Kapitel 12: Aus der Gemeindechronik

  • Leitung der Gemeinde
  • Einwohnerzahlen, Getreide
  • Bahnbau Paderborn – Brilon Wald, Chausseebauten
  • Hochwasser und Brände
  • Unterhaltspflicht der politischen Gemeinde bei kirchlichen Bauten
  • Küsterei und Schule
  • Neuordnung in der Währung, in Maß und Gewichte

Vorbemerkung:

In unserer Heimatgeschichte haben wir schon des öfteren auf die Gemeindechronik Bezug genommen. Im Nachstehenden wollen wir auf einige weitere Mitteilungen in dem abgelaufenen Jahrhundert eingehen. Die Gemeindechronik beginnt wie auch in anderen Gemeinden mit dem Jahre 1800 und scheint durch eine Verfügung der Preußischen Regierung aus der ersten Zeit der Besetzung des Paderborner Landes (1802 – 1807) eingeführt zu sein.

Leitung der Gemeinde.

In der fürstbischöflichen Zeit standen an der Spitze unserer Gemeinde der vom Patrimonial-Gerichtsherrn Baron von Brenken ernannte Richter und zwei "Bauermeister", die von den Kolonen gewählten Vertreter für Huderechts bei Hudestreitigkeiten usw.

In der ersten preußischen Zeit der Besetzung des Hochstiftes ist anscheinend vorläufig eine Änderung nicht eingetreten. Anders in der französischen Zeit (1807 – 1813). Am 2.3.1808 trat die neue Verfassung des Königreiches Westfalen in Kraft. Das bisherige Hochstift Paderborn wurde ein Teil des Fulda-Departements mit dem Unterpräfekten Freiherrn von Elverfeldt an der Spitze. Die Distrikte wurden in Kantone (Ämter) eingeteilt. An der Spitze eines Kanons stand der Kantor-Maire (Amtsbürgermeister). Jeder Gemeinde oder Mairie bekam einen Commune-Maire (Ortsbürgermeister) mit 6 Munizipal- oder Gemeinderäten. Freiherr Wilhelm Anton von Imbsen erklärte sich bereit, das Amt eines Konton-Maiere mit dem Sitz in Wewer zu übernehmen.

Commune-Maire in Alfen wurde Bernhard Drüke. Nach Wiedereingliederung des Erzfürstentums Paderborn an Preußen nach der Schlacht von Leipzig 1813 wurde die Gemeindeverwaltung durch verschiedene Landgemeindeverordnungen geregelt.

Von der französischen Regierung wurde die Patrimonialgerichtsbarkeit der Grundherrn aufgehoben und dafür Friedensgerichts für kleinere Sachen eingerichtet Das Friedensgericht in Nordborchen war für Borchen und die näheren Dörfer zuständig. Diese Friedensgerichte wurden 1816 von den Preußischen Regierung aufgehoben.

Einwohnerzahlen

Einige Male werden in der Gemeindechronik Zahlen der Einwohner, der Gebäude und des Viehbestandes mitgeteilt, die zum Vergleich mit den heutigen Zahlen anreizen.

1818 waren in Alfen 63 Wohnhäuser. – 1850 wurden 71 Privatwohnhäuser mit 13 Speichern und Backhäusern, ferner mit 27 Ställen und Scheunen angegeben. – Heute sind in Alfen 113 Wohnhäuser. –
Die Zahl der sämtlichen katholischen Einwohner betrug 1850: 454 in 82 Familien. Der Viehbestand betrug: 81 Pferde, 1 Bulle, 19 Ochsen, 89 Kühe, 32 Stücke Jungvieh, 275 Schafe und 111 Schweine. 1931 betrug die Zahl der Einwohner 640 und beträgt in diesem Jahre 680. Die Zahl der Schulkinder betrug 1818: 56, 1828: 88, 1931: 117 und beträgt heute 105. –

Getreidepreise

Wie in anderen Gemeindechroniken werden auch in der Alfener die Getreidepreise ziemlich regelmäßig mitgeteilt. Die diesbezüglichen Preise in den Hungerjahren 1816/17 und 1846/47, sowie in den Jahren der glänzenden Ernten 1819 – 1825 haben wir bereits mitgeteilt.

