Kapitel 13: Aus dem kirchlichen Gemeindeleben

  • Visitation der Diözese Paderborn unter Fürstbischof Adolf von der Reck 1654 – 1656
  • Das Sendgericht des Dompropstes 1676
  • Alte Meßstiftungen. Prozessionen. "Sangkorn". Volksmissionen
  • Schenkungen der Anna Lenniger und Maria Becker
  • Bau der Kirche und des Pastorats
  • Friedhof

Visitation der Diözese Paderborn unter Fürstbischof Adolf von der Reck 1654 – 1656.

Eine Kapelle in Alfen wird schon 1182 in der Urkunde des Papstes Lucius erwähnt, in der er von Velletri aus dem Kloster Abdinghof den Besitz in Alfen bestätigte. Ebenso wird im ersten Borchener Weistum von 1304 unsere Filialkirche erwähnt, über deren Erbauung urkundliches Material bis jetzt nicht gefunden ist. Nach dem zweiten Borchener Weistum von 1370 kann angenommen werden, daß in Alfen die Kirche mit Kirchhof, ähnlich wie in Kirchborchen, als befestigter Zufluchtsort in Kriegs- und Fehdezeiten gedient hat, wie so manche andere Kirchhöfe, z.B. auch in Niederntudorf usw. Nach dem Realschematismus der Diözese Paderborn soll die alte Alfener Kirche im 13. Jahrhundert erbaut sein.

Nach dem 30jährigen Kriege, durch den das Hochstift Paderborn ausgezogen und aufs ärgste mitgenommen war, war Theodor Adolf von der Reck Fürstbischof von Paderborn (1650 – 1661).

Der Dom war durch den tollen Christian von Braunschweig 1622 ausgeraubt und in den folgenden Kriegsjahren besonders durch die Hessen und Schweden weiter verwüstet. Fürstbischof Theodor Adolf von der Reck hat den Dom wieder in Stand gesetzt und, dem Geschmack der Zeit entsprechend, die barocke Innengestaltung durchgeführt. Der damals neubeschaffte, prächtige Hochaltar, der unter Bischof Konrad Martin (1856- 1879) entfernt wurde, ist 1925 in neuem Glanze wieder aufgestellt worden und ist eine große Zierde unseres Domes. Der um den katholischen Glauben besorgte Fürstbischof Theodor Adolf berief nach Paderborn die Franziskaner von der strengeren Observanz (Ordensregel), darum vom Volke Observanten, auch wohl "Abselventen" genannt, und die Chorfrauen vom hl. Augustinus, in Paderborn "Französische Nonnen" genannt, weil die Gründung im französischen Lothringen von dem hl. Petrus Fourrier erfolgt war.

Der tatkräftige Fürstbischof ließ 1654 – 1656 eine allgemeine Visitation des ganzen Hochstiftes vornehmen, um über die Zustände und die religiösen Bedürfnisse einer jeden Pfarrei ein möglichst klares Bild zu bekommen. 1654 wurde diese Visitation in der Pfarrgemeinde Kirchborchen durch die Vertreter des Archidiakons und des Dompropstes Dr. Weltermann und Dombenefiziat Dr. Vogelius, vorgenommen. Als Protokollführer nahm teil der Sekretär des Domkapitels Ludwig Wippermann.

In den Visitationsbericht heißt es über die Kirche in Alfen, daß der Altar im 30jährigen Kriege entweiht sei und daß das hl. Messopfer auf einen Altarstein dargebracht würde. Die festen Einnahmen der Kirche betrügen jährlich 28 Scheffel Hafer und 31 Taler nach Abzug der Gebühren für den Pfarrer und den Küster für die gestifteten Seelenämter. Als Küster in Alfen war damals tätig der Schullehrer Jodokus Kröger aus Paderborn, 44 Jahre alt; er bezog jährlich von der Gemeinde: 1 Tlr und 2 Scheffel Roggen. Als Schullehrer habe er kein festes Einkommen, bekomme aber gegen Mitte des Jahres von jedem Schulkinde 12 Groschen.

Die im 30jährigen Kriege entweihten Altäre in Kirchborchen, Nordborchen und Alfen wurden unter dem Fürstbischof Theodor Adolf von den Reck durch Weihbischof Frick, Dechant des Busdorfstiftes, neu konsekriert. (Siehe auch Geschichte von Nordborchen Seite 79).

Da die Einwohner von Alfen einen weiten und beschwerlichen Weg zur Pfarrkirche in Kirchborchen hatten, da besonders zur Winterszeit, zur Zeit der Schneeschmelze und bei Wolkenbrüchen des öfteren der Kirchgang wegen Überschwemmung der Alme nicht gemacht werden konnte, hatten die Alfener schon früh den begreiflichen Wunsch, daß das Sakrament der hl. Taufe in der eigenen Kirche gespendet, und daß Sonn- und Feiertage, besonders in der Winterzeit, dort die hl. Messe gelesen werden möchte. Nach Aufzeichnung im Pfarrarchive von Kirchborchen mußten z.B. in den Jahren 1753, 1799 und 1803 wegen Hochwasser der Alme die Täuflinge von Alfen nach Obern- oder Niederntudorf gebracht werden.

Im Jahre 1618, dem ersten Jahre des 30jährigen Kriege, ließen die Alfener einen eigenen Taufstein herrichten, der früher in der alten Kirche stand und jetzt der neuen Pfarrkirche zur Zierde gereicht. Jedes Dorf mit eigener Kirche hatte einen Kirchen- oder Kapellenvorstand. Die Mitglieder hießen Templierer und wurden vom Pfarrer berufen; die Zahl der Templierer betrug in der Regel zwei. Nach der Inschrift an dem altehrwürdigen Taufstein waren damals Templierer in Alfen der Dorfrichter Jürgen (Georg) Eilper und Everdt (Eberhard) Brandt. Wenn die Alfener gehofft hatten, daß mit dem neu beschafften Taufstein auch das Taufsakrament fortan in der eigenen Kirche gespendet würde, so sahen sich durch den Widerstand ihres Pfarrers doch getäuscht, der den begreiflichen Wunsch hatte, daß die Alfener Täuflinge wie von alters her auch weiterhin zu Pfarrkirche, abgesehen von Überschwemmungszeiten, gebracht würden.

Das Sendgericht des Dompropstes 1676

Auch die zuständige kirchliche Behörde stand auf Seiten des Pfarrers in der Tauffrage, die jedoch anscheinend die Alfener nicht ruhen ließ und die sie wohl des öfteren noch vorbrachten und Zusage auf ihre Forderung beantragten. Pfarrer P. Bonifatius Ernestie (1673 – 1704) berichtet in seinen Aufzeichnungen über die kirchliche Visitation des Archidiakonatsbezirkes des Dompropstes am 26.5.1676; im Anschluß daran fand das Synodal- oder Sendgericht statt. In seinen Mitteilung über diese Gerichtsverhandlungen berichtet er u.a., daß das Gesuch der Alfener um Spendung der hl. Taufe in ihrer Kirche abgeschlagen sei; nur in Notfällen und ausnahmsweise könne die Taufe in Alfen gespendet werden. Auch die Aussegnung der Frauen geschehe nicht in den Filialkirchen zu Alfen und Nordborchen, sondern in der Pfarrkirche in Kirchborchen.

