Anhang V: Geschehnisse aus der Nachbarschaft
Die Vennewitztanne bei Wewer
Georg Hilker, Paderborn
In seiner Arbeit "Der Übergang des Hochstiftes Paderborn an Preußen" erwähnt der Verfasser Richter folgendes Vorkommnis. Desgleichen der Heimatborn und das Brenkener Kirchenbuch:
In Ahden (Kreis Büren) hatte der Bauer Göddemeier einen Zehnten gepachtet, den andere für einen billigeren Preis zu pachten gedachten. Gödde wurde deshalb als ein Abtrünniger betrachtet und auf alle erdenkliche Weise schikaniert. Damit noch nicht zufrieden, erbrachen vier Bauern am 19. August 1798 sein Haus, warfen seine Frau Angela Ursula Mergelinghausen von der Bühne auf die Tenne und führten so ihren Tod am nächsten Tage herbei. Den Ehemann selbst zerrten sie aus dem Bett, verprügelten ihn und ließen ihn vor seinem Hause liegen. Ihr Weg führte sie an der Wohnung des Landwirts Vennewitz vorbei, der auch mit im Bunde war. Dieser fragte sie, ob sie auch Sorge getragen hätten, daß Göddemeier seinen Mund halte. Die Burschen verstanden, wie man zu sagen pflegt, diesen Wink mit den Zaunpfahl und schlugen Göddemeier vollends tot. Dann flüchteten sie. Drei der Mörder wurden mit Vennewitz am folgende Tage verhaftet und in Büren am 8. August 1799 zum Tode verurteilt. Als sie auf dem Wege zur Richtstätte bei der genannten Tanne vorbeikamen, brach einer der Verurteilten der Tanne die Spitze aus und sprach dabei: "So wahr ich unschuldig bin, so wahr soll diese Tanne vier Spitzen erhalten."
Auf dem Roland bei Paderborn wurden sie mit dem Schwert enthauptet. Sie hießen Steinmeier, Ahlers, Billemeier und Vennewitz, sämtlich aus Ahden.
Diese Tanne, ein wirkliches Naturdenkmal, fiel wegen ihres eigenartigen Wuchses jedem Wanderer sofort in die Augen. Der Baum stand an der Landstraße von Wewer nach Tudorf, bei der Ziegelei Wilhelmsburg. In 2,60 m Entfernung vom Boden teilte sie sich in vier gleichmäßig aufstrebende Arme. Im Februar des Jahres 1935 hat ein orkanartiger Sturm ihrem Dasein ein Ende bereitet.
Sie wurde 136 Jahre alt.
Hünengräber an der "Hohe Breite" (Postecke)
(Aus dem Vortrag von Dr. Günther, Münster)
Das erste Grab, das wir besuchen, liegt hinter der Kreuzung direkt rechts an der Straße B480 in Richtung Haaren. Das Hügelgrab ist von den Archäologen freigelegt und mit Schnitten versehen worden. Es handelt sich um ein Brandgrab aus der Jüngeren Bronzezeit, etwa um 1200 v. Chr.
Das eigentliche Grab liegt in der Mitte der Grabstelle. Es ist mit einem Graben von 9 m Durchmesser umgeben. Dieser Graben, der sogenannte Bannkreis, sollte die Lebenden vor den Toten schützen. In dem Graben wurden Totenbeigaben wie Töpfe, Nahrung u.a. niedergelegt. Im eigentlichen Grab wurden Holzkohlenreste gefunden, der Tote wurde verbrannt. Nach der Brandbestattung wurde die vorher ausgehobene Erde wieder eingefüllt und zu einem Hügel angehäuft.
Zum Ende des letzten Weltkrieges hatten Soldaten in den Hügel einen Gefechtsstand eingegraben. Dennoch sind die Erdschichten an den einzelnen Schnitten der Archäologen gut zu erkennen.
Das zweite Grab, links hinter der Kreuzung in Richtung Böddeken gelegen, stammt an der Älteren Bronzezeit, etwa um 1700 - 1500 v. Chr. Es hat einen Durchmesser von 12 m und war einen Meter hoch. Die Grabstelle weist eine verhältnismäßig große Grabgrube auf, etwa 2 m lang und 1,50 m breit. Der Erdboden wurde ziemlich tief bis auf den gewachsenen Kalkfelsen ausgehoben. Man fand bei der Ausgrabung inkohltes Holz (Häutchen von 1 - 20 mm inkohltes Eichenholz). das darauf schließen läßt, das ein Baumsarg (ausgehöhlter Baumstamm) beigesetzt wurde. In dem Grab befanden sich zwei Skelette. Das Skelett eines großen Mannes von etwa 40 - 50 Jahren lag mit dem Kopf in Richtung Westen. Das kleinere Skelett einer Frau lag mit den Kopf in östlicher Richtung. Die Frau wurde im Alter von 20 Jahren bestattet. Man fand auch Fuß- und Beinknochen. Auffallend waren die vorzüglichen Zähne der Toten. Nur die Mahlflächen der Zähne waren stärker abgenutzt, da bei der Zerkleinerung des Getreides Steinreste in die Nahrung gelangten.
