Protest auf die Straße verlegt

200 Menschen stemmen sich gegen weiteren Ausbau der Windenergie im Kreis – Kundgebung in Büren

a27718692i0008_max1024xBüren(WV). 200 Menschen haben am Freitagabend vor dem Mauritiusgymnasium in Büren gegen den »ungebremsten Ausbau« von Windrädern in der Region demonstriert. Mit Trillerpfeifen und Rasseln machten sie auf dem Parkplatz des »Mauri« auf sich aufmerksam. Im Gymnasium sprach Westfalen-Wind-Geschäftsführer Johannes Lackmann über die Energiewende.

Von Sebastian Schwake

Erstmals sind Akteure aus den Bürgerinitiativen, die dem »Regionalbündnis Windvernunft« angehören, gemeinsam auf die Straße gegangen und haben protestiert. Dem Aufruf »Flagge zeigen – Meinung geigen« waren Einwohner aus dem gesamten Kreis Paderborn gefolgt. Etliche von ihnen hatten Plakate und Schilder gebastelt, auf denen die Worte »Abstand halten«, »Stoppt den Wind-Irrsinn« oder »Windvernunft« prangten. Immer wieder riefen sie »Wir sind das Volk« oder »Abstand halten«. Unter den Protestlern waren auch Kommunalpolitiker.

Die Kundgebung fand auf dem Parkplatz vor dem Gymnasium statt – das war eine Anordnung der Polizei. Der Binnenhof durfte nicht betreten werden. Nicht alle Bürger konnten dem Vortrag von Johannes Lackmann über »Das Bürener Land im Zeichen der Energiewende« im Saal des »Mauri« zuhören. Die Sprecher der Initiativen nutzten die Kundgebung, um die Bürger zu informieren. »Uns geht es nicht um Krawall. Wir wollen Informationen verbreiten. Unser Ziel ist es, die Bürger wachzurütteln und sie über das Thema Windkraft im Kreis Paderborn aufzuklären und dafür zu sensibilisieren«, sagte Hans-Josef Trilling, Sprecher der Weiberger Initiative. Die Akteure der Initiativen informierten über die Planungen der Windkraftbranche in der Region und über den Landesentwicklungsplan-Entwurf, der zusätzliche Flächen für Windenergie im Kreis vorsieht.

Der Protest der Initiativen richte sich nicht allein gegen die Kommunalpolitiker in den Städten und Gemeinden des Kreises. »Wir wollen sie ein ganzes Stück weit unterstützen. Sie werden von den Gerichten nur getrieben«, sagte Hans-Josef Trilling. Den Ratsmitgliedern und Verwaltungen seien die Hände gebunden, weil bauplanungsrechtlich Windkraftanlagen im Außenbereich privilegiert und damit grundsätzlich zulässig sind. Das regelt Paragraf 35 im Baugesetzbuch. Die Initiativen aus dem Kreis Paderborn fordern die Novellierung dieses Paragrafen und des Erneuerbare-Energien-Gesetzes – und blicken nach Berlin. »Dort spielt die Musik und auch bei Herrn Remmel und Frau Kraft in Düsseldorf«, sagte Hans-Josef Trilling. Genau dorthin könnte es die Bürger aus dem Kreis Paderborn demnächst ziehen. Die Initiativen haben die Bürener Kundgebung gestern als »Versuchsballon« genommen für eine mögliche Demonstration vor dem Landtag in Düsseldorf. »Wenn wir in Büren 150 Leute auf die Straße bringen, sehe ich das als gelungenen Versuchsballon für einen Protest in Düsseldorf«, hatte Hans-Josef Trilling vor der Kundgebung angekündigt. Gemeinsames Ziel aller Initiativen in Nordrhein-Westfalen ist ein Aufmarsch von 10 000 Teilnehmern in der Landeshauptstadt.

Artikel im Westfalen-Blatt vom 8.3.2014

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