Von den Bemühungen der Alfener um die Frühmesse an Sonn- und Feiertagen, besonders in der kalten Jahreszeit, mit Rücksicht auf die alten und kranken Gemeindemitglieder erfahren wir u.a. aus dem Antrage der Gemeinde an Abt Heinrich vom Abdinghof vom 14.5.1666 um Entsendung eines Patres. Das Kloster entsprach diesem Antrage bis zum Jahre 1790, wo ein Prozeß zwischen Pfarrgemeinde und Abdinghof wegen baulicher Unterhaltung des Pastorats das bisherige freundliche Einvernehmen störte. Aus einer protokollarischen Vernehmung von drei alten Gemeindemitgliedern durch Generalvikar Dr. Heinrich Drüke, um nachzuweisen, daß der Fiskus als Rechtsnachfolger des aufgehobenen Klosters Abdinghof zur Seelsorgeaushilfe in Borchen verpflichtet sei, hören wir, daß nach den Benediktinern ein Franziskaner aus dem Oberservantenkloster in Paderborn in Alfen die Frühmesse an Sonn- und Feiertagen gelesen habe. Die Beziehungen zwischen der Gemeinde und den Franziskaner in Paderborn sind stets die besten geblieben, wie wir auch noch weiter unten erfahren werden.

Auf der oben erwähnten Archidiakonatssynode von 26.5.1676 trug nun Pfarrer P. Bonifatius Ernesti folgende Klagen vor: die Gemeindemitglieder verlassen vielfach zu früh den Gottesdienst. Die Christenlehre werde nicht gut besucht. Die Eltern schickten ihre Kinder nicht regelmäßig zur Schule, und der Schullehrer bekomme von den Eltern nicht regelmäßig die festgesetzte Bezahlung. Die Pfarrangehörigen opferten für den Pastor an den Vierhochzeitenfesten nicht. Die Templierer (Kirchvorstände) seien in der Beitreibung der Zahlungen und Gebührnisse recht nachlässig; verschiedene Verpflichteten weigerten sich, dem Pastor die schuldigen Hand- und Spanndienste zu leisten. Endlich werde von verschiedenen Alfenern "prätendiert", daß alle Kinder in Alfen getauft würden.

Das Sendgericht billigte "Namens Ihrer Hochfürstlichen Durchlaucht: Herrn Markgrafen zu Baden hiesigen Thumpropst (Dompropst) und Archidiakon zu Borchen" die vorgebrachten Klagen und gab die entsprechenden Verordnungen.

Die Herrschaften werden u.a. verpflichtet, ihre Dienstboten zur Christenlehre zu schicken, desgl. werden die Eltern angehalten, ihre Kinder regelmäßig zu Schule zu schicken und das Schulgeld zu zahlen. Auch sollen die Frauens- sowohl als Mannespersonen an den Vierhochzeitenfesten dem Pastor ihr Opfer auf den Altar tun. Die es nicht tun, sollen von den Sendfrögen (Vögten des Sendgerichts), Templierer oder Ältesten annotiert und im nächsten Sendgericht bestraft werden. Die getreuliche Erfüllung der Hand- und Spanndienste dem Pastor gegenüber wird eingeschärft. Die Protestation der Alfener in Bezug auf Leistung der Spanndienste wird zurückgewiesen, desgl. die Forderung auf Kindtaufe in der Kirche zu Alfen.

Meinolf Pieper zu Alfen, der für den Pastor jährlich einen Morgen pflügen, säen und eineggen mußte, wird 1680 vom Synodal- oder Sendgericht verurteilt "bei Strafe von 1 Goldgulden seiner Dienstpflicht zu genügen.

Alte Meßstiftungen. Prozessionen. "Sangkorn". Volksmissionen.

In seinem "Status ecclesiae Borgensia" (Bericht über den Stand der Pfarrkirche in Borchen) berichtet der fleißige Pastor P. Bonifatius Ernesti auch über die Meßstiftungen in Alfen für die einzelnen Monate, Höhe der Stiftungskapitalien und der Kapitalanlage, Höhe der Zinsen, Jahr der Stiftung und Angabe, wann die Jahresmesse gelesen wird.

Wir finden in dieser Meßstiftungsaufzeichnung die bekannten Alfener Familien: Hollmeier, Neesen, Gerdiken, Brandts, Pieper, Rissen, Schlüter, Kersting usw. so stiftete Heinrich Neesen oder Neesemeyer am 26.12.1658 mit 10 Tlr. eine bald nach Neujahr zu lesende Memoria. Im April 1647: Meßstiftung des Heinrich Hollmeyer mit 30 Tlr., desgl. 6.3.1659 Jürgen Gerdiken mit 10 Tlr., die an
Heinrich Dransfeld auf Zinsen ausgeliehen waren. Am 16.7.1638 hatte Meinolf Knaup mit 20 Tlr. eine Stiftung gemacht, die an Tones (Anton) Kersting ausgeliehen waren. Gegen die Verschuldung seines Meiergutes hatte Baron Diederich Wilm von Krewet vergeblich protestiert. Nach der am 10. Juli für Georg Pieper stattfindenden Memoria essen Pastor und Küster in Piepers (Peips) Hause. Pfarrer P. Hermann Budde hatte für die Pfarrkirche eine neue silberne Monstranz angeschafft; für die Stifter ist Amt in der Fronleichnamsoktav, und bei der ersten Station der Prozession werden die Namen der Stifter und Höhe der geschenkten Beträge verlesen.

Durch den Bericht des Pfarrers P. Bonifatius Ernestie sind wir über die kirchlichen Zustände in der Pfarrei Borchen, so auch in der Filialgemeinde Alfen, ziemlich gut unterrichtet. Er behandelt den Gottesdienst in der Pfarrkirche und auf den Filialen, erzählt von den Prozessionen, führt auf die Getreidegefälle, Zahlungen der Gemeindemitglieder an die Kirche und Seelsorger usw. Über Alfen sei im Nachstehenden einiges mitgeteilt:

An bestimmten Festtagen singt der Pastor mit dem Küster das kirchliche Stundengebet in der Filialkirche, mit Ausnahme der Sonntage, an denen in Kirchborchen Pfarrgottesdienst ist, so am Neujahrstage (Beschneidung der Herrn), am dritten Ostertage, am Feste der hl. Walburgis, Kirchenpatronin in Alfen, am Feste des hl. Apostels Jacobus (25. Juli) und am Feste der Enthauptung des hl. Johannes des Täufers (29. 9.) und Maria Geburt.

Am Feste Pauli Bekehrung (25./I) wird vor der heiligen Messe ein Teil des kirchlichen Stundengebetes gesungen, nach der feierlichen Messe legen die Templierer die Kapellenrechnung vor, und es folgt Neuwahl eines Templierers.

Am Aschermittwoch kommen die Gläubigen aus den drei Pfarrdörfern in die Pfarrkirche zum Gottesdienst; jeden Freitag ist für alle Einwohner des Pfarrbezirkes in Kirchborchen früh hl. Messe mit Fastenpredigt.Von Palmensonntag an, desgl. vor Weihnachten, hält der Pastor den Weihgang oder, wie man damals sagte, er bringt den Leuten den "Frieden". Die Einwohner geben zu Ostern Eier, und zwar eine bestimmte Anzahl für jedes Haus, und Weihnachten ein Geldopfer in Denaren in derselben Zahl zum Ostertermin Eier. Von den Eiern bekommt der Küster ein Drittel, von den Denaren den vierten Teil.

Am Feste des hl. Markus (25.4) geht die Prozession aus Kirchborchen nach Alfen, dort hl. Messe, dann Prozession jenseits Alfen "an den Stein", Station mit Predigt und Segnung der Felder. Hierhin kamen auch die Prozessionen aus Obern- und Niederntudorf. – Die Prozessionen in der Bittwoche werden ausführlich beschrieben. (Die vorerwähnten Prozessionen sind nach den Freiheitskriegen von Pfarrer Anselmus Tiemann (1805-1820), Exbenediktiner vom Abdinghof, bedeutend abgekürzt.)