In dem umgebenden Graben oder Bannkreis fand man Tierknochen unbekannter Totenbeigaben. Außerdem wurde das Unterteil eines aufrecht im Boden stehenden Bechers gefunden.
Der Aushub wurde nicht ganz wieder eingefüllt. In den Resten dieser Erde fand man Holzkohlenreste, die Erde war teilweise rot gebrannt vom Feuer. Man hatte wohl ein Abschiedsmahl an der Grabstelle gehalten.
Waffen waren dem Grab nicht beigegeben.
Die Ansiedlungen, die zu der Grabhügelgruppe von 200 - 500 Gräbern gehören, sind noch unbekannt.
In der Bronzezeit bevölkerten die Indogermanen die hiesige Gegend, die ihre Kultur mitbrachten und verbreiteten. Die Menschen lebten von der Waldhude und vom Ackerbau.
Die Steinkistengräber in unserer Gegend wurden von der Urbevölkerung angelegt und sind viel älter.
Goldadlerfund in Haaren
Wir schreiben das Jahr 1706. Henrikus Hugt, Schweinehirt von Haaren, hütet seine Herde auf dem Salmensfelde. Er ist 36 Jahre alt und 4 Jahre glücklich verheiratet mit seiner Barbara, geborene Siegelers. Zu einen eigenen Heim hat er es bisher noch nicht geschafft, obwohl er Bauersohn ist. Nachdenklich streift sein Blick über die grauen herbstlichen Nebelschwaden, die sich auf Feld und Wiese legen. Die Schweine aber fühlen sich wohl und durchwühlen schmatzend den sumpfigen Boden. Wie zufällig gleiten seine Augen über die Herde. Da sieht er, wie gerade eine Sau mit ihren Rüssel einen blinkenden Gegenstand aus der Erde wirft. Schnell ist er zur Stelle und hebt ihn auf. Wie schwer das gelb glänzende Ding ist, diese Kugel, auf der ein Adler mit ausgebreiteten Schwingen steht!
Henrikus ahnt, daß er etwas sehr Wertvolles in den Händen hält und versteckt seinen Fund unter dem Mantel. Nach getaner Arbeit geht er abends zu einen Juden, der ihn in seiner Vermutung bestärkt und den Wert erkennt. Am anderen Tage bricht er eine Klaue vom Adler ab und wandert zu Fuß über die Egge nach Dringenberg und sucht die Goldschmiedewerkstatt auf. Dort stellt man fest, daß die Klaue aus puren Gold besteht und es sich um einen römischen Adler handelt, der früher den Legionen vorausgetragen wurde. Nun bewährt sich Henrikus als kluger Kaufmann und verkauft den Goldadler für eine große Summe an den Goldschmied, der ihn einschmelzt und daraus liturgische Geräte anfertigt.
Henrikus ist jetzt ein reicher Mann. Er baut sich dort, wo Heinrich Freund, Hauptstraße 56, wohnt, das erste Steinhaus in Haaren und läßt es mit starken Türen und vergitterten Fenstern diebessicher machen. Aber er vergißt nicht, daß er einmal arm war, und lindert Not, wo er kann. Als sein Bruder eine mit 200 Reichstalern verpfändete Wiese im Sachsenbusch nicht einlösen kann, springt er ein und vermacht sie später der Pfarr- und Küsterstelle. Außerdem stiftet er der Pfarrkirche einE 100-jährige Memorie, die bestimmt, des Erblassers sonntäglich im allgemeinen Gebet zu gedenken. Diese Stiftung erlosch um die Mitte der vorigen Jahrhunderts.
Inzwischen ist Henrikus 74 Jahre alt geworden und lebt in Zufriedenheit mit seiner Frau . Da ereilt ihn das Schicksal. In der Nacht schlagen Einbrecher das Gewölbe des Backofens ein und dringen so ins Haus. Henrikus wird mißhandelt, geknebelt und gefesselt. Unerkannt verschwinden die Räuber mit allen Geld und Wertsachen. Kurze Zeit später stirbt er an den Folgen der erlittenen Verletzungen. Seine Frau ehrt ihn durch eine gußeiserne Grabplatte, die sie in Altenbeken gießen läßt.
Sie befindet sich in der Friedhofskapelle und trägt folgende Inschrift:
"Obzwar Dib und Mörder kommen
Gelt und Leben abgenommen
Doch förcht ich got mich ihm befehl
Weil er kan nehmen Leib und Seel"
Die Umschrift lautet:
Anno 1744 28. Januarius
ist gestorben in den Herrn
Henricus Hugt seines Alters 74. N.N.
Ehestant mit Anna Barbara Siegelers
fridsam gelebt 45 Jahr
Im Sterbebuch "Haaren 1711 bis 1753" steht unter Anno 1744 28. Jan.:
"O (Obiit) Henricus Hugt Barbara Ziegelers maritus oibus (omnibus) sacramentis praemature munitus."
