Vorbemerkungen

Die "Geschichte von Alfen" stellt die letzte Arbeit des durch Herausgabe verschiedener heimatkundlicher Werke bekannten Prälaten Johannes Schäfers aus Paderborn dar (gest. 1941). Das Manuskript wurde im April 1940 beendet, anschließend bemühte sich der Verfasser sehr um die Drucklegung der Schrift. Die Kosten sollten sich für 300 Exemplare einschließlich der Einfügung von etwa 10 Bildern auf 1500 Mark belaufen. Verschiedene Alfener Familien hatten sich bereit erklärt, Zuschüsse zu den Druckkosten zur Verfügung zu stellen.

Die Genehmigung zur Drucklegung, die damals von der Reichsschrifttumskammer erteilt werden musste, wurde nach längeren Verhandlungen versagt, angeblich wegen der durch den Krieg hervorgerufenen Schwierigkeiten bei der Papierbeschaffung. Wie mir Herr Prälat Schäfers persönlich mitteilte, waren für die Ablehnung zwei andere Gründe maßgebend: einmal erregte es Anstoß, dass der Verfasser den schwarzen Rock trug, sodann war die starke Betonung des kirchlichen Einflusses auf die Entwicklung des Dorfes nicht erwünscht. (Wie "feinfühlend man damals in dieser Hinsicht war, dafür ein kleines Beispiel: Ein Bekannter vom Westf. Heimatbund gab nach Durchsicht der Alfener Heimatschrift dem Verfasser "aus nahe liegenden Gründen" den guten Rat, bei der Inhaltsangabe des 1.Kapitels nicht Bischof Meinwerk an erster Stelle zu nennen, sondern Kaiser Heinrich II. den Vortritt zu lassen !)

Prälat Schäfers verzichtete dann notgedrungen auf die Drucklegung, ließ aber, da er den Verlust des Manuskripts infolge der Kriegswirren befürchtete (wie sich später zeigte, mit vollen Recht), davon durch Maschinenschrift mehrere Exemplare herstellen. Diese übergab er verschiedenen Stellen zur Aufbewahrung: dem Kirchenvorstand, der politischen Gemeinde Alfen, dem Generalvikariat und dem Altertumsverein in Paderborn. Freundlicherweise überließ er ein Stück der Durchschrift auch Herrn Berufsschuldirektor Kruse in Dorsten und mir. Soweit ich feststellen konnte, sind in den letzten Wochen des Krieges sämtliche Exemplare bis auf die beiden zuletzt genannten vernichtet worden. Leider fehlt in den beiden noch vorhandenen Stücken das 7. Kapitel (vom Umbruch und Aufstieg der heimatlichen Landwirtschaft), das seinerzeit noch nicht vervielfältigt war und nachgeliefert werden sollte. Dieser Teil der Arbeit wird somit als verloren angesehen werden müssen.

Ich habe mein Exemplar zusammengeheftet und stelle es der Gemeinde Alfen zur Verfügung. Ich gebe dabei der Hoffnung Ausdruck, dass es sich bei günstigeren Zeiten vielleicht ermöglichen lassen wird, den Wunsch des Verfassers, seine Arbeit durch Druck allen Familien des Dorfes zugänglich zu machen, noch nachträglich zu erfüllen.

Das diesem Stück beigefügte Bild der alten Kirche entdeckte ich im Jahre 1938 durch Zufall im Archiv des Altertumsvereins in Paderborn. Es ist entstanden um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts und wurde gezeichnet durch den Gymnasiallehrer Franz Joseph Brand (gest, 1869 Paderborn) dem wir eine ganze Reihe von Darstellungen von Dörfern und Bauten des Paderborner Landes verdanken.

Herne, den 7. August 1948

Friedrich Becker


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