Windräder rücken näher

Bei der Alfener Ziegelei will Salzkotten ein neues Vorranggebiet ausweisen

Alfen/Salzkotten (WV). Nach Autobahnlärm und dem Dauerkrach der Flieger über dem Kopf droht Alfen die nächste Dezibelbelastung. Mit dem geplanten Windvorranggebiet rückt Salzkotten bei Tudorf dem Borchener Ortsteil auf die Pelle. Der erste Widerstand in Alfen formiert sich.

Von Bernhard Liedmann

Borchen hat seine Gemeindegrenzen für weitere Ambitionen von Windkraftbetreibern regelrecht dicht gemacht. Auch die beim Kreis Paderborn beantragten elf Anlagen von Westfalen-Wind bei Etteln sind inzwischen zurückgezogen worden.

Die Alfener fürchten um die noch ländliche Idylle bei der Ziegelei. Wenn die Salzkottener Pläne Realität werden, rücken die Windräder nahe an den Ortskern heran. Fotos: Jörn HannemannDoch bei Alfen wird mit dem geplanten Windvorranggebiet der Stadt Salzkotten ein neues Konfliktfeld aufgemacht. Die Stadt Salzkotten plant auf dem Tudorfer Gelände drei Flächen für die Windkraftbebauung. Hier könnten eventuell zehn Windkraftanlagen entstehen mit einer Gesamthöhe von je 180 Metern. Zwei Flächen betreffen Alfen direkt: Im Süden ist es der »Fuchsberg« bei der Autobahn und im Westen der Bereich vor der Alfener Ziegelei. Die entsprechenden Planungen hat der Salzkottener Rat bereits auf den Weg gebracht, in Alfen hat dies Beunruhigung ausgelöst.

In einer Anfrage an den Borchener Rat wollte jüngst ein Alfener wissen, wie sich die Gemeinde zu den beiden Vorranggebieten verhält, das Areal der Nähe der Ziegelei sei schließlich gerade mal 1300 Meter von Ortskern entfernt. Außerdem wurde gefragt, mit welchen Emissionen Alfen dann zu rechnen habe. In ihrer Antwort weist die Gemeinde Borchen darauf hin, dass im Rahmen des anstehenden Offenlegungsverfahrens Borchen an der Planung beteiligt wird und dazu nach Beratung im Bauausschuss auch eine Stellungnahme abgeben kann. Bei den Belastungen durch die Emissionen werden die Auswirkungen seitens der Gemeinde als nicht gering eingestuft, da in der Regel ein Westwind herrscht und damit abgesehen von den optischen Effekten der Lärm nach Alfen regelrecht hineingetragen wird. Zu der vorgesehenen Bürgerinformation der Stadt Salzkotten am 19. Juni zum Thema Windkraft werden damit sicherlich auch zahlreiche Alfener den Weg antreten.

Eine positive Stellungnahme der Gemeinde Borchen zu den Plänen der Nachbarstadt dürfte wenig wahrscheinlich sein, da auch der Borchener Rat mit Bürgermeister Reiner Allerdissen an der Spitze nach der Debatte um den Ettelner Windpark grundsätzlich eine Änderung des Flächennutzungsplanes und weitere Areale für Windkraftanlagen abgelehnt hatte. Die Begründung war einhellig: Mit 41 Windkraftanlagen auf Gemeindegebiet und einem Anteil von drei Prozent der Gemeindefläche für Windvorranggebiete habe Borchen seinen Beitrag zum Ausbau der regenerativen Energien geleistet, bereits jetzt decke Borchen rechnerisch mehr als 100 Prozent seines Stroms aus regenerativen Energien, war die damalige Ablehnung des Ausbaus in Etteln begründet. Auch eine Bürgerversammlung mit dem Angebot von hohen Renditen und einer Bürgerstiftung konnten die Borchener nicht umstimmen. Nach dem Rückzug der Bauanträge streiten sich jetzt Ettelner Landwirte vor Gericht mit Westfalen-Wind wegen der Folgekosten, weil damals bereits Vorverträge abgeschlossen worden waren.

Die Borchener Ablehnung von weiteren Anlagen und einer Änderung des Flächennutzungsplanes steht auch juristisch auf sicheren Füßen. Vor Jahren hatte sich bereits ein Windkraftbetreiber beim Melkeweg durch das Mindener Verwaltungsgericht einklagen wollen, scheiterte jedoch.