Übersetzung:
"Gestorben Henricus Hugt, der Mann von Barbara Ziegelers, rechtzeitig versehen mit allen Sakrementen."
Wenn auch keine schriftlichen Unterlagen vorhanden sind, so sprechen doch viele Indizien dafür, daß der Goldadlerfund in Haaren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein geschichtlicher Vorgang ist. Ergänzend soll noch erwähnt werden.
- Chronist Berlage berichtet in der Gemeindechronik vom Jahre 1863 im Nachtrage über den Goldadlerfund.
- Das Salmensfeld liegt an der Via Regia, einem Teilstück der uralten Handelstraße von Bremen nach Frankfurt. Sie berührte in unseren Raum die Ort Marsberg, Essentho, Haaren, Paderborn und Neuhaus.
- Durch mündliche Überlieferung war der Goldadlerfund von 25 Jahren noch so lebendig, daß die alten Leute damals übereinstimmende Einzelheiten über den Verkauf des Goldadlers sowie über Haus und Familie des Hugt zu berichten wußten.
- Unser Archäologe Wilhelm Jordan schreibt in diesem Zusammenhang:
Die Legionen des Varus sollen in der Schlacht im Jahre 9 drei ihrer bedeutesteten Feldzeichen verloren haben. Tacitus (Ann.II,25) spricht von der Wiederauffindung eines Legionsadlers bei den Marsen. Florus (II,30,38) berichtet, daß die zwei anderen Adler noch in germanischer Hand seien. Nach dem Jahre 15 soll aber Stertinius (Ann.I,60) den Adler der 19. Legion bei den Brukteren erbeutet haben. Florus erzählt auch, daß der Träger eines der drei Legionsadler, um seinen Adler nicht in Feindeshand fallen zu lassen, diesen abgerissen, ihn in seinen Gürtel geborgen habe und mit ihm in blutigen Sumpfe verschwunden sei (II,30,38)."
Drei Kreuze
Vier Kilometer westlich vom Dorf Haaren in der Haarener Gemarkung unweit der Grenze stehen drei wuchtige eichene Holzkreuze an der Straße, die nach Büren führt. Um sie herum hat man in den Hochwald einen geräumigen Platz freigerodet und mit Rasen besät. Gediegene lange Bänke und Tische aus Buchenstämmen im Schutz des hochstämmigen Laubwaldes laden zum Verweilen ein. Dieser malerische, idyllische Platz ist unter dem Namen "Drei Kreuze" weit über den Kreis Büren hinaus bekannt und hält den Standort der legendären Geschichte vom Heiligen Kreuz von Hegensdorf fest.
Nach Prof. Honselmann überzeugenden Forschungsergebnissen muß es etwa um das Jahr 1250 gewesen sein. Da gingen drei Mädchen aus Hegensdorf in den nahen Wald, wo heute die drei Kreuze stehen. Dort vernahmen sie auf einmal himmlischen Gesang. Erstaunt verharrten sie an ihren Platz und lauschten. Dann schauten sich die Mädchen um und erblickten ein Kreuz in einem Dornenbusch. Es hing an einen seidenen Faden und ein wunderbarer Glanz umstrahlte es. Hocherfreut bargen sie das Kreuz und brachten es in ihre Pfarrkirche zu Hegensdorf. Als nun der Pastor am nächsten Morgen mit seinen Gläubigen das Kreuz in der Kirche besuchen wollte, traf er es nicht mehr an. Darüber waren alle sehr erschrocken. Sie glaubten, es sei wieder an den Erscheinungsort zurückgekehrt, weil man es nicht mit der gebührenden Feierlichkeit in die Kirche übertragen habe. Deswegen eilten sie, der Pastor und die Mädchen an der Spitze, wieder dorthin. Und richtig, sie fanden das Kreuz an der gleichen Stelle wie zuvor. In feierlicher Prozession wurde es nun unter Gebeten und Liedern in die Kirche geleitet.
Seit dieser Zeit wurde das Heilige Kreuz von Hegensdorf hochverehrt. Viele Bedrängte fand Trost. Die Hegendorfer Pfarrer berichteten von wundersamen Heilungen. Es sei hier erwähnt, daß 1895 eine erblindete Frau aus Essentho ihr Augenlicht wiederbekam und 1915 eine Lehrerin von ihrem schweren Lungenleiden befreit wurde. Viele Soldaten des Ersten Weltkrieges bezeugten schriftlich und mündlich, daß sie ihre Errettung aus Lebensgefahr dem Hl. Kreuz von Hegensdorf verdankten.