Am Feste Christi Himmelfahrt ist feierlich Pfarrprozession nach Paderborn zum Abdinghof, also an dem Tage der Kreuzprozession von Hegendorf zum Dom. Am Samstag der Himmelfahrtswoche ist Opfer für die Armen an Brot und Eiern. Die Verpflichteten und ihre Gaben werden dem Pastor Ernesti genau aufgezählt. – Auf Vitus (15.6) ist Pest- und Lobeprozession zur Gallikapelle.

Im Mittelalter und noch lange nachher wurde das Andenken an die Verstorbenen am Montag nach St. Remigius (1.10) – die sog. "Gemeine Woche" – gefeiert, und zwar zuerst in der Pfarrkirche, dann an den folgenden Tagen in Alfen und Nordborchen. Nach dem Seelenamt mit Libera-Prozession zum Kirchhof mit Einsegnung der Gräber und Gebeten und Gesängen für die Verstorbenen. Die Feier der "Gemeinen Woche" ist durch die Feier des Allerseelentages völlig verdrängt. Zur Zeit von Pfarrer Bonifatius Ernesti haben wir schon einen Anfang der Allerseelenfeier, indem am Nachmittag des Allerheiligenfestes in der Pfarrkirche das kirchliche Stundengebet für die Verstorbenen verrichtet wurde, und am 2. November war Feiertag bis nach dem Seelenamte.

Die zwei Hauptfeiertage einer Kirche sind Kirchenpatron und Kirchenweihe. Letztere wurde in Alfen am Sonntag nach St. Dionysius (10.10) gefeiert mit einem Opfer für die Armen, bestehend aus Weißbrot und Bier; nach dem Mittagessen war feierliche Vesper in Alfen.

Zur Armenspende in der Himmelfahrtswoche waren nach den Aufzeichnungen des P. Ernesti 21 Gemeindemitglieder mit 21 Broten und 205 Eiern verpflichtet; hiervon bekam der Pastor 3 Brote und 21 Eier, desgl. der Küster 2 Brote und 14 Eier, der Brote und Eier zum Pastorat in Kirchborchen zu bringen hatte. – Am Kirchenweihtage hatten 13 Einwohner Weißbrot und 4 desgl. ohne Bier für die Armen zu opfern; wovon Pastor und Küster einen kleinen Anteil vorab erhielten.

Beim Tode eines Erwachsenen wird das Läuten von den Verwandten in Kirchborchen bestellt. Bei Erwachsenen wird mit 3 Glocken am Sterbe- und am Begräbnistage geläutet; Küster und Läuter erhalten 4 Kannen Bier. Bei Kindern in gleicher Weise Läuten mit 2 Glocken am Sterbe- und Begräbnistage, wofür 2 Kannen Bier zu liefern sind.

Pfarrer P. Bonifatius Ernesti teilte ferner mit das Abkommen vom 6.2.1636 zwischen Pastor P. Hermann Budden und der Gemeinde Alfen wegen den Beköstigung an den sog. Gottesdiensttagen in Alfen. In den damaligen "beschwerlichen Zeiten und Kriegsläufen" – es war die Zeit des 30- jährigen Krieges – ist anscheinend die Beköstigung des Pastors und des Küsters auf Schwierigkeiten gestoßen. An der Besprechung nahmen teil der Pastor, die damals fungierenden 2 Templierer und die früheren Templierer. Es wird beschlossen, daß der Pfarrer aus der Kirchenkasse in Alfen 3 Tlr. und der Küster von Kirchborchen1 ½ Tlr. erhalten sollen. Der jüngste Templierer richtet das Essen an gegen Bezahlung; jeder Teilnehmer zahlt 2 Schillinge; außerdem erhält der Gastgeber ½ Tlr. als "Ehrentrunk". Für die Frauen der Templierer und deren Mägde wird ein Trinkgeld vorgesehen und desgl. für den "anverordneten Kirchendiener zu Alfen, damit er nicht gar seiner Mahlzeit beraubt werde und dem Pastor desto fleißiger aufwart"; jeder Templierer erhält, "damit sie desto eifriger die Schülte (Abgabe) einnehmen von Meinolf Knoix 3 Scheffel Hafer".

In seinem Bericht über den Vermögensstand der Borchener Pfarrkirche gibt Pastor P. Bonifatius Ernesti auch nähere Angaben über das Vermögen der Alfener Kirche und über den Meßhafer, das sog. "Sangkorn", daß sind die Korngefälle für den Pfarrer von verschiedenen Kolonnen, wahrscheinlich Pächter von früheren Kirchengrundstücken.

Vermögen der Kirche in Alfen

  1. Am 12.9.1680 wird Paul Dransfeld, der mit Anna Ernesti, einer Schwester des Pastors Ernesti verheiratet war, mit einer Hube der Alfener Kapelle durch den Pastor und die Templierer auf Lebenszeit bemeiert. Die Größe des Kolonats ist 48 Morgen, darauf lasten Bemeierungsgelder (Meierkauf) und jährlich 28 Scheffel Hafer und 1 Tlr. für Tagelohn zum Besten der Kapelle.
  2. Heinrich Mesches, sonst Warrichs, zahlt für Haus und Hof in Alfen "bei den Kettenhagen" jährlich 7 Schilling und 6 Denare.
  3. Ewerts (Eberhard) Brandt desgl. 12 Schilling
  4. Meinolf Brandt und Johanna Goers, jetzt Günnemeyer, zahlen jährlich je 18 Denare für die Alfener Fahnenträger.
  5. Kowarge und Trina Grafen zahlen als jährliche Miete von eines der Kapelle gehörigen kleinen Hause je 1 Tlr.
  6. Getreideeinkünfte ("Sangkorn") des Pastors aus Alfen (Nach dem Stande von 1673)

Im Interesse der Familienforschung sollen im Nachstehenden die Verpflichteten mit ihren Heuerfrüchten aufgeführt werden.

I. Roggen

Johann Kowarge3 Spint
Göllner2 Scheffel
R. Joest Grüen1 Scheffel
Meinolf Brand1 Scheffel
Joh. Risse2 Scheffel
Mennas Töne1 Scheffel
Meinolf alten1 Scheffel
Tonies Kersting2 Scheffel
Eitenbring2 Scheffel
Albert Ewerts1 Scheffel
Westermeyer3 spint
Tonies Meyer2 Scheffel
Gunnameyer1 Scheffel
Joh. Lüken3 Scheffel
1 Spint
3 Becher
Eke2 Scheffel
3 Becher
Hermann Meyer, Lütke2 Spint
Hollmeyer2 Scheffel
Pieper2 Scheffel
Daniel Hencken7 Spint

II. Hafer

R. Profars, Sintermann2 Spint
Iseks2 Spint
Jürgen Höffer1 Scheffel
Kowarge2 spint
Jost Fischer
(wg. Roggenkam)
1 Scheffel
Daniel Hencken1 Scheffel
Göllner1 Scheffel
Borius Risse1 Scheffel
Ellenburg2 Spint
Tonies Meyer1 Scheffel
Westermeyer1 Spint
Günnenmeyer1 Scheffel
Joh. Lüken1 Scheffel
Ecke3 Spint
Albert Ewers1 Scheffel
Leonhard Reenans
(wg. Linnenkamp)
2 Spint
Stoffer Hencken2 Spint
Joh. Timmer1 Scheffel
Kettelboecker1 Scheffel

(Siehe auch Geschichte von Nordborchen, Seite 146/147)

Außerdem geben jährlich Hermann Hencken oder Pieper dem Pastor für zwei Bewirtungen 2 Schfl. Gerste, wovon der Küster zu Kirchborchen ½ Schfl. miterhält. Jürgen Eissen, jetzt Daniel Hecker, gibt jährliche Pacht von 3 Morgen Land "up dem Lansberge" 5 Schfl. Roggen, die anderen 2 Jahre 5 Schfl. Hafer, bei Brache: nichts. Desgl. Albert Eissen, jetzt Ewert (Eberhard) Meyer von 3 Morgen "im Lindfelde" 3 Schfl. Roggen und die anderen 2 Jahre 4 Schfl. Hafer, bei Brache: nicht.