Mit Besorgnis betrachtet jetzt aber auch Bürgermeister Reiner Allerdissen, dass rund um Borchen der Ring der Windvorrangzonen immer enger gezogen wird: Dahl bei Dörenhagen und die Anlagen von Büren, Lichtenau und Bad Wünnenberg rücken auch optisch immer näher.

Artikel im Westfalen-Blatt vom 17.5.2013

Diese Seite wurde bisher 4.405 mal gelesen

4 Kommentare

  • Hallo,
    was mich wundert, dass bisher nur 2 Kommentare zu diesem für unseren Ortsteil so brisantem Thema auf der Alfener Website erschienen sind. Kann es sein, dass man sich die Dimensionen dieser riesigen Windkraftanlagen und deren Auswirkungen nicht vorstellen kann?

    Die Bürgerversammlung in Tudorf am 19.06.2013 könnte von unserem Ortsteil u. a. auch dazu genutzt werden, unsere Betroffenheit allein durch unsere Anwesenheit den Verantwortlichen zu demonstrieren.
    Wer fühlt sich eventuell noch angesprochen?

    Abendlicher Gruß von F.-J. Lunatschek.

  • Kathrin Sauerwald

    Hallo,

    ich habe erst heute die Pläne zur Windkraftbebauung zur Kenntnis genommen und bin entsetzt. Bei meinen Internet-Recherchen bin ich auf die Seite der Bürgerinitiative „Gegenwind“ gestoßen, die für mich allein schon bezüglich der zu erwartenden Lärmbelästigung besorgniserregende Argumente anführt:

    „Lärm durch Windkraftanlagen“

    Windkraftanlagen verursachen Lärm durch Rotorflügel-, Antriebs- und Windgeräusche. Die von den Windrädern mechanisch verursachten Geräusche an der Nabe werden mit 103 bis 107 db (A) gemessen. Die Geräusche, verursacht durch hohe Spitzen-Geschwindigkeit der Flügel, werden von Fachleuten mit ca. 120 db (A) bestätigt. Der aerodynamische Lärm besteht aus tiefen, hörbaren, wummernden Tönen, die durch Eintritt der Rotorblätter in Luftschichten unterschiedlicher Dichte, Richtung und Geschwindigkeit, sowie durch Luftverwirbelungen beim Passieren des Mastes entstehen.
    Der hessische Wirtschaftsminister Dieter Posch erklärte kürzlich in einer Rede, dass mehrere Anlagen bei Wind den gleichen Lärm erzeugen können wie eine viel befahrene Straße.
    Die heutigen Windkraftwerke, die mit massivem Lobbydruck gegen die Bevölkerung durchgesetzt werden, haben nichts mit „Öko“ oder gar der „Windmühlenromantik“ von früher zu tun. Es sind hochtechnisierte, sehr laute Anlagen mit Höhen bis über 180 Meter, die den Lärm eines startenden Flugzeuges abstrahlen (über 100 Dezibel). 
 
Während jedoch ein Flugzeug wegfliegt und nach wenigen Minuten nicht mehr zu hören ist, stehen diese Anlagen für Jahrzehnte neben dem Wohnhaus, der Pension oder Gaststätte oder dem Naturschutzgebiet und blinken dazu noch Tag und Nacht – demnächst auch an den Flügelspitzen.“

    „Krank durch Windkraftanlagen“

    Wir wissen dies, weil Personen Symptome aufweisen, wenn sie sich für längere Zeit in der Nähe von Windturbinen aufhalten, diese Symptome aber verschwinden, wenn sich die Personen nicht mehr dort aufhalten.
    Die Symptome sind Schlafstörungen und Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Tinnitus (Ohrengeräusche), Ohrendruck, Benommenheitsgefühl, Schwindel (spinning dizziness), Übelkeit, verschwommenes Sehvermögen, Tachycardie (Herzrasen), Reizbarkeit, Probleme mit der Konzentration und dem Erinnerungsvermögen, Panikattacken mit einem Gefühl der Bewegung oder Zittern im Körper, die im Wach- und im Schlafzustand aufkommen.
    Die oben beschriebenen Symptome müssen nicht bei allen Menschen auftreten. Jedoch wenn nur ein Teil davon betroffen ist, ist das Grund genug.