Auch heute noch wird das Kreuz verehrt. Jeden Freitag erfolgt nach dem Gottesdienst vor dem ausgesetzten Kreuz eine kurze Andacht, und danach wird es den Gläubigen zur Berührung gereicht. Wenn die Hegensdorfer in Prozession nach Drei Kreuze ziehen, um dort Gottesdienst zu feiern, nehmen auch viele Haarener daran teil. Mal war es der Sonntag nach Kreuzerhöhung, mal nach Libori. Heute ist es ein Sonntag in September/Oktober, der jeweils festgelegt wird. Besonders eindrucksvoll war die große Kreuzprozession auf Christi Himmelfahrt nach Paderborn, die von 1300 bis etwa 1900 durchgeführt wurde. Am Vorabend um 23.00 Uhr bestieg der Pastor mit dem Hl. Kreuz auf der Brust ein Reitpferd. 12 Begleiter gingen nebenher, während einige Laternenträger vorausschritten und den Weg durch die dunkele Nacht beleuchteten. Die Pilger schlossen sich an. Bei der Meinolpuskapelle im Böddeker Wald wurde um 1.00 Uhr eine hl. Messe gelesen. Es ist anzunehmen, daß sich von hier aus auch Haarener an der Prozession beteiligten. Von dort ging es weiter über Tudorf und Wewer durch die geschmückten Straßen zum Dom in Paderborn, wo das Hl. Kreuz bis Mittag ausgestellt wurde. Dann überführte man es zur Franziskanerkirche. Erst um 14.00 Uhr trat die Prozession den Rückweg an, um am Spätabend wieder Hegensdorft zu erreichen. Vorübergehend wurde das Hl. Kreuz auch mit einer Kutsche nach Paderborn über Haaren gefahren.
Das etwa 30 cm große Kreuz ließ der Ordenspriester Bernhard Voß, der 1654 bis 1658 in Hegensdorf als Priester tätig war, mit Silberplatten ummanteln. Es wurde seither drei Mal (gegen Ende des 18. Jahrhunderts, 1910 und 1950 im Beisein von Erzbischof Dr. Lorenz Jaeger) enthüllt und dem Volke gezeigt. Der Langarm aus Eiche und der Aueram aus Linde sind durch vier Holznägel kunstvoll zur Kreuzform zusammengefügt. Das Holz zeigt Spuren von einer früheren Bemalung. Auf dem Querbalken konnte man 1910 noch deutlich einen goldenen Stern mit acht Zacken auf dunkelgrünen Untergrund erkennen.
Scribonius, der Schreiber von Haaren
Über Scribonius ist mehrfach in Heimatzeitschriften und Zeitungen geschrieben worden. Dieser Bericht stützt sich in erster Linie auf die Westfäliche Chronica von Martini Klöckner, Scriptum Anno Salutis MDCXII (geschrieben im Jahre des Heils 1612). Klöckner wurde 1530 in Bielefeld geboren, ist Zeitgenosse und widmet 35 handgeschriebene DIN A4 Seiten dem Geschehen um Scribonius. Als weitere Quellen wurden hinzugezogen "Kampf um Paderborn 1597 - 1604" von Franz Löher, Berlin 1874, "Johann Diedrich von Steinen fortgesetzte Paderbornensiche Geschichte", herausgegeben von Peter Florens Weddigen, Lemgo 1801, sowie Berichte von alten Haarenern, besonders von Anton Lötfering (1868 - 1958). Außerdem erwähnt der Jesuitenpater und Geschichtsschreiber Nikolaus Schaten diese Begebenheiten. Er benutzt, wie es scheint, und wie die auszugsweise Übersetzung von Steinen zeigt, fast ausschließlich als Quelle die "Westfälische Chronica" von Klöckner.
Um die Mitte des 16. Jahrhunderts lebte in Haaren dort, wo heute das Haus Beierbracken (Stümpel) Nr. 142 steht, eine armselige berüchtige Familie. Die Frau war ein verkommenes Subjekt und galt als Hexe oder Zauberin. Ihr erster Mann war geköpft worden. Der zweite Mann hatte wegen Diebstahls und anderer Gaunereien vor Gericht gestanden. Aus erster Ehe stammte ihr einziger Sohn Bernhard. Da sich die Mutter nicht um ihn kümmerte, zog er schon im Alter von 7 Jahren zusammen mit dem arbeitsscheuen Gesindel aus Haaaren nach Böddeken und erbettelte sich an der Klosterpforte sein tägliches Brot. Gar bald fand der Laienbruder Johannes Gefallen an den wohlgestalteten, aufgeweckten Buben aus Haaren und nahm ihn ins Kloster auf. Weil er so gern und so schön in die Asche schrieb, nannte man ihn nur noch Schreiber oder lateinisch Scribonius. Bruder Johannes, der den Haushalt versorgte, die Schatzkammter verwaltete, Pförtnerdienste tat und Botengänge übernahm, machte Scribonius mit allen Räumen des Klosters vertraut und weihte ihn auch in die Geldgeschäfte ein.