P. Bonifatius Ernesti verzichtete 1704 wegen Alter und Krankheit auf die Pfarrei und ging in sein Kloster Abdinghof zurück. Er war jedenfalls einer der verdienstvollsten Pfarrer unter den Benediktinerpastören seiner Pfarrei, der immer und überall für die Belange der Pfarrseelsorge eintrat, auch gegenüber hochmögenden adeligen Grundherren, so bei den Freiherrn von Oeynhausen in Nordborchen (siehe auch Geschichte von Nordborchen S. 162). In der Pfarrchronik des Exbenediktiners Pfarrer Anselmus Tilmann wird dem P. Bonifatius Ernesti folgender Nachruf gewidmet:

"Am 22.10.1704 nachmittags gegen 4 Uhr entschlief in unserem Kloster (Abdinghof) ruhig im Herrn der hochwürdige und hochverehrte Pastor Bonifatius Ernesti, nachdem er in Borchen 5 Jahre als Kaplan und 31 Jahre als Pastor mit großem Eifer und zum größten Nutzen der ihm anvertrauten Seelen in rühmenswertester Weise gearbeitet hat."

Von der Not in der Zeit des 18. Jahrhunderts bekommen wir einen kleine Einblick durch Kapellenrechnung von 1753, in der 56 Schuldner mit verhältnismäßig kleinen Kapitalschulden aufgeführt werden. Es ist wohl ersichtlich, daß die Templierer in der Einziehung doch recht lässig gewesen sind; sonst hätten sich solch hohe Restbeträge nicht ergeben können. So schuldeten an rückständigen Zinsen:

Lünne, jetzt Daniel Brand: bei jährlicher Zinszahlung von Tlr. 10 Schilling: 72 Tlr. 4 Schl. (1767 konnte er durch Steinanfuhr für die Kapelle etwas abverdienen.)

  • Ewersmeyer, jetzt Joh. Heinr. Happe: Restsumme: 77 Tlr. 17 Schl.
  • Grue, jetzt Jürgen Lohmann: jährliche Zahlung: 16 Schl.: Rest 25 Tlr. 19 Schl.
  • Ricke: jährlich 1 Tlr. 19 Schl.: Rest: 79 Tlr, 10 Schl. 10 Pfg.
  • Henkemeyer: jährlich 14 Schl.: Rest: 39 Trl. 16 Schl. 1 Pfg.
  • Goersmeyer: jährlich 1 Tlr. 3 Schl.: Rest: 6 Tlr., 19 Schl.
  • Knaup: jährlich 2 Tlr. 5 Schl. 4 Pfg., Rest: 32 Tlr. 10 Schl. 6 Pfg.

Der Voranschlag (Etat) der Kapelle zu Alfen für 1809 sieht nachstehende Einnahmen vor:

  • I. an Zinsen: 29 Tlr. 19 Gr. – Pfg.
  • II. an Pächter: 4 Tlr. 10 Gr. 6 Pfg.
  • III. von d. Hube:10 Tr. 19 Gr. 3 Pfg.
  • IV. an Grundgeld: 4 Gr. 6 Pfg.
  • Summa: 45 Tlr. 11 Gr. 3 Pfg.

Die Kapellenhube, die nach dem Bericht des Pastor P. Bonifatius Ernesti an dessen Schwager Paul Dransfeld in Meierstattt 1680 gegeben war, ist nach dem Meierbrief vom 6.12.1804 von dem Pfarrer P. Joseph Schulte und den Templierern Caspar Meyer und Liborius Gerdicken dem Franz Lüke übertragen. Die Größe des Kolonates wird 1680 mit 48 Morgen, dagegen 1804 mit ca. 45 Morgen in 45 (!) Parzellen angegeben. Die frühere Heuerfrucht 28 Schfl. Hafer und 1 Tlr. in bar ist im Meierbrief 1804 mit dem Barbetrage von 10 Tlr. 19 Gr. 3 Pfg. angegeben.

In der von Pastor Anselmus Tiemann angelegten Pfarrchronik finden wir, daß im Jahre 1719 von zwei Jesuitenpatres eine Mission in Kirchborchen abgehalten wurde, daß jedoch alter und kränklicher Leute wegen in Alfen ebenfalls einige Predigten gehalten wurden.
Einer weiteren Volksmission wird rühmend in den Gemeindechronik gedacht. Es ist die von Diözesanmissionar Josef Franz Arnold Hillebrand vom 1. – 9.7.1852 abgehaltene Mission, dessen Andenken heute noch im dankbaren Volke fortlebt. Wohl kein Priester hat für die Hebung des religiösen Volkslebens und für den Kampf gegen Unglauben und Unsitte eine solche Bedeutung erlangt wie Josef Hillebrand aus Brilon. Gegen 250 Volksmissionen hat er in der Diözese Paderborn gehalten, teils allein, teils mit Unterstützung von Jesuiten und Franziskanern. Von letzteren verdient besondere Erwähnung der Missionar P. Caspar Hilmer. Des Diözesanmissionars Hillebrand und seiner Mitarbeiter Kampf galt vor allem auf dem Lande dem damals grassierenden übermäßigen Schnapsgenuß. Wenn wir uns an die Eingabe des Freiherrn von Brenken Ende des 19. Jahrhunderts an den Paderborner Fürstbischof Friedrich Wilhelm von Westphalen erinnern, in der die Schnapspest in Alfen geschildert wird, wenn wir daran denken, daß 1820 in Alfen noch 7 (!) Branntweinbrennereien bestanden, so können die heutigen Bewohner von Alfen nur dankbar auch der Volksmissions von 1852 gedenken, durch die nach Aufzeichnung in der Gemeindechronik viele Trinker gebessert wurden, und dankbar der damaligen Gründung der Mäßigkeitsbruderschaft gedenken. Hillebrand wurde vom Papste Pius IX. mit dem seltenen Titel "Apostolischer Missionar" geehrt und starb in seiner Vaterstadt Brilon am 13.3.1887. (geb. 26.6.1813). (Über die Bekämpfung des Schnapsgenusses siehe auch Geschichte von Nordborchen S. 115/116).

Ende des 18 Jahrhunderts und in den ersten Jahrzehnten des folgenden Jahrhunderts haben wir die Zeit der sog. Aufklärung, die sich zum Teil auch auf dem Lande auswirkte, besonders in der Umgestaltung religiösen Brauchtums. Manches Wertvolle ist damals verboten und verschwunden, so religiöse Schauspiele, Prozessionen zu Pferde usw. Auch die hergebrachten Prozessionen erfuhren vielfach eine Umbildung, wobei zuzugeben ist, daß Mißbräuche vorkamen, und daß die aus alter Zeit herstammenden Prozessionen vielfach zu weit waren.