Wenn im Nachstehenden noch für einzelne Jahre die Preise mitgeteilt werden, ist man leicht versucht, einen Vergleich mit den heutigen Preisen anzustellen. Bei einem solchen Vergleich muß aber der damalige hohe Stand des baren Geldes berücksichtigt werden. Es ist ferner zu bedenken, daß die Getreidepreise nach dem Übergang Deutschlands vom Freihandel zum Schutzzoll durch die Schutzzölle bedingt in ihrer Höhe geschützt sind.

Im Nachstehenden folgen für einige Jahre die Preise für den Scheffel (ca. 80 Pfund) bzw. für den Zentner:

Roggen Gerste Hafer 1835 23 Sgr 18 Sgr 12 Sgr 1837 23 Sgr 15 Sgr 8 Sgr (für den Scheffel) 1886 6,-- Mark 1887 6,-- Mark 1888 6,40 Mark (für den Zentner)

Eine Angabe der Viehpreise findet sich in der Gemeindechronik nicht. Wir haben aber bei einigen Schichtungs- und Übertragsverhandlungen im 8. Kapitel bei den Erbhöfen die Taxpreise angegeben. Bei der Beurteilung der damaligen Viehpreise wollen wir aber ein zweifaches nicht aus dem Auge lassen: den hohen Stand des baren Geldes und den damaligen Tiefstand in der Viehzucht.

Eisenbahn- und Wegebauten

In den Jahren 1849 und 1853 erhielt Paderborn die Bahnverbindung zum Rheinisch-Westfälischen Industriegebiet und über Altenbeken – Warburg nach Kassel und Mitteldeutschland usw. Durch diese wichtigen Eisenbahnen kamen die Alfener in etwa aus ihrer Vereinsamung heraus, indem ihnen dadurch die Möglichkeit gegeben wurde zu persönlichen Reisen oder zur Verfrachtung ihrer landwirtschaftlichen Erzeugnisse.

In den Jahren 1896 – 1898 wurde die Bahn Paderborn – Büren – Brilon-Wald gebaut. Alfen erhielt Bahnstation und damit Verbindung über Paderborn an die Hauptstrecke Soest-Altenbeken und desgleichen die Verbindung nach Büren und weiterhin nach Brilon-Wald zur Ruhrtal-Bahn. Ebenso wichtig, ja noch wichtiger ist für jede Gemeinde der Bau fester Straßen. Von dem Wegeelend früherer Zeiten können wir heute in der Zeit guter, asphaltierter Chausseen uns kaum eine Vorstellung machen. Die Straßen und Wege, die des festen Unterbaus durch Packlage entbehrten, waren vielfach nur im Sommer und in der Winterkälte befahrbar. In nassen Frühjahrs- und Herbstzeiten geschah die Beförderung des Getreides zur Mühle oder zu den Nachbarorten auf Eseln. In den Kirchenbüchern wird oftmals bis in die fünfziger und sechziger Jahre als Stand des Vaters oder des Ehemannes angegeben: "Eseltreiber". In Alfen findet sich in der Gemeinde der "Eselweg", und in Paderborn gab es eine "Eselgasse" zu den früher domkapitularischen Padermühlen. Die erste feste Straße ist die von Napoleon I. erbaute Straße Köln-Kassel-Erfurt über Geseke, Salzkotten, Paderborn, Lichtenau, Warburg usw. Die Preußische Regierung hat nach der Besitzergreifung des Paderborner Landes den Bau fester Straßen in Verbindung mit den Provinzial-, Orts- und Kreisverwaltungen kräftig gefördert.