Als Scribonius 18 Jahre alt war, besuchte er für mehrere Tage seine Eltern in Haaren. Da klopfte eines abends ein verirrter Kaufmann an ihre Tür mit der Bitte, ihn zur nächsten Herberge oder Wirtschaft zu führen. Angeblich wegen des kotigen und weiten Weges dorthin lud ihn die Mutter für die Nacht ein. Dankbar nahm der Fremde die Einladung an und versprach reichliche Entlohnung. Aber die gottlose Frau hatte ihren Mordplan schon ausgeklügelt und mit ihrem Mann besprochen. Nachdem man gemeinsam gegessen und getrunken hatte, wusch sie ihrem Mann und Sohn den Kopf mit einer Lauge. Die gleiche Wäsche bot sie auch den durch Schweiß und Staub verunreinigten Gast an. Als er nun seinen Kopf über die Stuhllehne ausstreckte, damit die Wäsche beginnen konnte, war der "unmenschliche Vater mit einem scharfen Beil zur Stelle und hieb ihm den Kopf herunter", so daß dieser in die Waschschüssel fiel. Sie machten reiche Beute und verscharrten den Leichnam an Ort und Stelle.
Um 1850, also fast 300 Jahre später, stieß man beim Aushub eines Kellers an der Stelle, von Scribonius gewohnt hatte, auf ein Skelett, das aus einem engen Schacht geborgen wurde. Stoffreste, Lederstücke und Schnalltenteile waren noch zu erkennen. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelte es sich hier um den ermordeten Kaufmann.
Der gelungene Mord und die reiche Beute veranlaßten den jungen Scribonius sich gänzlich dem Räuberhandwerk zu verschreiben. Seine frevelhafte Mutter bestärkte ihn in diesem Plan und vermachte ihn einen Federkiel mit Zauberkraft. Wenn er diesen Kiel in der Linken hielt, war er unsichtbar und konnte im Falle einer Gefangenschaft Schlösser und Ketten damit sprengen. In kurzer Zeit bildete er mit heruntergekommenen "Lodderbuben" eine Räuberbande. Zur Besiegelung mußte sich jeder in den Finger ritzen, das Blut des anderen trinken und den teuflischen Eid schwören "nun und in Ewigkeit, als die abgesagten Feinde der allerheiligsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria, aller Heiligen Gottes und aller Christenmenschen leben und sterben zu wollen."
Ihren ersten Raubmord begingen sie an den Klosterbruder Johannes. Sie lauerten ihm auf einem Botengange nach Dahlheim im Waldstück "Kamp te book" auf. Scribonius wußte nämlich, daß er dort an einer bestimmten Wegekreuzung auf dem Heimwege vorbeikommen mußte. Aus dem Hinterhalt stürzten sie sich auf den Wehrlosen, schlugen ihn zu Boden, zogen ihm die Kutte aus und nahmen ihm die Schlüssel weg. Als der Bruder Johannes seinen "ungeratenen Sohn" erkannte, stöhnte er jämmerlich: "Ach, Sohn, habe ich das an dir verschuldet?" Da stürzte sich Scribonius in teuflicher Wut auf seinen väterlichen Freund, schnitt ihm die Zunge ab, zeichnete ihm ein blutiges Kreuz auf den Kopf und verstümmelte ihn noch dazu in unbeschreiblich, schändlicher Weise. Dann schleiften die Mordgesellen ihn vereint ins Walddickicht und banden ihn an einen Baum.
Nach am selben Abend zog Scribonius das Ordenskleid an, nahm die Schlüssel an sich und kam auf bekannten Wegen bald zum Kloster Böddeken, während sich seine Komplizen im nahen Wald versteckten. Mühelos öffnete er das Gartentor. Auch der Pförtner ließ ihn passieren, da er glaubte, es sei Bruder Johannes. In aller Ruhe schloß er nun die Gemächer auf und kehrte bald mit reicher Beute an Geld und Wertsachen zu seiner Bande zurück, die ihn mit großen Freuden empfing. Drei Tage lang feierten sie in Wirtshäusern zu Haaren, Wewelsburg und anderen Orten mit wüstem Zechgelage ihren ersten gelungenen schändlichen Einbruch. Am vierten Tage kamen sie wieder zu den gefesselten Klosterbruder Johannes, der nach qualvollem Leiden gerade gestorben war. Den noch warmen Körper versteckten sie unter aufgeschichteten Scheit- und Brakenholz. Dort fanden ihn die anderen Klosterbrüder, als sie nach Ablauf des Winters das Holz abfahren wollten. Bis dato hatten sie angenommen, Bruder Johannes habe sich mit dem Geld und den Wertsachen aus dem Staube gemacht und sei aus dem Orden ausgetreten.
Ermutigt durch diesen Erfolg trieben die Räuber ihr Unwesen im Sintfeld, in Kleinenberg, in Marsberg, in Bleiwäsche, in Dahlheim, im Hardehauser Forst, in Willebadessen und in Bredelar. Da sie "im Hui" ihren Standort wechselten, war es sehr schwer, ihrer habhaft zu werden. Groß war die Zahl der Reisenden, die von ihnen gefoltert, geschändet, erschlagen und ausgeraubt wurden.