Pfarrer P. Wolfgang Heitland, der letzte Abt von Abdinghof, kam im zweiten Jahr seiner Tätigkeit als Pfarrer von Borchen (1786 – 1802) in Differenzen mit der Filiale Alfen, da er die Prozessionen abkürzen und die am 3. Pfingsttage, der als Festtag abgeschafft war, hergebrachte Prozession mit dem Allerheiligsten auf Peter und Paul verlegen wollte. Am 30.5.1787 richtete die Gemeinde Alfen an Fürstbischof Franz Egon von Fürstenberg "kniefälligste Supplikation, daß die früheren Gottestrachten wieder eingeführt würden". Von der fürstbischöflichen Behörde wird die Prozession am Peter- und Paulstage mit dem Allerheiligsten und 6 Stationen und nachmittägige Vesper gestattet. Die Armen erhalten an diesem Tage "30 hausbackene Brote und je 7 Eier". Am 9.6.1787 berichtete Pastor. P. Wolfgang Heitland über große Mißbräuche bei Rückkehr von der Himmelfahrtsprozession nach Paderborn, wo neben der Hegensdorfer Prozession mit dem wundertätigen Kreuze Prozessionen aus allen benachbarten Gemeinde zum Paderborner Dom zogen. Pastor Anselmus Tiemann (1805 – 1820) führte 1817 und 1818 die Abkürzung der Prozessionen in der Bittwoche und auf Marcustag durch, worüber in der Geschichte von Nordborchen (S. 147/148) das Nähere mitgeteilt ist.
In seiner Pfarrchronik teilt Pfarrer Anselmus Tiemann mit, daß er 1817 die Kapelle in Alfen haben weissen lassen. Das "Beinhäuschen", das an der Kapelle stand, gab er einem kleinen Mann, der "dafür die Gebeine begraben mußt. Jetzt steht dort ein Marienbild." (Bei Wiederbelegung des Kirchhofes wurden die noch nicht verwesten Gebeine im "Beinhause" gesammelt.)

Wenn auch in der Kirche von Alfen jeden Sonn- und Feiertag ein Franziskanerpater aus Paderborn Gottesdienst abhielt, so war es doch nur ein Notbehelf; bei den beschwerlichen und im Winter vielfach unpassierbaren Wegen von und zur Pfarrkirche in Kirchborchen war der Wunsch der Alfener, einen eigenen Vikar zu haben, nur zu berechtigt. Generalvikar Dr. Drüke beabsichtigte, aus seinem Vermögen für seine Heimatgemeinde eine Schulvikarie zu gründen, leider starb er ohne Testament. (Bis zum Kulturkampf in den siebenziger Jahre des vorigen Jahrhunderts versorgten "Schulvikare" an manchen Orten die Schule und waren haupt- oder nebenamtlich in der Seelsorge tätig.) Nach dem praktischen Urteil des Generalvikars Dr. Drüke war die Gründung einer Schulvikarie die leichteste und billigste Lösung der Seelsorgefrage in Alfen.

Ortsvorsteher Rören und Kirchenvorsteher Meyer in Alfen beantragen am 9.9.1859 die Errichtung einer Schulvikarie und begründen ihren Antrag mit der Schwierigkeit des Kirchweges zur Pfarrkirche. Am 2..6.1860 verlangte der Generalvikar für den Schulvikar freie Wohnung und ein jährliches Gehalt von 300 Tlr. Da beide Bedingungen vor der Hand nicht erfüllt werden konnten, kam die Gründung einer Schulvikarie nicht zustande.

Die Alfener Gemeindemitglieder müssen dem verstorbenen Pfarrer Dr. Mertens in Kirchborchen dankbar sein, daß dieser die Gründung einer Vikarie – eine Schulvikarie kam nach dem Kulturkampf nicht mehr in Frage – nicht aus den Augen verloren hat. Durch Testament vom 22.12.1887 setzte der unverheiratete Schäfer Friedrich Wischer die Kapelle zu Alfen zur Erbin seines 2110 Mark betragenden Vermögens ein; 1200 RM sollten zur Stiftung von hl. Messen diesen. Dezember 1893 übergab Zugführer Babilon aus Paderborn dem Pfarrer Mertens von seinen Schwägerinnen Elisabeth und Wilhelmine Lüke zur Alfen 700 und 600 Mark. Nach dem Brande des Kerstingshofes kaufte Pfarrer Mertens zunächst für seine Person für 5500 Mark Hofplatz und Garten des Geburtshofes von Generalvikar Drüke als Bauplatz und Garten für die später zu erbauende Vikarie, jetzt Pastorat.

Schenkungen der Anna Lenniger und Maria Becker.

Daß die Vikarie un dann Pfarrei ins Leben treten konnten, hat die Gemeinde Alfen den Schenkungen der Anna lenig und besonders der Maria Becker zu verdanken.

a) zur Schenkung Leniger:

Zu Anfang vorigen Jahrhunderts war Eigentümer des Hauses Nr. 59 (Hausname: Schebs, Scheips, Schäfers oder Schepsmeyer) Johann Georg Leniger. Das Grundvermögen bestand aus Haus mit Hof, einen 5 Gart großen Garten, einer Wiese von 6 Gart und 1/2 Morgen Ackerland. Die Grundstücke wren von Freiherrn Wilhelm Anton von Imbsen und von der Gemeinde Alfen angekauft. Weiter Grundstücksankäufe tätigte der Nachbesitzer Konrad Leniger 1836 von Alois Meyer, 1851 von Josef Kruse (Klinkenhöfer) 3 Morgen und in demselben Jahr von Caspar Drüke 2 1/2 Morgen aus dem Verkauf der Ländereien des Unterhauses in Nordborchen (siehe Geschichte von Nordborchen S. 172).

Auf dem ursprünglichen und hinzugekauften Grundbesitz waren kleinere Lasten eingetragen, so für das fürstbischöfliche Domänenamt Neuhaus, für das Domstift 2 Hühner, für die Gemeinde Alfen alle 4 Jahre 1 Tlr. und für von Imbsen-Wewer Naturalzugzehnt von ¾ Morgen.
Konrad Leniger, Sohn des Joh. Georg Leniger, hatte aus seiner ersten Ehe mit Thersia Lüke eine Tochter Anna Maria Katharina. Bei der Schichtung vor der zweiten Heirat des Konrad Leniger wird dem Vorkinde ein ziemlich großer Vermögensanteil in bar und Aussteuer zugesichert; es erhält in bar 102 Tlr. 4 Schl. 3 Gr. Und außerdem "14 Tlr für den Fall, daß der nach Rußland mit der westfälischen Armee (1812) ausmarschierte Stiefbruder des Leniger, Anton Brodling, sein Kindesteil nicht erhalten sollte." (Diese Bemerkung zeigt, daß die Bevölkerung nach dem Winterfeldzug Napoleons I. in Rußland nach lange auf Rückkehr von Ausmarschierten gewartet hat.) Am 31.8.1860 erfolgt Vermögensübertrag von Konrad Leniger aus seinen Sohn Johann, der mit Katharina Pasel verheiratet war. Die Größe des Grundbesitzes in Alfen wird mit 16 Morgen 164 Ruten und 15 Fuß angegeben; desgl. in der Gemeinde Niederntudorf ca 8 ¾ Morgen.

Nach dem Tode ihres Bruders, des Schäfers Joh. Meinolf (+4.3.1886), will die alleinstehende, kränkliche Jungfrau Anna Maria Leniger (* 27.8.1863) der katholischen Kirchengemeinde in Alfen ihren gesamten Grundbesitz im Werte von 15.000 Mark zur Gründung einer Vikarie gegen eine Monatsrente von 450 Mark für die Stifterin übergeben; außerdem soll allmonatlich in der Alfener Kirche eine hl. Messe für die verstorbenen Familienmitglieder gelesen werden. (in der Gemeindechronik wird der Wert des Grundbesitzes mit 25– bis 28.000 Mark angegeben.) Am 18.5.1886 wurde der notarielle Vertrag zwischen der Kirchengemeinde und Anna Leniger abgeschlossen, jedoch bereits am 18.5.1886 von der Stifterin widerrufen. Am 21.6.1887 übertrug Anna Leniger im notariellen Vertrag der Kapellengemeinde ihr Haus Nr. 59 nebst Garten und einer Wiese von 1 ½ Morgen. Im Januar 1887 brannte das Haus Nr. 60 des Aloys Drüke-Pieps ab; er baute nicht wieder auf, sondern kaufte von der Kapellengemeinde das Leniger'sche Haus Nr. 59 mit Garten für 1150 Tlr.