Alfen erhielt 1896 eine feste Straße nach Salzkotten und damit die Verbindung nach Obertudorf, Büren usw. Die wichtige Straßenverbindung über Wewer nach der Kreisstadt Paderborn erfolgte 1926. Ebenso erhielt die Gemeinde über den Heiligenberg die allerdings sehr steile Straßenverbindung nach Nord- und Kirchborchen, wie auch die Straße nach Haaren, den Gemeinden des Sintfeldes und nach Marsberg. Die Straße Paderborn-Nordborchen-Haaren-Marsberg usw. ist ein Teil des uralten Handelsweges von Hamburg nach Frankfurt am Main, der alter Frankfurter Weg. (Über Wegebauten siehe auch Geschichte von Nordborchen Seite 130 – 132).

Überschwemmungen

In der Pfarrchronik heißt es:

"Das Dorf selbst wird durch den Almefluß in zwei gleiche Teile geschieden, den kleineren, sog. "alten Hof" auf der rechten und den größeren auf der anderen Seite mit folgenden Teilen: "Kippeaue" nach Osten, "im Schüren" nach Nordosten, "Kötterhagen" nach Norden, "Kottenberg" nach Nordwesten und einen mittleren und südlichen Teil, welche beide vielleicht die ältesten sind."

Das Wasser der Alme versickert zum großen Teil in den Schwalchlöchern bei und oberhalb Wewelsburg-Garfeln und kommt bei Upsprunge und Geseke wieder zu Tage. Im Sommer ist die Alme bei Alfen oftmals ausgetrocknet, kann aber bei plötzlicher Schneeschmelze und bei Wolkenbrüchen Hochwasser führen und Überschwemmungen veranlassen. In der Alfener Gemeindechronik werden für das vergangene Jahrhundert nur 2 Überschwemmungen mitgeteilt. Am 6.10.1851 ertrank in der Alme Konrad, Sohn des Schäfers Konrad Leniger (Schäps). Bei der sogenannten Katharinenflut, welche am Feste der hl. Märtyerin Catharina, am 25.1.1890 eintrat, stürzte die steinerne Brücke bei Alfen ein, wie auch viele Brücken vom wild gewordenen Strome weggerissen wurden, so bei Nordborchen, Elsen usw. Die Katharinenflut 1890 ist noch heute in der Erinnerung der Bevölkerung. Im folgenden Jahr 1891 wurde die neue Brücke vom Mauermeister Clemens Kruse, Wewer, mit einem Kostenaufwand von 18.627 Mark neu erbaut.

In der Pfarrchronik heißt es über Hochwasser unter anderem:

"Im Februar und März 1909 entstand infolge rascher Schneeschmelze Hochwasser, so daß auch die neue Brücke das Wasser nicht schlucken konnte und alle anliegenden Äcker und Wiesen überflutet wurden.
Im Winter 1925/26 hatten wir wieder Hochwasser; besonders hoch stand das Wasser in der Neujahrsnacht. An der Brücke ist der Wasserstand durch die Jahreszahl 1926 gezeichnet. Am 3.1.1932 hatten wir wieder Hochwasser. Es erreichte den Stand wie im Jahre 1926, wie an einem Pfeiler vermerkt ist".

Auch die Jahre der Dürre und des Regenmangels werden in der Chronik vermerkt.

"So herrschte im Jahre 1911 eine so ungewöhnliche Hitze und Dürre, daß fast alle Brunnen im Dorfe versiegten und das Wasser zum Teil aus Kirchborchen geholt werden mußte. Die Wiesen und Weiden waren wie verbrannt, und die Sommerfrüchte auf den steinigen Äckern vollständig versengt. – Im Herbst desselben Jahres legte man in der Nähe der Almebrücke einen neuen Brunnen an, der sehr ergiebig war, da man eine reichlich fließende Wasserader getroffen hatte."

Da die Brunnen in Alfen und den Nachbardörfern bei Dürre zu wenig Wasser hielten und auch das Wasser nicht ganz keimfrei war, gründeten die Gemeinden Kirchborchen, Nordborchen, Alfen und Wewer im Jahre 1929 einen Wasserwerksverband, wodurch den einzelnen Haushaltungen genügendes und gutes Wasser geliefert werden konnte.