In ihrer Verblendung töteten sie auch drei schwangere Frauen und schnitten ihnen den Leib auf in der Hoffnung, auf ungeborene "Knäblein" zu stoßen. Sie glaubten nämlich, die "im Mutterleib verschlossenen Knäblein" könnten ihnen bei ihren teuflischen Zaubereien von großen Nutzen sein oder die Zaubereien überhaupt erst ermöglichen. Als sie nicht das gewünschte Geschlecht feststellten, sollen sie geschworen haben, so viele Frauen umzubringen, bis sie endlich ein Knäblein gefunden hätten.
Besonders verwerflich ist auch der Mord an einem jungen Schüler. Er befand sich auf dem Wege von Marsberg, wo er zur Schule ging, nach Rimbeck, um vom Elternhause Verpflegung zu holen. Als er an einer "lieblichen Quelle" vorbeikam und Durst verspürte, legte er sich auf den Bauch und wollte trinken. Da sprang der satanische Scribonius hinzu und preßte ihm den Kopf in das nur spanntiefe Wasser so lange, bis er sich nicht mehr regte und erstickt war. Bei der Vernehmung später bekannte er, daß nichts ihm soviel Freude bereitet habe, wie das Kind, das sich vor seinem Tode wie ein Wurm unter seine Hand gewunden habe, und daß er hinterher fröhlich gelacht habe. Die Beute von 2,5 Pfennig war allerdings sehr mager.
Ihr Äußeres war recht unterschiedlich. Scribonius, groß von Gestalt mit braunen Haaren, hatte mitten durch das Kinn eine breite Narbe. Sie verlief weiter durch die Unterlippe, so daß er nur mit wispernder Stimme reden konnte. Sein mittelgroßer Stellvertreter "Krummhänschen" bildete figürlich, wie der Spitzname erraten läßt, ein Gegenstück zu ihm. Beide trugen keinen Bart. Der Dritte im Bunde sah mit seinem Backenbart aus ein "gemalter Teufel", während der Vierte mit seinem "gelochten Ziegenbart" komisch, wenn nicht sogar heiter wirkte. Bewaffnet waren sie mit Spießen, "Barten" (Beil) am Arm und kurzen "Pufferts" (Schlagstock) am Gürtel. Eine lange Büchse konnte sich nur der Gangsterboß leister, wie er sich auch als einziger durch ordentliche Kleidung auszeichnete. Die übrigen Bandenmitgleider lagen mit ihrer Kluft noch ein gutes Stück unter dem Niveau der Gammler. Aus Tarnungsgründen wechselten sie oft Kleidung und Bärte.
Zu dieser Verbrechergilde gesellte sich auch ein gemeines Weibsbild, Schnackenkopf genannt. Sie "organisierte" Verpflegung, kaufte in den Dörfern und Städten alles das ein, was die Band zum Leben brauchte. Dabei informierte sie sich wie ein geschickte Agentin über Reiserouten von Kaufleuten und versorgte sie mit Tips, die oftmals zu erfolgreichen Überfällen führten. Im Jahre 1589 nahte das Verhängnis, Schnackenkopf wurde geschnappt, vor Gericht gestellt, "peinlich verhört" und in Kleinenberg enthauptet. Zur Abschreckung wurde sie dann auf ein Rad geflochten und zur Schau gestellt.
Nicht viel später erwischte man auch Scribonius, des Teufels Schreiber, in Haaren, wo er vermutlich sich bei seiner Mutter aufhielt. Trotz scharfer Bewachung gelang ihm die Flucht aus dem Gefängnis der Wewelsburg, in dem er sich nach Sprengung der Fesseln von der hohen Burgmauer hinunterfallen ließ, ohne sich beim Aufprall auf den steinernen Untergrund zu verletzen. Man glaubte, das sei nur mit der Hilfe des Teufels möglich gewesen. Aber beim Sturz verlor er seinen Zauber-Federkiel. Darüber war er sehr erschrocken. Er ahnte sein bevorstehendes Ende und geriet in Raserei. In seiner Verblendung überfiel er sogar die armen Leute aus dem Kleinenberger Raum, die Almosen vom Kloster Hardehausen zu holen pflegten und ermordete eine werdende Mutter. Er hoffte nämlich, durch ein ungeborenes Knäblein wieder in den Besitz teuflischer Zauberkräfte zu kommen. Aber vergebens.
Das Verhältnis zu einem Mädchen aus der Nähe von Paderborn, im Volksmund "schwarze Hanna" geheißen, wurde ihm zum Verhängnis. Die Geliebte hatte ihm ein Kind geboren, das er sehr gern hatte. Heimliche Zusammenkünfte verschaffte er sich durch Erpressung, indem er drohte, ihr den "Hals zu durchstechen", wenn sie nicht erscheine. In ihrer Not um Leib und Leben vertraute sie sich der fürstbischöflichen Obrigkeit an, die ihr Straffreiheit und eine "ansehnliche Belohnung versprach, falls durch ihre Initative Scribonius gefangen werde.
