Anti-Initiativen gibt es nicht

09.06.2014 · Thorsten Brinkmann

Naturkraft Wind muss genutzt werden

Zum WV-Artikel »Mehrheit für Windkraft« vom 21. Mai:

Es gibt keine Anti-Windkraft-Initiativen im Kreis Paderborn, wie Herr Wrona vom »Runden Tisch Paderborner Land 100% erneuerbar« behauptet. Niemand kann ernsthaft gegen die Umstellung auf »saubere« Energien sein. Es gibt nur Initiativen für einen maßvollen Ausbau der Windkraft. Die Forderung zum Beispiel nach größeren Abständen von der Wohnbebauung führt in der Konsequenz natürlich zu der Frage: Auf wie viele Windräder kann im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben zum Schutze von Mensch, Tier und Landschaft verzichtet werden? Es ist doch selbstverständlich, dass diese Frage zu stellen ist.

Herr Wrona wirft den Initiativen vor, sie seien »nicht bereit, Verantwortung für den Klimaschutz … zu übernehmen«. Außerdem stellt er fest: »Es fehlt die Gemeinwohlorientierung«. Das heißt doch wohl im Klartext: Die Initiativen handeln eigentlich verantwortungslos. Zuspitzungen sind manchmal nötig, ehrabschneidende Äußerungen vergiften die Gespräche und können nachhaltig vernünftige Lösungen blockieren. Wie steht es bei Windinvestoren wie Herrn Lackmann um die Orientierung am Gemeinwohl, wenn sie, ständig Klagebereitschaft signalisierend, die kommunalen Räte bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit für das Gemeinwohl einschüchtern? Fixierung auf Rechtssicherheit kennzeichnet etwa den aktuellen Salzkottener Windkraftplan.

Herr Lackmann ist Windkraftunternehmer. Das ist in Ordnung. Herr Wrona ist Planer und Teilhaber von Windkraftanlagen. Das ist in Ordnung. Nicht in Ordnung aber ist, dass beide in den Medien so umfangreich Gelegenheit finden, indirekt auch ihre geschäftlichen Interessen zu vertreten. In den Räten der Kreiskommunen dürfen befangene Ratsmitglieder aus guten Gründen nicht an den Windkraftberatungen teilnehmen. Herr Lackmann und Herr Wrona als Geschäftsleute sind befangen und sollten sich folglich im öffentlichen Gespräch des Für und Wider Windkraft Zurückhaltung auferlegen. Sie sollten sich auf fachliche Auskünfte zur Planung und zum Bau von Windkraftanlagen beschränken.
Ein »Runder Tisch« ist nach allgemeinem Verständnis ein Tisch, an dem Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Meinungen sich austauschen und Kompromisse zum Wohle aller suchen. Herr Wrona als Sprecher des »Runden Tisches« und seine Leute missbrauchen den Begriff »Runder Tisch«. Der falsche Gebrauch des Begriffs dient ihnen – wie soll man es anders nennen? – zur Tarnung bei der Verfolgung geschäftlicher Interessen.

Die Naturkraft Wind muss genutzt werden. Die Hoffnungen aber, die die Windlobby und mit ihr die Politiker an die Windkraft knüpfen, sind unangemessen überdehnt. Der CO2-Ausstoß hat sich bisher nicht verringert. Der Anteil der Windenergie am Gesamtenergiebedarf beträgt zurzeit etwa 0,5 bis 1,8 Prozent. Es geht um die Größenordnung. Genauere Wertbestimmungen lassen sich nur in Bezug auf Eckkriterien wie unter anderem Stetigkeit oder Durchschnittseinspeisung vornehmen. Auch ein forcierter Ausbau ändert an der Größenordnung nichts Wesentliches. Kleinvieh macht auch Mist, das weiß man auf dem Lande. Man kann mit ihm Gärten düngen, und das ist auch gut so, aber nicht ganze Getreide- und Kartoffeläcker.

Das Wichtigste aber ist dies: Am Unterschied (als Stromertragsdifferenz) zwischen einem rücksichtsvollen und einem wenig rücksichtsvollen Ausbau der Windenergie können die Energiewende und Klimaschutzmaßnahmen nicht scheitern. Die Bürgerinitiativen haben ihre Hausaufgaben gemacht, sie glauben von der Sache einiges verstanden zu haben. Sie glauben, ja, sie sind fest überzeugt, für ihre Forderung nach einem für Mensch, Tier und Landschaft verträglichen, also einem dem Gemeinwohl dienenden Ausbau die Verantwortung übernehmen zu können. Sie wollen diese Verantwortung.

PETER FRIELINGSDORF Alfen

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