700 Meter Abstand zur Bebauung möglich seien, zählt Christiane Rensing die Übereinstimmungen auf. Weiterhin seien die Begründungen für den Ausschluss einiger Flächen in höchstem Maße rechtsunsicher. Das gelte für den Burscheid, für Berglar-West und den Nordteil der Deponiefläche. Die Siedlung Haarener Straße müsse zudem mit deutlich höheren Abständen geschützt werden. Einig sieht sich die Initiative mit Planer Ahn auch darin, dass die Definition der harten Tabuzonen fehlerhaft sei. Planer der Nachbarkommunen hätten eine andere Auffassung von dem Fachbegriff.
Für Michael Wessel aus Oberntudorf ist »die Salzkottener Windwelt eine ziemlich verkehrte Welt«: »Die Mehrheitsfraktionen der Nachbarkommunen wie zum Beispiel in Paderborn treten zurzeit auf die Bremse und in der Opposition will man nach wie vor Gas geben. In Salzkotten ist es genau umgekehrt. Man macht sich zum braven Handlanger einer in ihren Auswirkungen rücksichtslosen Windindustriealisierung.«
Zum Thema Landschafts- und Vogelschutz betont die Gruppe: »Die Salzkottener Planer haben vom Biologen Dr. Loske ein niederschmetterndes Urteil hinnehmen müssen. Jetzt wissen wir endgültig: die Entscheidungen in Sachen Natur- und Landschaftsschutz sind von Willkür geprägt und es wurde mit zweierlei Maß gemessen.«
So sei exklusiv für zwei von 13 unter Landschaftsschutz stehende Flächen von den Planern überhaupt keine Anfrage beim Kreis auf Befreiung gestellt worden. Bis heute warte die Initiative auf eine Begründung dafür. Nicht nachvollziehbar sei außerdem, nach welchen Maßstäben bei der Entlassung aus dem Landschaftsschutz verfahren werde.
Michael Wessel erläutert: »Die zwei genannten Flächen und noch andere werden mit harten Tabukriterien belegt. Begründung: Windräder würden den großen Brachvogel und die Weihen gefährden. Drei andere Flächen aber, darunter zwei Tudorfer Flächen, werden Windkonzentrationszonen – obwohl in ihnen Vogelarten leben, die sich wie Brachvogel und Weihen ebenfalls in der höchsten Schutzklasse befinden: Wespenbussard, Baumfalke, Rotmilan und Uhu.«.
Christiane Rensing versichert: »Wir werden keine Ruhe geben. Die Fixierung auf Rechtssicherheit hat in die Irre geführt. Der jetzt vorliegende Plan ist unbrauchbar. Er begünstigt einseitig die Interessen der Windindustrie.«

Artikel im Westfalen-Blatt vom 6.2.2015
Diese Seite wurde bisher 2.453 mal gelesen

Kommentar verfassen