Windkraft-Riese will in Paderborn Fuß fassen

Artikel im Westfalen-Blatt vom 7.7.2016

Interesse an 14 Rädern im Forst zwischen Wewer und Alfen

LärmschutzBorchen (bel). Der Kreis Paderborn hat ein attraktives Investitionsklima. Auch beim Thema Windenergie werden derzeit aus dem süddeutschen Raum Fühler für weitere Investitionen ausgestreckt. Im Fokus steht dabei der Forst in Wewer mit den Anrainerkommunen Paderborn, Salzkotten und Borchen. In der Schublade liegen Planungen für 14 Anlagen mit konkreten Standorten im und am Wald. In der großen Masse befinden sie sich im Bereich der Gemarkung Paderborn, einige sind jedoch auch auf dem Areal der Gemeinde Borchen hinter der Ziegelei in Richtung Wewer. Die Stadt Paderborn bestätigte auf Anfrage des WV ein entsprechendes Vorgespräch mit Interessenten. Dabei ging es auch um konkrete Standorte im Weweraner Forst. Neun Standorte wären danach im Bereich der Gemarkung Paderborn, eine auf dem Stadtgebiet in Salzkotten und vier im Bereich Borchen. Die Paderborner Verwaltung habe jedoch in dem Gespräch auf die geltenden Windvorranggebiete der Stadt hingewiesen und deshalb die Voranfrage abschlägig beschieden.
Der Wald ist für die Windkraft auch in NRW keinesfalls eine völlige Tabuzone: Der Windkraftenergieerlass aus dem Jahr 2011 hat den Wald wieder für die Windenergieplanung geöffnet. Allerdings gilt hier die Vorgabe, so das Umweltministerium des Landes, dass Windenergieanlagen nur dort gebaut werden dürfen, wo sich ökologisch nicht hochwertige Flächen wie zum Beispiel Fichtenforstkulturen befinden. Der Erlass wurde im November nochmals konkretisiert. Danach kann ein Wald auch in eine andere Nutzungsart umgewandelt werden. Der Verlust der Waldfunktionen kann dabei durch Ersatzaufforstungen ausgeglichen werden.
Die Planungen aus dem süddeutschen Raum kommen dabei nicht von einem »Kleinen« in der Branche. Die Aktiengesellschaft »Juwi« betreibt derzeit unter anderem mehr als 900 Windkraftanlagen weltweit an insgesamt 150 Standorten, hat mehr als 1000 Mitarbeiter und einen Gesamtumsatz von mehr als 575 Millionen Euro. Im Bereich der Windenergie bezeichnet sich das Unternehmen auch als Spezialist für Windkraft im Binnenland einschließlich Wald. Herausragende Projekte waren unter anderem der Windpark Kirchberg im Hunsrück, mit 21 Anlagen der größte Windpark in Südwestdeutschland.
Beim Thema Wind stehen damit neben den aktuellen Debatten um die Flächennutzungspläne nicht nur den Städten Paderborn und Salzkotten weitere Diskussionen ins Haus. Abgesehen von den Überlegungen im Nordwesten von Alfen ist immer noch die Klage vor dem Verwaltungsgericht Minden bezüglich der Höhenbegrenzung von Windkraftanlagen anhängig. Hier stehen die geltenden Pläne der Gemeinde mit der Maximal-Grenze von 100 Metern auf dem Prüfstand. Begründet wird die Klage mit der fehlenden Rentabilität einer solchen Anlage. Im Gegensatz dazu erteilte die Gemeinde Borchen jüngst einem Bauantrag die Zustimmung, bei dem diese Höhengrenze eingehalten wurde. Die Gemeinde wertet dies als klaren Beleg dafür, dass solche Anlagen auch wirtschaftlich betrieben werden können. Sollte jedoch der geltende Flächennutzungsplan juristisch erfolgreich in Frage gestellt werden, befinden sich bereits zahlreiche weitere Anlagen außerhalb der ausgewiesenen Vorranggebiete in der Antragsschleife beim Kreis Paderborn.

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