Kurz darauf verständigte sie die Obrigkeit von einer Verabredung mit Scribonius in der Ziegelei bei einer Klause in der Nähe von Paderborn. Die Schilderung der Verhaftung ist so spannend und zeitnah, daß sie aus einem modernen Kriminalfilm stammen könnte.
Bereits am frühen Morgen der vereinbarten Tages besetzte ein starkes Soldenkommando unbemerkt die nähere Umgebung der Ziegelei. Am Spätabend erschien Scribonius. Während er mit seinem Kinde "allerlei Kurweil" trieb, es "hälsete" und küßte, entfernte Hanna unbemerkt seine Waffen aus der Nähe und hängte eine Windel aus der Haustür. Das war das verabredete Zeichen für den Beginn der Aktion. Der Kommandant und fünf Soldaten stürmten von hinten in das Ziegelhaus. Im selben Augenblick ließ Scribonius das Kind auf die Erde fallen und stürzte sich auf sein Waffen. Aber seine ehemalige Geliebte kam ihm zuvor und warf Büchse und Hellebarde zum Fenster hinaus. Daraufhin sprang er mit einem gewaltigen Satz "wie ein Hund auf die Untertür" und bekam postwendend von dem Türposten einen schweren Schlag auf den Schädel, so daß er zurück ins Haus fiel. Nach harten Gegenwehr wurde er überwältigt, in Ketten gelegt und ins Verließ die Neuhäuser Schloßes transportiert, mochte er auch "blöken wie ein einjährige Kalb".
Bei seinem peinlichen Verhör bekannte er sich zu seinen schändlichen Verbrechen. Als Gerichtsplatz wurde Dalheim angesetzt nicht weit von der Stelle, wo er Bruder Johannes ermordet hatte. Bei seinem Transport, auf dem er an eine Leiter angeschmiedet wurde und der in Paderborn einen Volksauflauf zur Folge hatte, stieß er vorwiegend gegen Mädchen und Jungfrauen "gräuliche, gotteslästerliche und unzüchtige Wort" aus. In Dalheim versuchten Priester und Patres vergeblich, ihn zu bekehren und zu bewegen, das "Vater unser" zu beten und den Namen Jesu auszusprechen. In seiner Verstockheit bekannte er, er habe Jesus immer gehaßt und einen Eid geschworen, als Gottes und der Christen Feind zu leben und zu sterben. Selbst auf dem Wege zur Gerichtsstelle hörte er nicht auf, Gotteslästerungen und gemeinste Zoten gegen die große Menge der Schaulustigen auszustoßen. Als er das Kohlenfeuer erblickte, in dem man die Marterwerkzeuge erhitzte, herrschte er den Scharfrichter an, er solle ihm das Feuer bringen, damit er sich die Hände wärmen könne. Die Leute der damaligen Zeit berichteten: Auf der Gerichtsstätte habe Scribonius immer wieder zu einem schwarzen Raben hingeschaut, der auf einem Baum in der Nähe gesessen habe, und der seinerseits seinen Blick stracks auf ihn gerichtet habe. Dieser Rabe aber sei seine verzauberte Mutter oder der leibhaftige Teufel gewesen.
Dann wurde das grausame Urteil vollstreckt. Als der Scharfrichter Trojan seine Körper mit heißen Zangen zerfetzte, brüllte Scribonius wie ein Ochse so grauslich, daß Trojan sich entsetzte, ohnmächtig wurde und daß der zweite Scharfrichter die Tortur fortsetzen mußte. Er schnitt ihm den Bauch auf, säbelte ihm das Herz aus Brust, "schlug es ihm um Maul" und zerhackte seinen Körper in vier Teile, die dann an vier Galgen zur Abschreckung aufgehängt wurden.
So geschehen im Jahre 1589, vierzehn Tage vor dem heiligen Weihnachtsfest.
Die Gerichtsstätte befand sich unter der sogenannten "Blutjanslinde" an der Straße von Dalheim nach Elisenhof. Der Ort wird heute noch durch eine Lindengruppe festgehalten.
Dank des Einsatzes einer starken Fahndungsgruppe ging es nun mit der Verbrecherband rasch zu Ende. Als Nächster mußte sein Stellvertreter Krummhänschen dran glauben. Bei Wewelsburg gefangengenommen, erlitt er dieselbe Todesstrafe wie sein Chef. Auch er starb unbußfertig und beantwortete die Fragen des Richters mit Lachen und Zähnfletschen. Wenig später wurden zwei Bandenmitglieder in Dringenberg und die restlichen in anderen Dörfern aufgespürt und dann qualvoll hingerichtet. Der gottlosen Mutter des Scribonius gelang die Flucht in Soldatenkleider ins Hessische. Aber sie wurde auch bald erwischt und starb in Kassel eines schmachvollen Todes durch das Beil des Henkers.
Der Chronist Klöckenner schließt seinen Bericht mit den Worten:
"Gott wölle alle Christenmenschen vor sölchen und anderen Sünden und Lasten gnädichlich behüten. Amen."
