Kapitel 1: Aus Alfens Frühzeit

  • Kaiser Heinrich II., der Heilige, und Bischof Meinwerk von Paderborn,
  • Schenkung des Kaisers Konrad II, Alfen, dompropsteiliches Lehen.
  • Kloster Abdinghof, Stift Busdorf und Damenstift Böddeken.
  • Die Adelsgeschlechter von Etteln, von Brenken, von Schelle und von Büren.
  • Abpfarrung von der Marktkirche in Paderborn.

Wie bei anderen Gemeinden hat der Schreibname im Laufe der Zeiten verschiedene Veränderungen erfahren. Zuerst finden wir im 11. Jahrhundert "Alflaan", dann "Alfnon" und "Alfnen" und zuletzt "Alfen".

Das Dorf hat sich wahrscheinlich aus dem fürstbischöflichen Hofe an der Alme, dem Amtshof "Klinke" entwickelt. Alfen gehörte zum Padergau, später bis zur Aufhebung des Fürstbistums Paderborn 1802 zum Küchenamt Neuhaus des unterwaldischen Distrikts. Zu diesem Küchenamt gehörten die vier Pfarreien der Stadt Paderborn, dann Dahl, Dörenhagen, Elsen, Hövelhof, Kirchborchen, Wewer, Lippspringe, Neuenbeken mit Marienloh, Neuhaus und Stukenbrock. Die heutige Diözese ist seit 1821 in Dekanate eingeteilt, in der fürstbischöflichen Zeit dagegen in Archidiakonatsbezirke; Kirchborchen mit Alfen und Nordborchen gehörten zum Archidiakonatsbezirk des Paderborner Dompropstes.

Die erste urkundliche Nachricht über Alfen stammt aus dem Jahre 1031. Bischof von Paderborn war damals Meinwerk oder Megienwerk aus dem Edelgeschlechte der Immedinger, vorher Hofkaplan bei dem heiligen Kaiser Heinrich II., der den reichbegüterten Meinwerk zum Oberhirten der Paderborner Kirche machte, damit er durch Zuwendung seiner reichen väterlichen Besitzungen das Bistum stützte. Bischof Meinwerk ist als der zweite Gründer der Paderborner Kirche anzusprechen, Erbauer eines neuen Domes, der Bartholomäuskapelle, der Alexiuskapelle und eines bischöflichen Palastes. Er ist der Gründer des Benediktinerklosters Abdinghof und des Kollegiatstifts Busdorf . Der eifrige, für das Wohl seines Bistums so besorgte Bischof verwendete nicht nur sein väterliches Vermögen zur Dotation seines Sprengels, sondern erhielt auch von Kaiser Heinrich II. manche Güter geschenkt und legte so den Grund zur weltlichen Herrschaft der Paderborner Bischöfe. Meinwerk, dessen Gebeine bis zur Säkularisation (1803) im Kloster Abdinghof ruhten und jetzt in der Busdorfkirche sind, war Bischof von Paderborn von 1009 bis 1036.

Heinrich II. (gest. 1024) war der letzte deutsche Kaiser aus dem Stamme der Sachsen. Ihm folgten die saalischen oder fränkischen Kaiser, deren erster Konrad II. (1024 – 1039) war. Bischof Meinwerk stand auch diesem Kaiser nahe, der nach dem Beispiel seines heiligen Vorgängers auch der Paderborner Kirche Schenkungen zuwendete.

Am 20.1.1031 machte Kaiser Konrad II. der Paderborner Kirche eine Schenkung, die in einem längeren Regest (Auszug) im Westfälischen Urkundenbuch II (Nr. 967) abgedruckt ist.