Brände

Die Gemeindechronik hat die Aufgabe, die bemerkenswerten Ereignisse eines Jahres aufzuzeichnen und der Nachwelt zu überliefern. Für eine jede bäuerliche Gemeinde ist aber der Brand eines Gebäudes ein Ereignis.

Wir teilen im Nachstehenden die in der Chronik allerdings erst seit den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts verzeichneten Hausbrände mit:

1866: Haus Nr. 21 des Meinolf Meyer 1880: Brand der Scheune bei Becker (Lütken), wobei ein Fohlen verbrannte 1887: Im Januar brannte der Hof des Aloys Drüke Nr. 60 ab. 1900: Im Juli Kerstings (Drüken) Hof brennt nieder. 1909: In der Nacht zum 12. September Brand durch Blitzschlag bei Kaspar Bielemeyer (Hüwels). Am 20.10. desselben J. werden 3 Pferde des Landwirts Dransfeld durch Blitzschlag getötet. 1912: Sonntag, d. 15.7., während der Frühmesse Brand bei Landwirt Daniel Bokhoff Nr. 49 1923: Haus Nr. 40 des Konrad Hansmeier. 1928: Brand der Scheune des Hermann Nillies.

Über Bauten und Hausinventar einige Bemerkungen:

Nach dem Brand haben die Betreffenden wieder aufgebaut, allerdings nicht in der von den Vorfahren übernommenen Bauart des niedersächsigen Bauernhauses: Eichenfachwerk, rechteckig, das Einfahrtstor an der Frontseite zur Straße hin in der Mitte, im vorderen Teil rechts und links der Tenne die Viehställe und im hinteren Teile Küche mit Wohnräumen. Das frühere, so malerisch wirkende Strohdach ist auf Drängen der Behörden und Feuerversicherungsgesellschaften schon lange aufgegeben, obwohl es auch seine großen Vorteile hatte: im Sommer kühl und im Winter warm.

Das Aufgeben des alten Bauernhauses mit den farbigen Fachwerk und den meist weißen Putzflächen ist vom Schönheitsstandpunkt aus zu bedauern gegenüber den nüchtern wirkenden unverputzten Backstein- und Bruchsteinbauten. Es ist dringend zu wünschen, daß bei einem Neubau besondere Teile des Altbaus, wie Türinschriften usw. wieder verwendet werden, um so gleichsam die Verbundenheit mit den Vorfahren zum Ausdruck zu bringen.

Aus unseren Bauernhäusern ist auch zum größten Teil das von den Vorfahren ererbte Inventar verschwunden. In Schichtungs-verhandlungen bei einigen Erbhöfen haben wir von dem reichen Inventar, besonders den Kupfer- und Zinngeschirren Mitteilung gemacht. Alles ist verschwunden, wie auch die früher sich oftmals vorzufindenen geschnitzten Truhen und Koffer und Schränke. Etwa noch vorhandenes Inventar der Vorfahren sollen die Nachkommen nicht aus der Hand geben, sondern hoch in Ehren halten.

Beleuchtung und Heizung

Die Chronik meldet zum Jahre 1912 den Anschluß der Gemeinde an das Netz der "Paderborner Elektrizitäts- und Straßenbahn-Aktiengesellschaft" (Pesag). Alfen wurde und wird so mit elektrischen Licht- und Kraftstrom versorgt.