Am 9.6.1891 übertrug Anna Leniger, die zu Paderborn und auch in Lippspringe wohnt, ihr Vermögen ihrer Freundin Josephine Wenzel, die in Vahlen Apotheke am Markt in Paderborn wohnte, gegen eine jährliche Rente von 3360 Mark; die Größe des Grundbesitzes in Alfen wird angegeben mit ca. 29 ¾ Morgen und in Niedertudorf mit ca. 11 ¼ Morgen. Am 8.6.1895 übertrug Josephine Wenzel das Leniger'sche Grundvermögen der Kapellengemeinde Alfen gegen eine jährliche Rente von 1140 Mark; ein Teil der Rente sollte nach ihrem Tode an ihre zwei Geschwister übergehen (Gemeindechronik).

Anna Leniger starb in Lippspringe am 28.7.1891 und Josephine Wenzel starb in Paderborn am 2.7.1925.

b) Schenkung Maria Becker:

Die Gründung der Pfarrei Alfen wurde ermöglicht durch die letztwillige Zuwendung der unverehelichten Maria Becker.

Der Hofname "Lütkenhof" kommt von einem früheren Besitzer Lüttecke. Johann Lüttecke und seine Frau Elsa Katharina bescheinigen 1752 und 1757, fünf Kapitalien zum Gesamtbetrage von 130 Tlr von Johann Dirk (Theodor) Schmidt-Meilschenmeyer erhalten zu haben. Besitzer des Kolonates war zu Anfang die vorigen Jahrhunderts Konrad Vollmari, dessen Erbtochter Theresia den Johann Becker 1824 heiratete.

Das etwas über 123 Morgen große Kolonat war in der Hauptsache eine domkapitularische Meierstatt, die früher aus zwei domstiftischen Huben bestanden hatte. Hinzu kam eine kleinere Abdinghofer Meierstatt. An das Domstift waren alljährlich 39 Schfl. Hafer, 8 Schfl. Roggen und 6 Schfl. Gerste heuerpflichtig zu liefern; Bemeierung erfolgte auf Lebenszeit; bei neuer Bemeierung Weinkaufs- und Schreibgelder. Dem Kloster Abdinghof stand eine jährliche Lieferung von 9 Schfl. Roggen 6, Schfl. Gerste und 18 Schfl. Hafer zur. Bemeierungs- oder Weinkaufsgelder sind zu zahlen beim Antritt eines neuen Meiers oder nach der Wahl eines neuen Abtes. Freiherr von Imbsen hatte den Natural- oder Fruchtzehnten von allen Ländereien und außerdem 3 Schfl. 2 Spint Hafer von bestimmten Parzellen. An die Pfarrkirche waren von den Hausstätte 1 Schfl. 3 Spint Roggen an "Sangkorn" abzuliefern und an die Gemeinde waren alle 4 Jahre 20 Gute Groschen und Weinkauf zu zahlen.

Die Heuerfrüchte an das Domkapitel sind anscheinend von den Kolonen nicht restlos abgeliefert. Nach Mitteilung des Domänen-Einnehmers Joh. Peter Vüllers gegen 1816 belief sich der Rückstand, in Geld umgerechnet, bereits auf 144 Tlr. 19 Gute Groschen und 8 Pfg., die zum Grundbuche angemeldet wurden. Für Konrad Vollmari führte von 1794 – 1823 wie bei anderen Alfener Kolonaten der Gerichtsschreiber Josef Strider in Salzkotten die Verwaltung des Lütkehofes. Am Ende der Verwaltung hatte Adolf Strider einen Vorschuß von 706 Tlr. 22 Groschen 6 Pfg. zu fordern, der indessen auf 600 Tlr. ermäßigt wurde, wie dieses bei anderen von Strider in Alfen geführten Verwaltungen ebenfalls geschehen war. Im Jahre 1826 trat Adolf Strider seine hypothekarisch gesicherten Forderungen gegen Alfener Kolonen an Freiherrn von Brenken auf Holthausen ab:

  1. Joh. Becker-Lütke: 600 Tlr.
  2. Liborius Becker-Gehlers:116 Tlr.
  3. Aloys Meyer-Lehnert:140 Tlr.
  4. Heinricht Nillies-Lüken:220 Tlr.
  5. Daniel Dransfeld-Ricken: 65 Tlr.

Im Übertragsvertrag vom 16.2.1824 zwischen Konrad Volmari und seinem Schwiegersohn Joh. Becker werden die Versorgung des übertragenden Vaters (Leibzucht) und der Geschwister der Erbtochter geregelt. Elisabeth, verheiratete Leniger, Johann und Liborius erhalten je 50 Tlr. und Aussteuer.

Johann Becker führte den Hof bis 1868. Am 17.10.1868 übertragen Joh. Becker und seine Frau Theresia geb. Vollmari ihren Söhnen Daniel und Hermann den Hof zum gemeinschaftlichen Eigentum, behalten sich aber lebenslängliches Verwaltung- und Nießbrauchsrecht vor. Aus der Ehe waren 8 Kinder hervorgegangen. Dorothea heiratete Joh. Nillies und Elisabeth Lorenz Thebille. Die minderjährigen Kinder waren Johann, Heinrich, Maria und Karl, denen das Zufluchtsrecht bis zu ihrem Zustandekommen im elterlichen Hofe gesichert war. Jedes Kind erhält 400 Tlr. in bar: diese Summe kann auf Verlangen der übertragenden Eltern um 200 Tlr. erhöht werden, die Söhne erhalten außerdem 12 Hemden und einen Koffer; für Maria wird neben der Barabfindung von 400 bzw. 600 Tlr. eine Aussteuer festgesetzt: Haspel, Spinnrad, 1 Kessel, 6 Teller, 1 Schüssel und 1 Vorleger, alles aus Zinn, 1 Bükeküben, 1 Bett. 1 Bettspann, 1 zweitüriger Kleiderschrank, 1 Koffer, 6 Stühle, 1 Tisch, 1 Kuh und 1 Rind.

Hermann und Daniel konnten sich bereits 1869 in der gemeinschaftlichen Führung des Kolonates nicht einigen; Daniel schied später aus und war 1883 Ackerwirt in Kirchborchen, dort gestorben am 15.2.1895. die Größe des Kolonates wird am 11.1.1869 mit 126 Morgen 73 Ruten und 15 Fuß angegeben. Am 8.12.1880 brannte die Scheune der Gebrüder Becker-Lütken ab, wobei ein Fohlen verbrannte. Am 3.10.1879 fand Joh. Becker-Lütken, 41 Jahre alt, unverheiratet, den Tod durch Überfahren durch eigene Pferde. Heinrich Becker starb am 23.1. 1884, Witwer von Maria Bockhoff. Er war im Kriege gegen Frankreich 1870/71 verwundet worden. Hermann Becker, der den elterlichen Hof bewirtschaftete, starb am 28.4.1904. karl Becker starb in Steele/Ruhr am 24.12.1906, seine Leiche wurde nach Alfen überführt. Maria Becker war nach dem Tode bzw. Abfindung ihrer Geschwister Besitzerin des Lütke'schen Hofes.

