Florians 2. Rundbrief

Bis vor zwei Wochen habe ich meine Zeit hier relativ „neutral“ betrachtet. Ich habe mir immer gesagt:“ Ich bin jetzt ein Jahr hier in Kenia, danach geht das Leben in Deutschland weiter.“ Ich habe oft behauptet, dass ich mein Leben hier zwar genieße, aber nichts und niemandem so sehr vermissen werde, dass es meine Laune bei der Abreise trüben würde. Das liegt besonders daran, dass ich es für extrem schwierig halte, richtig gute kenianische Freunde zu finden.

Ca. 3-4 Wochen hatten wir für die Vorbereitung Zeit. Am Anfang ging es erst einmal darum, die 20 Schüler von den insgesamt 170 Schülern auszuwählen, die wir mitnehmen durften. Das war gar nicht so einfach, denn von diesen 170 Schülern, wollten natürlich die meisten hier raus und etwas erleben. Dementsprechend gab es auch viel Enttäuschung bei den Castings. Vor Allem in Form 4 waren einige niedergeschlagen, weil in den letzten Jahren immer alle Schüler dieser Jahrgangsstufe mitkommen konnten und so eine Art Abschlussfahrt entstand. Aufgrund der Größe der Klasse war das dieses Jahr nicht möglich.

Am Freitag vor dem Festival haben wir uns dann zusammen mit einer anderen Schule auf den Weg gemacht. Die 8-stündige Anreise war der Horror, weil die Deutschlehrerin der anderen Schule ein gesprächsfreudiger Drachen ist und es zu ihrem Hobby gemacht hat, unschuldige Schüler zu schikanieren. Zusätzlich hatte sie einfach zu allem etwas zu sagen und natürlich immer Recht. Bei der Rast war sie als Erste am Essen und hat sich kaum darum gekümmert, dass ihre Schüler etwas bekommen. Als sie dann vor ihrem fetten Teller Grillfleisch saß und uns fragte, warum wir denn Pommes wie die Schüler äßen, was sich für einen Lehrer ja gar nicht gehöre, wäre mir fast der Kragen geplatzt.

Bei dem Gedicht in Form 2 hat sich der Vortragende z.B. kurz vertan und ein Wort aus einer falschen Zeile gesagt. Der Schüler im Hintergrund lief dadurch viel zu früh los, die Choreographie passte nicht mehr zum Text und es war das reinste Chaos.
Doch die Schüler hatten alle viel Spaß, was ja auch kein Wunder ist, wenn man sonst 3 Monate lang kein Mädchen zu Gesicht bekommt. Auch die Rückreise war angenehm, weil der Drachen müde war und uns etwas in Ruhe gelassen hat. So hatte ich viel Zeit mich ganz normal mit den Schülern zu unterhalten und sie von ihrer lockeren Seite kennenzulernen. Sie sind mir sehr ans Herz gewachsen und ich werde einige von ihnen wirklich vermissen.
Jetzt sind es noch knapp 3 Monate bis ich wieder nach Hause komme und dann zeige ich jedem, der Interesse hat, die Fotos und Videos, die wir an diesem Tag aufgenommen haben. Wie schon beschrieben, sind einige Lacher dabei!
Florian

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