Satire trifft Windkraft

Artikel im Westfalen-Blatt vom 28.7.15

Von Bernhard L i e d m a n n – B o r c h e n (WV).

Satire ist oft die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Deshalb haben Windkraftbetreiber in der Region zur Unterstützung ihres Anliegens eine besondere Homepage im Internet ins Leben gerufen. Unter »windkraftsatire. de« müssen insbesondere Kritiker der Windkraft viel Humor beweisen.

Ginge es nach den Machern der Seite »Windkraftsatire.de«, müssten die Ortsschilder Borchens angesichts der aktuellen Diskussion um die Höhenbegrenzung von Rädern ausgewechselt werden. Montage: Jörn Hannemann (Foto: Jörn Hannemann/Grafik: Windkraftsatire)

Ginge es nach den Machern der Seite »Windkraftsatire.de«, müssten die Ortsschilder Borchens angesichts der aktuellen Diskussion um die
Höhenbegrenzung von Rädern ausgewechselt werden. Montage: Jörn Hannemann (Foto: Jörn Hannemann/Grafik: Windkraftsatire)

Die Federführung bei diesem Internet-Ableger hat Westfalen Wind GmbH mit Mitgeschäftsführer Johannes Lackmann mit einem klaren Ziel: »Viele Vertreter in den Amtsstuben und Verbandsspitzen verdienen nach etlichen Jahren, die sie uns Zeit und Nerven geraubt haben, vor allem eins: unseren Spott.« An der satirischen Offensive sind unter anderem die Buker Windkraft, die Asselner Windkraft oder auch die Bürgerwindparks Weiberg oder Haaren- Leiberg beteiligt.

Außer nationalen Themen stehen auch lokale Ereignisse im Fokus der Satiriker: »Bewiesen: Windräder schützen Schützen vor Säufer-Leber« spielt auf Diskussionen in Dahl an und »Vorsicht vor der Energiewende: Wer Windräder sät, könnte Sturmbannführer ernten« auf die Wewelsburg. Die letzte Bastion der Windkraftbeschränkung, die Gemeinde Borchen, muss als »Exklave des Windradfrei-Staats Bayern« auch einiges aushalten, aber im Mittelpunkt der satirischen Kritik steht ein spezieller Bürgermeister, auf der Seite auch gerne »Reiner Allerwissen « oder auch »Reiner Allahwissend « genannt.

»Geduld, ein dickes Fell und eine gute Portion Humor gehören dazu, die Windkraft vor unlauteren Angriffen zu schützen«, hatten die Gründer der Website den ungewöhnlichen Weg abseits der Politik und Gerichte beschrieben. Im aktuellen Zentrum der Satire steht Borchens Bürgermeister Reiner Allerdissen und seine Ablehnung von weiteren 17 Anlagen bei Etteln. »Meine Air Force Borchen One rasiert alles oberhalb von 100 Metern ab, und das nachhaltig, oder was glaubt ihr, warum ich gerade die Piloten-Lizenz für kleingeistigen Tiefflug erworben habe?!«, wird ihm in den Mund gelegt.

»Das gehört zum Job eines Bürgermeisters eben dazu, das muss man ertragen«, sieht das Satire-Objekt Allerdissen die Beiträge eher gelassen. »Das Niveau kann man sich halt nicht aussuchen.«

An seinem Standpunkt selbst und dem des entsprechenden politischen Beschlusses der gewählten Gremien will er aber nicht rütteln und reagierte jüngst auch in den sozialen Medien auf die Überlegungen von ortsansässigen Interessenten, im Bereich des Hunnewinkels bei Kirchborchen einen Bürgerwildpark mit zehn Anlagen zu planen. Solche Überlegungen seien ihm bekannt, konkrete Anträge oder Anfragen lägen ihm aber nicht vor.

»Zweifelsohne werden diese Flächen nicht die letzten bleiben. Ich habe immer betont, dass weitere Anträge, die die gesamte Fläche Borchens betreffen, von mir erwartet werden«, postete Allerdissen. Also jede Menge Futter für »Satire-Freunde« in Sicht.

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