Die Beleuchtung auf dem Landes bis in die sechziger Jahre des verflossenen Jahrhunderts geschah meistens noch durch die zinnernen Rüböllampen. Dann kamen Petroleumlampen in Gebrauch. Man staunte über das helle Licht und nahm die Unbequemlichkeit der Reinigung der Cylinder und Brenner gern in Kauf. Zum Anzünden brauchte man die Schwefelhölzer ("Sticken"); dann kamen die sogenannten schwedischen Streichhölzer. Unsere Vorfahren gegen Ende des achtzehnten und zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts hatten es mit dem Anzünden des Lichtes und Feuers noch viel beschwerlicher. Durch Schlagen eines Feuersteins gegen Stahl entstand ein Funke, den man mit Zunder auffing; der Zunder wurde weiter angeblasen und etwas Stroh oder Papier in Brand gesetzt und mit der so mühsam hervorgerufenen Flamme wurde dünnes, trockenes Holz entzündet. Das Feuer wurde durch den Handblasebalg, den sogenannten "Puster" weiter gefördert. Wegen der Schwierigkeit des Feueranmachens wurde auf dem Herd das Feuer unter der Asche, unter der "Feuerstülpe" gehütet. Wie leicht haben wir es heute mit dem Anzünden des elektrischen Lichtes und mit dem Feueranzünden mit Streichholz oder Feuerzeug.

Das Essen wurde von unseren Vorfahren am offenen Herdfeuer, das mit Buchbrennholz gespeist wurde, zubereitet. Über dem Feuer hing der Kesselhaken mit dem Kochtopf. Die Wohnstube wurde vielfach mit einem gußeisernen Ofen geheizt, der von der Tenne aus mit Feuer und Brennholz versorgt wurde. Dann kamen die schönen gußeisenernen Holzöfen zur Erwärmung der Zimmer auf, die zum Teil heute noch vorhanden sind. In den siebziger und achtziger Jahren wurde die Holzfeuerung vielfach durch Steinkohlen-Feuerung abgelöst. Aus nationalen Ersparnisgründen wird die Holzfeuerung bald endgültig abgetan sein.

Unterhaltspflicht der politischen Gemeinde bei kirchlichen Gebäuden
In der Chronik wird an mehreren Stellen der Bau- und Unterhaltungspflicht der politischen Gemeinde bei kirchlichen Gebäuden gedacht. Über die Erbauung der eigenen Pfarrkirche und Pfarrwohnung durch die politische Gemeinde Alfen wird unten, desgleichen auch über die Ablösung der Bau- und Reparaturenverpflichtung gegenüber der politischen Gemeinde in Kirchborchen Näheres mitgeteilt.

Als Alfen noch zu einem Viertel zu den Bau- und Unterhaltungskosten zur Pfarrkirche und Pastorat in Kirchborchen beitragspflichtig war, zahlte Alfen 1842 für die Pfarrkirche 200 Tlr. und trug 1906 zum Erweiterungsbau in Kirchborchen 12500,-- Mark bei. Im Jahre 1922, als schon die Errichtung einer eigenen Vikarie bzw. Pastorat in Alfen in greifbare Nähe gerückt schien, aber die kirchliche Baupflicht gegenüber Kirchborchen noch nicht abgelöst, weigerte die politische Gemeinde Alfen, einen Beitrag zur Dachneudeckung in Kirchborchen zu leisten. Es kam zum Prozeß, den Alfen verlor.

Schule und Küsterei

Zuvor mögen hierüber einige Mitteilungen aus der Zeit vor Abfassung der Gemeindechronik folgen:

Alfen hatte bereits in der Zeit des 30-jährigen Krieges einen Kirchendiener oder Küster, der wohl auch recht und schlecht Schule gehalten haben mag. Der Volksschule in Alfen wird dann Erwähnung getan im Jahre 1654, und zwar bei der unter dem Fürstbischof Theodor Adolf von der Reck veranstalteten Visitation des ganzen Fürstbistums. Von der Alfener Schule heißt es im Visitationsbericht:

"Küster ist hier der Schulmeister Jodokus Kröger aus Paderborn, cr. 44 Jahre alt und bereits 15 Jahre in Alfen; er bezieht an jährlichen Einkünften: 1 Tlr. von der Kapelle und 2 Scheffel Roggen von der Gemeinde; als Schullehrer hat er kein Einkommen, bekommt jedoch gegen Mitte des Jahres von jedem Schulkinde 12 Groschen."