    Aussage eines Betroffenen:
    „Man kann dem Lärm nicht entkommen – es ist wie eine defekte Waschmaschine, ein konstantes Rauschen, Trommeln, Lärm – Du kannst nachts nicht schlafen und dich tagsüber nicht konzentrieren – es ist Folter“;
    „Es ist nicht so sehr die Lautstärke, sondern die Art dieses Geräusches. Der Lärm wird mehr gespürt als gehört.“

    Weitere Argumente der Windkraftgegner werden so zusammengefasst:
    Minderung der Lebens- und Landschaftsqualität in der Nähe von Windparks

    – Horizontverschmutzung in hohem Ausmaß
    – Verlust des Kapitals eines unverbauten Ausblicks
    – Nachhaltige Auswirkung auf die betroffenen Orte durch permanenten Blick auf 185 m hohe Windräder
    – Geräusch der Rotoren / Infraschall
    – Schlagschatten je nach Sonnenstand
    – Befeuerung bei Tag und Nacht in weiß und rot
    – Gefährdung der Ruhezone des ländlichen Gebiets
    – Vernichtung des Naherholungsgebietes
    – Fehlen von Prüfung und Abwägung anderer Energiekonzepte wie z.B. Photovoltaik, Biogas, Holzschnitzelanlage,
    Blockkraftwerk in Neubaugebieten, Brennstoffzelle, Wärmedämmung
    – C-Standort mit geringer Ertragsaussicht (die mittlere Windgeschwindigkeit liegt knapp über der Fördergrenze von 6 m/Sek.)
    – Nicht erkennbare Einhaltung des Mindestabstandes von dicht bebauten Gebieten
    – Kein Rückbau, d.h. Windkraftanlagen bleiben auf Dauer, werden ausgeweitet mit der Folge weiterer „Schattenkraftwerke“ oder
    verfallen zu Industrieruinen
    – Einnahmeverlust der Gemeinden durch abwandernde Einwohner (primär finanzstarke Bürger)
    – Wertverlust der vorhandenen Immobilien und Mieteinnahmeverluste
    – Schädigung der vorhandenen Fauna (seltene Vogelpopulationen, Wildwechsel, Ruheplätze für Zugvögel befinden sich im direkten Einzugsgebiet der geplanten Windräder)

    (Quelle: http://www.gegenwind-waldsolms.de/4.html)

    Mögen diese Argumente sicher nur die eine Sicht auf die Dinge vertreten; liest man Aussagen von Befürwortern zum Thema „Lärm“, so kommen die auf beruhigendere Zahlen. Dennoch halte ich sie zumindest für bedenkenswert.

    Nun birgt das Thema ein auch für mich persönlich zu diskutierendes Dilemma: Grundsätzlich bin ich eine überzeugte Befürworterin des Atomausstiegs und Unterstützerin regenerativer Energien. Kann ich diese Überzeugung glaubwürdig vertreten, wenn ich gleichzeitig sage: „Öko-Strom ja, – aber bitte nicht vor meiner Haustür!“? – Vor dem Hintergrund, dass die Windenergie vor allem wohl ein hochsubventioniertes, auf Profit weniger ausgerichtetes Wirtschaftsbefangen ist, bei dem der tatsächliche Energiegewinn in unserer Region (und deren Windaufkommen) und die zu erwartende tatsächliche Auslastung dieser Windräder eher gering ist, dann kann ich doch überzeugt sagen: „Öko-Strom, auf jeden Fall ja; – aber nicht zu Lasten der Menschen und deren Gesundheit!

    Ich bedauere es sehr, dass ich am Mittwoch Abend aufgrund eines nicht verschiebbaren Termins nicht zur Bürgerinformation nach Salzkotten fahren kann. Ich hoffe aber, dass viele Alfener sich auf den Weg machen. Wenn wir als Betroffene nicht präsent sind, dann wird das Thema als bedeutungslos unter den Tisch fallen!
    Ich möchte schließen mit einem Aufruf: Liebe Alfenerinnen und Alfener, informiert euch über das, was auf uns da zukommen soll!! Wenn die Dinger erst stehen, können wir nichts mehr machen!