Gedichte
De Anewenne
Keine Fohr wett pleuget bis ant Enne,
vuern leggen blefft de Anewenne.
Fränsken is niu in de Schaule kummen,
hett bedächtig seyne Tofel nummen;
schröfft dat "i" in langen Reyen dahl,
vüern awer leggt en Rand, net schmal.
Un de Magester froht, war dat denn soll,
dat hey schröfft de Reyens gar net vull?
"Hy" seggt Fränsken, hey an düssen Enne,
lot ick leggen doch dey Anewenne!"
De Häer sin ick !
Volkszählung sollt im Dörfchen sein.
Und jeder Mensch, groß und klein,
wird feierlich von mir notiert;
die Listen säuberlich geführt.
Ein kleines Haus, im Dämmerschein
Empfängt mich ein Großmütterlein.
Großvater raucht sein Pfeifchen still,
ich frage, was ich wissen will.
"Wer ist der Vorstand hier im Haus?"
So drück ich meine Frage aus.
Großmutter schaut mir ins Gesicht:
"Einen Vorstand ? – Ne, den hat wie net."
"Wer ist denn der Herr ?" – so frag ich weiter.
Diese Frage scheint mir, ist gescheiter.
"De Häer sin ick", Großmutter sagt.
Ich hab zu zweifeln nicht gewagt.
(aus Festschrift Schützen 100 Jahre, Seite 19)
Unglöck oppen Lanne
Gistern tau frawer Awenstunne
bröchten se us int Duorp keine gurre Kunne;
denn et was es grät Mallör passeiert,
et harr ein Autofeurer seynen Wagen
merren in'n Tropp Kögge regeiert.
Gleyk gaft es en grät Gerenne,
ölles leyp ant Duorpes Enne.
Die Kögge wären flohn ville Meter weyt,
eyne gafte dabey seyn Liäwen gleyk queyt.
Wey droften ganet lange wachten
un mochten dann tweie schlachten.
Dem Mensken war bruekten et Stöer,
un dau was entstauen dat gräte Mallör.
Wie wey dat Dier mochten schlachten,
mochten olle Autos wachten.
Et was us Angst un Bange,
wie wey sauen düse Autoschlange.
Eyner von düsen Löen kam out seyne Wage gesprongen
un schnappere sik gleyk 'en Knöppel,
Dey was dick wie ne Wagenronge,
un rayp: "So was kann ich nicht verstehen,
das ist ja schrecklich anzusehen."
Et was nen ganz feynen Häern,
ob seyne Jacke har hey blanke Stäern.
Dann fänk hey gleyk an te priägen:
"So was darf doch gar nicht passieren,
wo soll denn das hinführen!"
Hey kunn kören kein Platt,
hey kam merren out de gräten Statt.
Johannes EbersHaaren
+ 17.8.1964
De foule Tan
Gistern, tau frauer Awendteyd
genk ik in't Duarp, ga nit weyt.
Et was kein'n schöenen Gang;
denn ik har nen Tan im Munne, dey was krank.
Her har emy oll mäere Dage trakteiert,
dat was warhaftik kein Plassaier!
Awer in'n Duarpe, daue wunnere'n Mensken,
dey kunn de Peyne verbänsken,
denn hey har hey un studeiert
un oll ganz vill outbroeiert.
Wou ich nou kam bey Iäne int Hous
keik mey mey gleyk int Moul un segget tou mey:
"De Tan ist foul ..."
Wou ik sauh da leggen seyne Tangen,
dau wauer mey angest un bangen.
Awer hey nam en Dengen met ganz feynen Strauel,
dey dann namm mey eis mauel de Quauel.
Un dau gaf hey sik lanksam ant reyten.
Ik denke: Düt geft wat te spleyten.
Awer et genk ganz flott:
Hey har den Tan, un ik was ne los.
Johannes Ebbers, Haaren
+ 17.8.1964
Überlieferte Verse zur Fastnacht und zum Kalbschlachten in Alfen
Zur Fastnacht:
Lötken Fastlobend;
Gälers Hehergitt,
Warks Schweyneschitt,
Schmes Pinke - Panke,
Häckers Sogedränke,
Mälsken Ossenwahn, do me kam'me
Kellerwetz Kaleyneken galopp mäe out'en House jahen.
Zum Kalbschlachten
Klinkenhürwers schlacht 'nen Kalf,
Göhers kreyt et half,
Westermeggers kreyt den Kopp,
De Schmitt dey schlätt derop,
Knaups kreyt de Panzen,
Obels Minna kann gut danzen,
Schlöyz kreyt den Schwanz,
Teymanns Betta weckelt en Kranz,
Volmers kreyt en Schinken,
De Backer verbacket Korinthen,
Kleynschmidts kreyt de Hoar,
De Schäpschneyder seggt, et wör net woahr.
Aufgeschrieben von Johannes Hillebrand, Am Kottenberg, Alfen im November 1979
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