Am 12.12.1913 übertrug die unverehelichte Maria Becker Haus und Hof und ca 150 Morgen Land dem Franziskanerkloster in Paderborn mit der Bestimmung, daß auf dem elterlichen Grundbesitz ein Kloster und Erholungsheim für die Franziskanerstudenten entstehen solle; ebenso sollten die Franziskaner die Seelsorge in der Gemeinde übernehmen. Gegen die Übertragung des Becker'schen Vermögens an die Franziskaner erfolgte von keiner Seite Widerspruch. März 1920 erklärten die Franziskaner, daß sie das Vermächtnis nicht annehmen wollten und stellten es der Maria Becker wieder zur Verfügung. Maria Becker erkrankte schwer. Ein Nottestament wurde von dem Gemeindevorsteher Joh. Drüke (Nr. 57) am 15.3.1920 aufgenommen; Protokollführer war der Lehrer Schopohl, Zeugen: Maurer Josef Kruse (Nr. 32) und Landwirt Josef Lüke (Nr. 31). Maria Becker stellte ihr Vermögen der Kirchengemeinde zur Verfügung zur Errichtung einer Pfarrei und der Küsterstelle. Letztere soll dem jetzigen Lehrer und dann dessen Sohn übertragen werden; zur Küsterei sollen kommen: 1) die sämtlichen Gärten, 2) alle Wiesen und Weiden, 3) eine Ackerplan im Abeloh von 12 Morgen, Summa 28 Morgen. Am Tage nach der Errichtung des Testamentes starb Maria Becker. Das Inventar, darunter 3 Pferde, wurden zum 60.000 Mark (Inflationsgeld) verkauft." (Gemeindechronik)

Gegen dieses Testament, insbesondere gegen die Dotierung der Küsterei erhob sich Widerspruch in der Gemeinde, insbesondere auch seitens der Verwandten. Das Grundvermögen, das bereits an die Franziskaner aufgelassen war, stellten diese der Kirchengemeinde zur Verfügung, stellten dabei die Bedingung, daß der Wille der Erblasserin auch in Bezug auf die Küsterei ausgeführt werde. 1922 wird das baufällige Becker'sche Wohnhaus vom Kirchenvorstand an Familie Ewers vermietet. 1923 erfolgte eine Einigung zwischen der Franziskanern und dem Kirchenvorstand; das Generalvikariat in Paderborn soll über die Küsterfrage Entscheidung fällen; die Bischöfliche Behörde hielt nebenamtliche Küsterei für ausreichend. Darauf wird vom Franziskanerkloster die Becker'sche Stiftung dem Kirchenvorstand zur Verfügung gestellt; allerdings verpflichtet sich die Gemeinde, dem Kloster bei späterer Errichtung eines Erholungsheimes ca. 10 Morgen beim Buchenholz frei zur Verfügung zu stellen. 1924 war das alte Becker'sche Wohnhaus abgerissen und ein neues Pfarrhaus gebaut. Die mit der verstorbenen Maria Becker verschwägerten Familien Thebille und Nillies (Nr. 7) erhoben Einspruch gegen das Testament der Verstorbenen und beantragten Zuweisung von 12 Morgen Land "im Abeloh" für Familie Thebille bzw. 6 Morgen Wiese "Im Siecken" für Nillies. Das Kultusministerium stimmte bei der Genehmigung der Errichtung der Pfarrei Alfen zu, daß 12 Morgen unter den 7 Neffen Thebille und 6 Morgen Wiese unter den 3 Geschwistern Nillies aufgeteilt werden sollten.

Maria Becker, die große Wohltäterin der Pfarrgemeinde Alfen ist geboren am 23.2.1849 und starb in ihrer Heimat am 16.3.1920, nachdem sie tagsvorher das oben erwähnte Nottestament gemacht hatte.

Ihr Andenken wird ein gesegnetes sein!

Bau der Kirche und des Pastorats.

Wenden wir uns nun zu dem Neubau der Pfarrkirche in Alfen. Im Jahre 1856 war der Turm der alten Kirche bis zum Dach abgenommen, neuaufgeführt und mit Kreuz und Hahn geziert (Gemeindechronik). Aber das Gotteshaus genügte der gesteigerten Ansprüchen nicht mehr, und so wurde beim Generalvikariat am 29.2.1896 die Genehmigung zum Bau einer neuen Kirche in Alfen beantragt, die von der Bischöflichen Behörde vorläufig versagt wurde mit der Begründung, erst müsse die Kirchenerweiterung in Kirchborchen durchgeführt werden. Nach dem Weistum von 1304 war die Gemeinde Alfen zu ¼ der Bau- und Unterhaltunskosten der Pfarrkirche verpflichtet. Die politischen Gemeinden Alfen und Nordborchen zahlten für den Kirchenerweiterungsbau in Kirchborchen je 12.500 Mark. Dann wurde vom Bischöflichen Generalvikariat 1906 der Kirchenneubau in Alfen genehmigt. In Kirchborchen wurde der Erweiterungsbau 1906/07 fertiggestellt; Nordborchen hatte bereits 1902 seine neue zweitürmige Kirche erhalten. Da mußte doch Alfen auch eine neue, geräumige Kirche bekommen!

Wir wollen uns daran erinnern, daß die letzten 60 – 70 Jahre eine Periode der Kirchenneubauten und Erweiterungsbauten gewesen sind, wie es wohl noch niemals in der Geschichte des deutschen Volkes dagewesen ist. Im Kreise Paderborn sind 30(!) solcher Bauten entstanden, die aufzuzählen schon der Mühe wert ist. In der Stadt Paderborn: die Pfarrkirche Herz Jesu und St. Meinolf, die Rektoratskirchen St. Bonifatius und St. Georg, die Kirchen des Leokonviktes und der Schwestern der christlichen Liebe und der Vinzentinerinnen, dann Neubauten in Marienloh, Lippspringe, Altenbeken, Schwaney, Benhausen, Dörenhagen, Wewer, Neuhaus, Elsen, Sande, Hövelhof, Hövelsenne, Hövelriege, St. Achatiuskirche (Pfarrei Stukenbrock), Haupt-Ostenland, Westerloh-Lippling, Espeln, Steinhorst, Sudhagen, Westenholz, Kirchborchen, Nordborchen und Alfen.

Die alte Kirche in Alfen mußte nach der Anordnung des Provinzialkonservators erhalten bleiben, wie auch in Dörenhagen. Mögen bald auch, wie für die alte Kirche in Dörenhagen, anderweitig Mittel zur Restarierung der alterwürdigen Gotteshauses in Alfen bereitgestellt werden!

Im Weltkrieg wurde die alte Kirche als Kriegsgefangenenlager benutzt. Sie dient heute als kirchlicher Versammlungsraum.

In den Bau- und Kunstdenkmälern des Kreises Paderborn werden von Alfen aufgeführt:

  1. Taufstein im Renaissancestil von 1618, jetzt in der neuen Kirche,
  2. Pieta (schmerzhafte Mutter), spätgotisch, Holz, 0,96m hoch, jetzt in der neuen Kirche,
  3. Madonna, spötgotisch, aus Stein, 1,43m hoch, jetzt in der Mädchenschule,
  4. Kasten, gotisch, Holz, 54 1/2cm lang.

Unter den wenigen Messgewändern aus der Barockzeit ist ein schönes grünes zu erwähnen, das Heinrich Gerdicken im Jahre 1646 der Kapelle geschenkt hat.