    Herzliche Grüße
    Kathrin Sauerwald

  • Waldemar Bera

    !!! Sehr wichtig!!!

    Liebe Alfener

    wenn die Windkraftenergiepläne der Stadt Salzkotten durchgesetzt werden und ein Windpark in der Nähe der alfener Zieglerei entsteht, dann wird das Leben für uns unerträglich werden. Bitte die Beiträge von Kathrin Sauerwald durchlesen und nach Möglichkeit morgen um 18:00 in der Kleeberghalle in Niederntudorf erscheinen. Dort findet eine Informationsveranstaltung zu diesem Thema statt. Wir sollten uns das nicht gefallen lassen und gemeinsam gegen diese Pläne protestieren.

    Unter dieser Adresse findet Ihr mehr zum Thema: http://www.salzkotten.de/rat/pressemitteilungen/pressemitteilungen13/116040100000012139.php

    Mit freundlichen Grüßen

    Waldemar Bera

  • Hallo Alfen,

    der Widerstand in Niedern- und Oberntudorf gegen die Windkraftpläne der Stadt Salzkotten wächst. Es hat sich mittlerweile auch eine Interessengemeinschaft aus beiden Ortsteilen gebildet, die gemeinsam unter dem Namen “ Interessengemeinschaft Windkraft Tudorf“ gegen die geplanten Pläne der Stadt Salzkotten angehen will.

    Es wird grundsätzlich nicht die Rechtmäßigkeit des Verfahrens bezweifelt, das ausschließlich in den Ortsteilen Niedern- und Oberntudorf zu Windkonzentrationszonen geführt hat. Die Rechtmäßigkeit des Verfahrens kann aber nicht jedes Ergebnis rechtfertigen. Die meisten Tudorfer und auch die Alfener können es einfach nicht glauben, daß sie – in der Flugschneise lebend – jetzt auch noch von Windriesen umstellt werden sollen.

    Die Interessengemeinschaft „Windkraft Tudorf“ sieht auch den Geist des Winderlasses verletzt. In besonders schwierigen Fällen, so der Erlaß, soll seitens der Gemeindeverwaltungen mit besonderer Behutsamkeit vorgegangen werden. Die lange Geheimhaltung der Pläne, der besonders enge Zeitplan – erst nach Einspruch für die erste Phase etwas gelockert – der Verzicht auf über den Infoabend in Tudorf hinausgehende weitere Beteiligungsverfahren, die im Erlaß ausdrücklich genannt werden, sprechen eine deutliche Sprache. Hier soll ein brisantes Verfahren möglichst schnell durchgepeitscht werden.

    Das gut nachbarschaftliche Verhältnis zu Alfen wird allzu leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Der Bürgermeister von Borchen und der Bauausschuß beanstanden mit größtem Nachdruck, daß zwei der Windradgebiete direkt an die Gemeindegrenze reichen und die dortigen Wohnsiedlungen zum Teil stärker belasten als Teile von Tudorf.
    Auch Alfen liegt in der Einflugschneise und leidet bei östlichen Winden zudem noch unter dem Autobahnlärm.

    Weitere Fragen können gerne an die folgende Adresse gerichtet werden: Windkraft-Tudorf@gmx.de. Bitte auch das Ende der Auslegungsfrist der Pläne der Stadt Salzkotten beachten. Dort können Einwände bis zum 08.07.13 schriftlich eingereicht werden.

    Hier der Adressat für die Einwände mit dem entsprechenden Betreff:

    Bürgermeister
    und Rat der Stadt Salzkotten
    Marktstraße 8

    33154 Salzkotten

    • Einwände gegen die 27. Änderung des Flächennutzungsplanes der Stadt Salzkotten
    • Darstellung von „Konzentrationszonen für Windenergieanlagen“ – Öffentlichkeitsbeteiligung vom 28.05. bis 08.07.2013

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    zur 27. Änderung des Flächennutzungsplanes der Stadt Salzkotten – Darstellung von „Konzentrationszonen für Windenergieanlagen“ – möchte ich bezüglich der Konzentrationszonen 3.1. „Oberntudorf“ und 2.2 „Bereich Fuchsberg“, nachfolgende Einwände vorbringen:

Kommentar verfassen