Aus dieser kurzen, interessanten Mitteilung folgt ein dreifaches:

  1. Das Amt des Lehrer und Küsters ist ein kirchliches;
  2. Die Ernennung des Küsters und Lehrers erfolgte (wie auch in Kirch- und Nordborchen) durch den Dompropst, in dessen Archidiakonatsbezirk Alfen gelegen war.
  3. Das Einkommen des Küsters und Lehrers ist recht bescheiden; ein festes kleines Gehalt bekommt er als Küster, wozu dann die einmal jährlichen Schulgelder (von je 12 Groschen oder Denaren) von den Schulkindern kamen.

In seinem schon öfters erwähnten Bericht über den Vermögensstand der Borchener Kirche vom 12.9.1684 macht Pfarrer Pater Bonifatius Ernesti auch über die Schule Mitteilungen.

Der Küster in Alfen erhalte das vorhin erwähnte Gehalt von jährlich 1 Tlr. und 2 Scheffel Roggen. Über die wechselnden und unregelmäßigen Einnahmen des Lehrers und Küsters aus den Schulgeldern der Schulkinder klagt Pater Bonifatius Ernesti am 26.5.1676 beim Archidiakonal-Sendgericht; "daß die Eltern die Kinder nicht regelmäßig zur Schule schickten und daß sie den Schulmeister nicht bezahlten." Das Send- oder Synodalgericht stimmte den vorgebrachten Klagen des Pfarrers zu und schärfte den Eltern ihre Pflichten bezüglich des Schulbesuches der Kinder und Zahlung des Schulgeldes zwar energisch ein; wir sind aber nicht unterrichtet, ob die Eltern sich dauernd danach gerichtet haben.

In den älteren Kirchenbüchern von Kirchborchen werden nur einige wenige Lehrer und Küster angeführt:

Am 18.4.1716 begrub Pastor P. Ludgerus den im Wasser ertrunkenen Schullehrer Georg Hillebrandt. 1738 werden bei Eintragung einer Taufe als Eltern angegeben: Johannes Hillebrandt, Schullehrer in Alfen und Sohn des ertrunkenen Lehrer Georg Hillebrandt, und seiner Ehefrau Anna Angela Plümer. (Johann Hillebrandt starb am 1.5.1750). Um das Jahre 1796 –1800 war als Lehrer Franz Hibbeln aus Schwaney angestellt, dem die Lehrer Zumdieck, Tholus, Döpperling folgten. 1818 wird in der Gemeindechronik Wilhelm Sünkeler als Lehrer aufgeführt. (die späteren Lehrer und Lehrerinnen sind in der Pfarrchronik aufgeführt.)

Der Küster und Lehrer benutzte in der fürstbischöflichen Zeit das der Gemeinde gehörende Speicherhaus auf dem Kirchhof und zahlte dafür eine geringe Miete. Im Kapellen-Etat vom 30.4.1753 heißt es:

"Der Schullehrer zahlt mit einem anderen Einwohner an jährlicher Miete: 1 Tlr. 7 Schilling und ferner für einen Morgen im Lindenfelde an Pacht: 1 Tlr."

Über das Schulgebäude heißt es in der Pfarrchronik:

"Als Schulgebäude diente der sog. "Kirchenspeicher" südlich von der alten Kapelle, wo heute die Mädchenschule steht.
Die Wohnung bestand aus drei Zimmern, von denen eines zugleich als Unterrichtszimmer diente. Der Lehrer, der immer eine Nebenbeschäftigung betreiben mußte, unterrichtete in seiner Arbeitszeit und verrichtete dabei seine Arbeit als Schneider, Holzschuhmacher oder dergleichen. In demselben Hause wohnten außer dem Lehrer noch zwei ärmere Familien.
Erst im Jahre 1820 oder 1821 ging man daran, auf der Südostseite des alten Friedhofes ein Gebäude zu errichten, das ein geräumiges Schulzimmer enthielt. Die Wohnung des Lehrer blieb einstweilen noch im sog. Kirchenspeicher. Erst 1827 erhielt der Lehrer eine bessere Wohnung, indem man für ihn das Mühlenhaus'sche Wohnhaus nebst dem dabei befindlichen Garten und ¾ Morgen Ackerland kaufte...."
Das Schulzimmer in dem auf dem Kirchhof errichteten Gebäude erwies sich als aber bald als zu klein, sodaß ein Neubau wünschenswert, ja notwendig wurde."

