Wie Hape: Er war dann mal weg

 

Reinhard Menne ist ein radelnder Pilger

Von Stefanie Winkelkötter

Reinhard Menne in der Nähe des Ammersees.

Reinhard Menne in der Nähe des Ammersees.

Brackwede (WB). Um es vorweg zu nehmen: Den Hape-Kerkeling-Bestseller »Ich bin dann mal weg« hat Reinhard Menne nicht gelesen. Doch über den Jakobsweg kann der 53-Jährige trotzdem jede Menge erzählen, und auch über den Pilgerweg nach Rom. Er hat beide Strecken per Fahrrad bewältigt. Am Dienstag berichtet er von seinen Erlebnissen.
Reinhard Menne in der Nähe des Ammersees. Zu Beginn hatte er 18,6 Kilogramm Gepäck dabei. Drei Kilo schickte er zwischendurch nach Hause.

Reinhard Menne ist Leiter des Malerbildungszentrums im Handwerksbildungszentrum Brackwede. Dort betreut er insgesamt gut 400 Auszubildende, die Maler oder Fahrzeuglackierer werden wollen, und diejenigen, die die Meisterprüfung anpeilen. Einmal in der Woche fährt er mit dem Rad von seinem Arbeitsplatz an der Arnsberger Straße aus nach Hause – immerhin 50 Kilometer bis Borchen-Alfen im Kreis Paderborn. »Ich fahre leidenschaftlich gern Rad«, sagt Menne. Vor sechs, sieben Jahren habe er damit begonnen, längere Etappen zu absolvieren. Während einer Tour nach Wien traf er einen Franzosen, der auf einer Pilgerreise nach Jerusalem war. »So eine richtig lange Strecke wollte ich auch mal absolvieren«, erinnert er sich. »Dann bekam ich in Paderborn Kontakt zu den Jakobuspilgern. Das war, bevor Hape Kerkelings Buch erschien, aber als der Jakobsweg schon wieder etwas bekannter war. Jerusalem war undenkbar, aber nach Santiago de Compostela wollte ich.« Vor zwei Jahren nahm er die 3317 Kilometer in Angriff. »Ich komme aus einer sehr katholischen Familie, bin aus der Kirche ausgetreten, aber Christ. Ich wollte wissen, was es mit dem Pilgern auf sich hat, wie es um meine Spiritualität gestellt ist.« Er wusste nicht, ob er es schafft. »Ich hatte ein schwieriges Pensum – im Schnitt 123 Kilometer am Tag.« Auf dem Weg wurde Menne zu einem richtigen Pilger. »Ich war vorher ein ambitionierter Sportler mit christlichem Hintergrund. Aber die Tour hat mich richtig ergriffen. Man beschäftigt sich viel mit sich selbst.« 
In diesem Sommer dann ging es auf den so genannten »Cammino a Roma«, den Pilgerweg nach Rom, knapp 2000 Kilometer in vier Wochen. Die 1200 Kilometer bis Verona war er allein unterwegs, dann stieß Partnerin Edeltraud Weritz (49) dazu. Bis zu 168 Kilometer am Tag trat Menne in die Pedale, bergauf und bergab, bei Sonnenschein und Regen – und Letzteren gab es in den Alpen reichlich. Trotzdem war die Tour ein imposantes Erlebnis. »Je näher man Rom kommt, desto mehr Pilger sind unterwegs«, hat er festgestellt. »Pilgern ist ÝinÜ.« 
Bei der Vorbereitung seiner Touren hat der 53-Jährige gelesen, dass ein Christ in seinem Leben drei heilige Stätten besuchen muss: Santiago, Rom und Jerusalem. Zu den beiden ersten Orte ist Menne bereits gepilgert. Die Radtour nach Jerusalem hat er sich für den Ruhestand vorgenommen. Im nächsten Jahr geht es aber zunächst mit Tochter Sophia (14) per Rad quer durch Norwegen.

Westfalen-Blatt Artikel vom 01.11.2008

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