Pfarrer Vagedes geht in den Ruhestand

Konzil in Rom hautnah erlebt 

Pfarrer Dr. Arnulf Vagedes geht in den Ruhestand – Fest zum Abschied

Von Jürgen Köster
Bad Driburg (WB). »Zur Grundschule gegangen bin ich mit Klaus Töpfer. Der war damals schon ehrgeizig, bei mir kam das erst später.« Meist mit einem Augenzwinkern blickt Dr. Arnulf Vagedes auf seinen Werdegang. Am Sonntag, 25. Januar, wird er beim Pfarrverbundsfest verabschiedet. 

Geboren wurde der langjährige Dechant (bis 1998) und Pfarrer der Gemeinde St. Peter und Paul am 2. Januar 1939 in Hamm. Von Frankreich aus riet sein Vater Michael – später Chefarzt am Nikolai-Krankenhaus Höxter – seiner Ehefrau Margot, geborene Ries, in einem Brief von dort wegzuziehen. Wegen der Luftangriffe auf den nur zwei Kilometer entfernten Verschiebebahnhof sei es zu gefährlich zu bleiben.
So kam die Familie nach Höxter, wo der Großvater von Arnulf Vagedes Schulrat war. Nach der Grundschule wechselte er zum König-Wilhelm-Gymnasium, das auch seine vier jüngeren Geschwister besuchten und legte dort das Abitur ab. Für ein Semester studierte Vagedes dann in Paderborn Theologie. »Mein Vater wollte mich nach Münster schicken, aber dort war mein Onkel Dr. Michael Keller regierender Bischof, und ich wollte deswegen nicht so gern dorthin«, blickt Vagedes auf diese Zeit. 
Die Konviktleitung in Paderborn hatte offenbar das große Interesse und die Veranlagung des Höxteraners erkannt und schickte ihn zum Studium nach Rom. Vagedes: »Das war fast die schönste Zeit in meinem Leben und eine ausgesprochen spannende zudem.« Der Grund dafür war das Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965). »Wir haben den Kampf um die theologischen Neuerungen hautnah mitbekommen. Unsere Dozenten waren zum Teil in die Beratungen eigebunden und hochgestellte Geistliche«, berichtet Vagedes. Da habe es schon einmal passieren können, das der frühere Privatsekretär von Papst Pius XII. mit demselben Aufzug gefahren sei wie die Studenten und mit ihnen gesprochen habe. 
Seit dieser Zeit spricht der Bad Driburger Seelsorger neben Lateinisch auch Italienisch. »Gelernt haben wir das bei einem Südtiroler. Den wollten wir immer überreden, uns anti-italienische Witze zu verraten. Hat er aber nicht getan«, kann sich Vagedes noch gut erinnern. Examina seien in Latein erfolgt und Lehrbücher ausschließlich in lateinischer Sprache verwendet worden. »Wenn ich nun pensionert bin, könnte ich am Gymnasium St. Xaver nachfragen, ob ich Sextaner unterrichten soll«, bemerkt Vagedes eher im Scherz.
»Ernst« wurde es für ihn nach der Priesterweihe am 10. Oktober 1964 durch den damaligen Erzbischof Lorenz Jäger in Paderborn. Nach zwei Vikarsstellen in Dortmund und Herford wechselte er zum Clemensheim nach Bad Driburg, um zu promovieren. Bis 1978 war er Präfekt des Hauses.
Als Pastor war er dann drei Jahre hindurch für Bonenburg, Ikenhausen und Löwen zuständig, bevor er an das Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik nach Paderborn ging und zeitgleich als Pfarrer im benachbarten Borchen-Alfen wirkte.
Diese Kombination aus Theorie und seelsorgerischer Praxis habe ihm gut gefallen, aber er sei dem »Wunsch aus Paderborn« nach Bad Driburg zu gehen natürlich gefolgt.
Dort habe er zunächst den Kopf geschüttelt: »Eine Kurstadt ohne Pfarrheim, wo gibt es denn so etwas?«, habe er sich gefragt. Auch die Zerteilung der Gemeinde habe ihm nicht gefallen. »In Bad Driburg gab es sonntags 13 Messen«, führt er als Beleg an. 
Nicht nur diese Kleinteiligkeit hat Dr. Vagedes beendet, sondern als Leiter des Pfarrverbundes auch die Ortschaften Alhausen, Pömbsen, Reelsen und Langeland-Erpentrup mit mehr als 6000 Gläubigen zusammengeführt. Die Renovierungen der Kirchen dort und in der Kernstadt fielen in seine Verantwortung. 
Als Ruheständler bleibt er der Badestadt erhalten. »Meine neue Wohnung in der Südstraße hat einen netten Balkon. Den möchte ich häufig nutzen, um dort zu lesen – die ganzen Krimis, die ich zum 70. Geburtstag bekommen habe«, schmunzelt Dr. Vagedes. 

Artikel im Westfalen-Blatt vom 16.01.2009

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