Generalvikar Dr. Heinrich Drüke, der große Sohn der Gemeinde Alfen erkannte als alter, erfahrener Schulmann die außerordentlichen Mängel der Dorfschule und suchte als treuer Sohn seiner Heimatgemeinde zu helfen. In den Gemeindechronik heißt es:
"Er schenkte 1844 eine neue Schule; die Gemeinde trug dazu bei 1000 Tlr. Er hatte aber nicht die Freude, die Schule vollendet zu sehen...."

Als Baustelle wurde ausersehen der Platz, auf welchem der schon erwähnte Kirchenspeicher stand. Das Gebäude blieb dann in nächster Nähe der Kapelle. Im Jahre 1845 fand die Übersiedelung in das neue Schulhaus statt. (Aus der Pfarrchronik) Im Jahre 1898 wurde das 1820/21 errichtete Gebäude abgerissen und der Platz zum Kirchhof gezogen.

Wegen der erhöhten Schülerzahl beschloß 1902 der Gemeinde- und Schulverband die Anstellung einer Lehrerin. Die Regierung war damit einverstanden, verlangte aber Beschaffung eines geeigneten Klassenzimmers. Da die bisherige Lehrerwohnung in der 1844 erbauten Schule doch sehr beschränkt war, wurde 1903 eine neue Knabenschule mit Lehrerwohnung gebaut, nachdem ein Bauplatz von Ahrens-Cord Neese gegen Eintausch von 1 ½ Morgen am "Eselswege" erworben war. Die alte Knabenschule wurde 1903 zur Mädchenschule eingerichtet. – Erst Lehrerin war Katharina Böger aus Neuenbeken.

Als Lehrer und Organist hat Herr Joseph Schopohl, geboren am 18.2.1863 in Ebbingshausen bei Lichtenau über 44 Jahre in der Gemeinde segensreich gewirkt.. Am 30.3.1928 schied er aus seinem langjährigen Amte.

"Des Morgens war Levitenamt, bei welchem sein Sohn Albert zum ersten Male als Diakon fungierte, darauf eine Abschiedsfeier in der Schule. Von der Gemeindevertretung sowohl wie vom Kirchenvorstand wurde ihm ein Geschenk zum Andenken überreicht. (Aus der Pfarrchronik)

Das Andenken an Lehrer Josph Schopohl ist in der Gemeinde noch recht lebendig. Er zog nach Paderborn, wo er im Alter von 76 Jahren am 17.3.1939 verstorben ist.

Zum Schluß dieses Kapitels mögen noch einige Mitteilungen über Münze, Maß und Gewicht der früheren Zeiten folgen, da hierdurch auch der Bruch mit der mittelalterlichen Zeit so recht deutlich zu Tage tritt.

Währung

Im Jahre 1821 führte Preußen den Silbergroschen als neue Scheidemünze ein. Auf den Taler gingen 30 Silbergroschen, der Silbergroschen zu 10 Pfennig gerechnet, und der Mariengroschen, von denen 36 Stück einen Taler ausmachten. – Nach der Gründung des deutschen Kaiserreiches (18.1.1871) wurde in Deutschland das Dezimalsystem eingeführt. Ab 1.1.1875 wurde bei allen Kassen die Rechnung nach Mark zu 100 Pfennig eingeführt.

