Zum Geleit

Ein glücklicher Zufall und gleiche Interessen ließen mich vor gut 45 Jahren die erste Verbindung zu Prälat Johannes Schäfers herstellen:

Er arbeitete an einer Geschichte von Alfen, und ich ließ mir von den ältesten Alfenern das Brauchtum des vergangenen Jahrhunderts erzählen. Daraus entwickelte sich dann ein enger Kontakt von Jahren, in denen ich Schäfers als Mensch und Forscher schätzen lernte. Ich möchte hier aus jener Zeit ein paar Erinnerungen festhalten.

Prälat Johannes Schäfers (1867 – 1941), ein geborener Paderborner, bekleidete im Generalvikariat ein Reihe hoher Kirchenämter. Neben seiner sicher umfangreichen Berufsarbeit fand er Zeit und Muße, sich seiner Neigung, historischer Forschung nachzugehen, zu widmen. So schreibt er selbst einmal über die Arbeit in seiner Freizeit : "War es der Hauch mittelalterlicher und nachmittelalterlicher Geschichte, war es Bauernblut in meinen Adern, was mich zum Forschen und Weiterarbeiten antrieb? In vielen Abend- und Nachtstunden habe ich mich in die Arbeit vertieft, die mehr und mehr unter den Händen anwuchs und die mir immer lieber wurde." So veröffentlichte er in der Paderborner Presse zahlreiche Einzeldarstellungen geschichtlicher Themen. Dazu erschienen im Druck seine Familiengeschichte und die Geschichte der Dörfer Nordborchen und Blankenrode, dem Geburtsort seiner Mutter. Als Mitgründer und langjähriger Dozent der "Wirtschaftlichen Frauenschule Mallinckrodthof" zu Nordborchen war er diesem Ort sehr verbunden.

Da fasste er im Alter den lobenswerten Entschluß, auch noch eine Geschichte der Gemeinde Alfen zu schreiben. Drei Jahre brauchte er für seine Forschungsarbeit (1936 – 1939), dann lag 1940 das Manuskript fertig vor. Für die Drucklegung – sie sollten sich bei einfachster Ausstattung für 300 Exemplare auf etwa 1500 Mark belaufen – hatte er bereits Spender gefunden. Aber die "Reichsschrifttumskammer Berlin" versagte aus "kriegs-bedingten Gründen" die Druckerlaubnis. Um die Erhaltung der Arbeit über den Krieg hinaus zu sichern, ließ Prälat Schäfers eine Anzahl Durchschläge mit der Schreibmaschine herstellen und deponierte sie an verschiedenen Stellen. Auch ich gehörte zu den Empfängern. Sie sind alle erhalten geblieben.

Noch ein paar Bemerkungen zu der Arbeit selbst! Der Leser kann nicht umhin, dem Verfasser immer wieder ein Lob auszusprechen für das, was er geschaffen hat. Wie viele Quellen entdeckte er und wertete sie aus! Was sollen wir mehr bewundern, seine umfangreiche Kenntnisse der mittelalterlichen Geschichte oder seine Fähigkeit, selbst die verwickelsten Eigentumsverhältnisse jener Zeiten auch dem Laien verständlich darzustellen. Die Alfener werden wohl die Kapitel 8 und 9 (von den Erbhöfen und den kleineren Hausstellen) besonders interessieren. Dazu arbeitete er die alten Akten des Paderborner Grundbuchamtes durch und berichtet über wertvolle Einzelheiten des jeweiligen Eigentums. Eine solche Aufstellung wäre heute unmöglich, da der größte Teil dieser alten Urkunden in den letzten Kriegstagen vernichtet wurde.

Das Glanzstück der "Geschichte von Alfen" ist das letzte Kapitel über das Leben und Wirken des Generalvikars J.H. Drüke (gest. 1844), der von Kerstings Hof stammte. Hier liefert Schäfers das Kabinettstück einer Kurzbiographie. In Alfen war bisher nur der Name bekannt und vielleicht noch die Tatsache, dass er der Gemeinde das erste Schulhaus schenkte. In meiner Jugendzeit hing sein gerahmtes Bild im Klassenzimmer, ohne dass uns aber über ihm etwas erläutert wurde. Die Alfener haben wohl allen Grund, Prälat Schäfers ein dankbares Gedenken zu bewahren!

Eine Merkwürdigkeit fällt bei dem Manuskript auf: Auf allen Durchschlägen fehlt das 11. Kapitel! Bemühungen, über den Titel und den Inhalt dieses Abschnittes etwas festzustellen, blieben ohne Erfolg. Vielleicht schafft da folgende Überlegung etwas Klarheit. Damals musste, wie schon erwähnt, für den Druck eines geschichtlichen Buches jedes Mal das Einverständnis der Reichsschrifttumskammer Berlin eingeholt werden. Um dort sicherzugehen, legte Prälat Schäfers vorher seine Arbeit dem Beauftragten des "Kulturamtes für das Paderborner Land" vor. Dieser begrüßte in seinem Antwortschreiben, das noch erhalten ist, die "Geschichte von Alfen", zumal er noch eine weitläufige Verwandtschaft seiner Frau zur Familie des Generalvikars feststellt. Dann fährt er wörtlich fort: "Als Schlusskapitel müsste wohl unbedingt der sogenannte Umbruch berücksichtigt werden, das ist die Zeit nach 1933. Hierauf wird im allgemeinen größten Wert gelegt." Es ist möglich, dass Schäfers dann – notgedrungen – ein Kapitel über die Lage des Bauerntums im "Dritten Reich" eingefügt hat, es aber wieder entfernte, als ihm die Drucklegung dennoch versagt blieb.

Der "Geschichte von Alfen" ist in diesem Exemplar ein "Anhang" beigefügt, der heimatgeschichtliche Berichte bringt, "die so am Wege lagen". Auf den Bildseiten erscheinen etliche Stücke, die den Vermerk "Brand" tragen. Es sind Kopien von Zeichnungen, die der Paderborner Gymnasiallehrer Franz Josef Brand (1790 – 1869) um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts in großer Zahl von Paderborn und dem Paderborner Land herstellte. Die wertvollen Zeichnungen ruhen heute in mehreren Mappen im Archiv des Altertumsvereins Paderborn. Ich erinnere mich noch lebhaft, mit welcher Freude ich dort 1920 das schöne Bild der "Capelle der heiligen Walburgis zu Alfen" entdeckte. Die jüngeren Fotos der Bildseiten, die keine Jahreszahl tragen, entstanden insgesamt in den Jahren 1915 – 1935.

Ich habe im Fotokopierverfahren etliche Bände wie der vorliegende herstellen lassen. Sie sollen meine Kinder, Enkel, und Urenkel an das Fleckchen Erde erinnern, auf dem ich meine glücklichen Jugendjahre verlebte.

Allen, die mir bei der Zusammenstellung dieses Buches mit Rat und Tat halfen, herzlichen Dank!

Herne-Holthausen, im Mai 1984

F. Becker


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