Am 22.7.1906 wurde von Pfarrer Josef Sünkeler, dem tatkräftigen Förderer und Vollender der Kirchenbauten in Kirchborchen und Alfen, der Grundstein zur neuen Kirche in Alfen gelegt. Die Gemeinde Alfen wird dem genannten eifrigen Pfarrer ein dankbares Andenken bewahren; er starb nach kurzer Krankheit am 15.4.1910 im Alter von 55 Jahren und hat nur 5 Jahre in der Pfarrei Kirchborchen wirken können. R.I.P – Am 13.10.1907 konnte Landdechant Propst Franz Nacke dem neuen schmucken Gotteshause die kirchliche Benediktion erteilen, und am 20.5.1926 erfolgte durch Bischof Dr. Caspar Klein die feierliche Konsekration und dann Erteilung der hl. Firmung an 69 Firmlinge. Die neue Kirche ist erbaut zum Teil auf dem Gelände des früheren, 1900 abgebrannten Kersting'schen Hofes. Die Gesamtbaukosten betrugen 56.000 Mark, welche die politische Gemeinde bei der Kreissparkasse Paderborn entlieh. Große Förderer des Baus waren Vorsteher August Rören und Lehrer Josef Schopohl. Bauleitender Architekt war Franz Mündelein aus Paderborn, nach dessen Plänen auch die kirchlichen Neubauten in Kirchborchen und Nordborchen entstanden sind. Die Maurerarbeiten wurden dem zuverlässigen Unternehmer Clemens Kruse in Wewer übertragen, der aber verpflichtet wurde, Alfener Maurer beim Kirchenbau einzustellen. Die Gemeindechronik erwähnt als solche: Jos. Kruse (Nr. 32), Johann und Karl Tiemann (66), Franz Müller (48), Joh. Ahle und Jos. Kruse (91). Die Bruchsteine wurden am Kottenberge gebrochen und auf Geleisen zur Baustelle befördert. Die Zimmerarbeiten lieferte Meister Düchting aus Atteln.

Die Kosten der inneren Einrichtung werden in der Pfarrchronik mit 27.733 Mark angegeben, wo zu lesen ist:

"Wie sehr die Alfener für ihre Kirche begeistert waren, zeigte die Freigebigkeit, mit der sie Geschenke für die Kirche machten. Der Hochaltar, Kanzel, Beichtstuhl wurden von der Firma Schwebbenstedde in Wiedenbrück geliefert, die Orgel (16 klingende Register) von dem Orgelbauer Feith in Paderborn, die beiden Statuen St. Joseph und St. Antonius von Bildhauer Paschen; die Statuen Herz Jesu und Walburga stammen aus der Werkstatt Mündelein in Paderborn, Herz Mariä aus Wiedenbrück; die Montranz lieferte Goldarbeiter Fuchs aus Paderborn. Alle die Gegenstände wurden von Einzelpersonen geschenkt."

Die neue Kirche war mit Schiefer gedeckt, der leider nicht lange hielt. Schon 1922 war eine Neubedachung notwendig, die man aber dieses Mal nicht mit Schiefer, sonders mit wetterbeständigen silbergrauen Ziegeln ausführt. In denselben Jahre 1922 hatte die politische Gemeinde ein 20 Morgen großes Grundstück an die Firma Hugo Wolf für 180.000 Mark verkauft. Es war aber Inflationsgeld, und in Goldmark umgerechnet ergab sich ein Verkaufspreis von 7,20 Mark für den Morgen! Die spätere hundertprozentige Aufwertung von 5200 Mark wurde von den Gemeinde für die Ausmalung der Kirche zur Verfügung gestellt.

Im Jahre 1929 wurde für die Kirche von der Firma Leniger, Paderborn, eine Heizungsanlage geliefert, die mit Anlage eines Kellers, eines Luftschaftes und Kamins schon beim Neubau vorgesehen war. Im folgenden Jahre wurde der Hochaltar und einige Figuren von Kirchenmaler Biermann, Delbrück, polychromiert. Im Jahre 1932 wurde von einem unbekannten Wohltäter 4000 Mark für einen Herz-Jesu-Altar geschenkt, ferner vom Mütterverein die Figur der hl. Anna – angefertigt von Schnieders und Siebe in Wiedenbrück – und sodann Schenkung von 12 Messingleuchtern von zwei Wohltätern.

Die schöne Kirche in Alfen ist ein beredtes Zeugnis für den gläubigen Sinn und die Opferwilligkeit der Gemeindemitglieder.

Im Jahre 1924 wurde der Bau eine Pfarrhauses beschlossen. Um den notwendigen Platz zu gewinnen, mußten die alten, ziemlich baufälligen Bauten des früheren Becker'schen Gehöftes abgebrochen werden. Die opferwilligen Einwohner leisteten beim Abbruch, Ausschachten und Neubau mit wenigen Ausnahmen freiwillig Hand- und Spanndienstes. Zur Bestreitung der noch fehlenden Baukosten verkaufte die Gemeinde 5 Morgen Land im Tudorfer Felde für 5000 Mark. So bekam Alfen auch ein schönes, ansprechendes Pfarrhaus.

Durch Verfügung der Bischöflichen Behörde vom 4.4.1922 wurde in Alfen die Pfarrvikarie errichtet; erster Pfarrvikar war der bisherige Kaplan in Kirchborchen, der jetzige Pfarrer Josef Schröder. Nachdem durch Nottestament der Maria Becker von 1920 das Lütken'sche Kolonat mit bedeutenden Grundbesitz die Kirchengemeinde geerbt hatte, war die Errichtung der Pfarrei Alfen gesichert, die kirchlicher- und staatlicherseits genehmigt wurde, nachdem auch das Pfarrverhältnis zu Kirchborchen geregelt war. Zur Ablösung der Bau- und Reparaturlasten der politischen Gemeinde Alfen zur politischen Gemeinde Kirchborchen wurde letzterer 6 1/2 Morgen Land "auf dem alten Feld" aus der Leniger'schen Stifung übereignet. So wurde am 1.2.1925 Alfen zur Pfarrei erhoben, und Josef Schröder am 3 Adventssonntag als erster Pfarrer feierlich eingeführt. Das Pfarrhaus, vorher Vikariewohnung, ist 1925 gebaut; die Baupflicht hat hier wie bei der Kirche die politische Gemeinde.

Es mögen noch einige Schlußnotizen über den Friedhof folgen:

Bis 1876 diente, wie wohl in allen alten Gemeinden, der Platz um die Kirche als Gottesacker. Hunderte von Jahren sind hier die Vorfahren beerdigt, ein beherzigenswerter Gedanke beim Betreten des alten Friedhofs. Wahrscheinlich hat der Kirchhof den Vorfahren in den Zeiten der Not als Zufluchtsort gedient; ebenfalls ein beherzigenswerter Gedanke! Wie auf anderen Zufluchts-Kirchhöfen, so waren auch auf den Alfener ein oder mehrere Speicher gebaut; von den Speichern in der Kirche bzw. auf den Kichhöfen sprechen eindeutig die Borchener Weistümer von 1304 und 1370. Im Jahre 1839 wird mit ministerieller Genehmigung der baufällige Kapellenspeicher, der bis dahin vermietet war, für 48 Tlr. an die politische Gemeinde verkauft. In diesem Speicherhaus war ein Schullokal. Nach Erbauung der neuen Schule wurde das Speicherhaus abgebrochen und der Platz zum Kirchhof genommen. 1924 wurde der alte Kirchhof zu einem stimmungsvollen Ehrenmal für die 19 im Weltkrieg gefallenen Gemeindemitglieder gestaltet. Am 15.9.1876 wurde der unter Vorsteher Thebille beschaffte neue Friedhof durch Pfarrer Petri eingeweiht. Schon bald erhoben die Nachbarn Klagen, daß durch die Leichen ihr Brunnenwasser verdorben würde, die 1878 einen Prozeß gegen die Gemeinde anstrengten, der allerdings für sie ungünstig ausging, wie auch ein in zweiter Instanz von zwei Nachbarn angestrengter Rechtsstreit verloren ging.

Da der zweite Friedhof zu tief lag, so daß die Leichen bei steigendem Grundwasserstand im Wasser lagen und gesundheitliche Schäden durch das Brunnenwasser zu befürchten waren, erwarb die Gemeinde im Jahre 1927 von Ladeschaffner Ewers-Klinkenmeyer gegen Umtausch für die neuen Friedhof das geeignete Gelände auf der Höhe "am Heiligenwege".


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