So folgte eine völlige Umstellung im Münzwesen. Wie leicht ist es heute im Dezimalsystem nach Mark und Pfennigen zu rechnen, und die wenigsten heute lebenden Menschen, insbesondere auch unsere Jugend hat keine Vorstellung von der Buntscheckigkeit früherer Währung und der Schwierigkeit damaliger Berechnung und Kassenführung. In die Buntscheckigkeit des Münzwesens zeigt sich auch die Zersplitterung um die Aufteilung des damaligen Deutschen Reiches gegen Ende des 18. Jahrhunderts in 206 selbstständige größere, kleinere und kleinste Staatsgebiete.

Zum Beweis dieser Zersplitterung im Münzwesen geben wir im Nachstehenden die Geldsorten an, welche die preußische Kommission bei Aufhebung des Augustinerklosters Dalheim 1803 vorfand:

In Gold: Friedrichsdor (à 6 Tlr 4 Gr.), Carolias (á 6 Tlr 4Gr.) Dukaten (á 1 Tlr 4 Gr). In Silber: Laubtaler (á 1 Tlr 13 Gr. 4 Pfg.) Brabanter Taler (á 1 ½ Tlr, holländische Laubtaler (á 18bGr 8 Pfg.) Spezies Taler (á 1 Tlr 8 Gr.), holländische Gulden (13 Gr. 4 Pfg. Hessen Albus und Silbermünzen in 1/6, 1/12, 1/24, 1/36, 1/48 Stücken und verschiedene kleinere Münzen.

Wahrlich eine bunte Reihe,. die kaum überboten werden kann!

Während in Süddeutschland noch bis 1870/71 nach Gulden und Kreuzern gerechnet wurde, hatte man in Norddeutschland den Taler, der seinen Namen von seiner ersten Prägungsstelle Joachimstal in Böhmen führt. Der Taler hatte vor der Einigung Deutschlands im Deutschen Kaiserreich in den verschiedenen Staaten einen verschiedenen Silbergehalt. In Preußen wurde der Taler nach Berliner Courant gerechnet. 1907 wurde im Deutschen Reich der Taler als Münze durch das Dreimarkstück ersetzt. So ist der altehrwürdige Taler in Deutschland und auch aus Europa verschwunden. Er hat sich aber im Dollar der Vereinigten Staaten von Nordamerika erhalten; der Amerikaner bezeichnet im täglichen Umgang diese Münze als "Daler".

Die Maß- und Gewichtsordnung.

Am 1.1.1872 wurde im neuen Deutschen Kaiserreiche die Änderung in den Flächenmaßen durchgeführt, und es erfolgte gleichzeitig die Umstellung von Hohlmaßen auf Gewichten, und beides interessiert besonders den Landbewohner.

Im Paderborner Land war und ist noch gebräuchlich als Flächenmaß der rheinische Morgen, gerechnet zu 180 Quadratruten, die Rute zu 144 Quadratfuß. Die offizielle Rechnung geht heute nach Hektar, Ar und Quadratmeter.

Im vorausgehenden Teile dieser Heimatschrift haben wir so oft von Scheffeln, auch von Spint und Bechern, gesprochen. Die Erzeugnisse des landwirtschaftlichen genützten Bodens wurden nicht nach Gewicht, sondern nach Umfang, also in Hohlmaßen gemessen. Das gewöhnlichste Hohlmaß war der Scheffel. Aber auch der Scheffel hatte oft, ja meistens in ein und demselben Staate einen verschiedenen Umfang. So wurde im alten Fürstbistum Paderborn nach Paderborner, Warburger, Lichtenauer, Dringenberger, Salzkottener, Neuhäuser usw. Scheffel gerechnet. In Alfen mußten die Heuerfrüchte von den Kolonen meistens in Paderborner oder Salzkottener Maß abgeliefert werden. Bei größeren Körnermengen rechnete man auch nach Malter, der bei Roggen, Weizen und Rauhfutter zu 6 Scheffel, bei Gerste zu 8 und bei Hafer zu 12 Scheffel gerechnet wurde.


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