Mit Zustimmung und auf Bitten seiner Gemahlin Gisela und seines Sohnes Heinrich, des späteren Kaisers Heinrich III, schenkte der Kaiser der Kirche von Paderborn zu Ehren der Gottesmutter Maria und des heiligen Märtyrers Kilian (Bischof von Würzburg und Kampatron von Paderborn) sowie des Bekenners Christi, des heiligen Liborius, wegen der Verdienste des Bischof Meginwerk (Meinwerk), die Güter zu Alfen (Alfaan) und Etteln (Etlingen) im Padergau in der Grafschaft Amulungs, welche er, der Kaiser, vom Grafen Bernhard und seiner Schwester Hazecha geerbt hatte. Er schenkte diese Güter mit allen Zubehörungen und mit allen Erträgnissen, welche aufgezeichnet sind oder auf irgendeine Weise namhaft gemacht werden können, mit allen Eigenbehörigen beiderlei Geschlechts, mit Scheunen, Gebäuden, Äckern und Feldern, mit bebauten und unbebauten Ländereien, mit Wiesen und Weiden, mit Wäldern und Jagdgerechtsamen, mit Gewässern und Wassergefällen, Fischereirecht, Mühlen und Stauanlagen, mit Wegen und Stegen, mit allen allen Einkünften, die schon bekannt sind oder noch nachgeforscht werden müssen.

Die Paderborner Bischöfe hatten ein gemeinschaftliches Leben im Domkloster nach den Regeln des Bischofs Chrodegang von Metz geführt. Unter Meinwerk begann die Auflösung des klösterlichen Lebens und Aufteilung der bis dahin gemeinschaftlichen Güter. An der Spitze des Kapitels standen (und stehen auch heute noch) Dompropst und Domdechant. Bei der Aufteilung der Güter der Paderborner Kirche erhielt der Dompropst Alfen und der Domdechant besondere Einkünfte aus Etteln. Wie wir noch sehen werden, war bis zur Säkularisation der adelige Hof "Zur Klinke" in Alfen dompropsteilische Lehen, mit dem später die von Krewet in Verne und dann die von Imbsen in Wewer belehnt wurden, und die durch die Belehnung mit dem Klinkenhofe auch in den Genuß des so ausgiebigen Naturalzugzehnten, d. h. des 10. Bundes von allen geernteten Früchten, kamen.

Es ist anzunehmen, daß Bischof Meinwerk aus der reichen Schenkung des Kaisers Konrad II. auch seiner Lieblingsstiftung, dem Benediktinerkloster Abdinghof einige Zuwendung an Besitz in Alfen gemacht hat. Papst Eugen III. hat 1146 diesen Besitz dem Kloster Abdinghof ausdrücklich bestätigt und 1182 erneuerte Papst Lucius III. die Urkunde seines Vorgängers Eugen.

Auch das Alfen ziemlich nahe gelegene Fräuleinstift Böddeken, gestiftet um 837 vom heiligen Meinolf auf seinen väterlichen Besitz – seit 1409 Kloster der Augustiner Chorherren, besaß zu Beginn des 13. Jahrhunderts einen Meierhof in Alfen. Die Äbtissin Jutta von Böddeken verkaufte aus Geldnot am 21.6.1238 diesen Hof, der frei von Abgaben an den Klostervogt war, für "9 Mark gesetzmäßiger Denare" dem Stift Busdorf, nachdem die Stiftsfräulein von Böddeken anderen adeligen Lehnsträgern ihres Klosters den Besitz in Alfen vergeblich zum Kaufe angeboten hatten. Fürstbischof Bernhard IV., Edler Herr zur Lippe ( 1228 – 1247), das Domkapitel und das Kapitel zum Busdorf stimmten dem Kaufe zu. – Kloster Böddeken hat seit den Verkauf keinen Meierhof in Alfen mehr gehabt. Dagegen ist Stift Busdorf, wenn auch nur in ganz mäßigem Umfange, in Alfen Grundherr bis zur Säkularisation gewesen, wie wir später noch sehen werden.

In späteren Zeiten wird noch einmal Stift Busdorf beziehungsweise ein Kanonikus dieses Stiftes als Käufer erwähnt. Nach einer Urkunde im Staatsarchiv Münster kaufte 1464 der Kanonikus Lysen zwei Güter in Nordborchen und Alfen, die zwei Bauern in Meierstatt bebauten, wahrscheinlich für das Kollegiatssstift Busdorf, das ja auch in Nordborchen Grundherr war.

Das Geschlecht der Ritter von Etteln hatte auch in Alfen Besitzungen. Nach einer Urkunde des Benediktinerinnenklosters Gehrden (Kr. Warburg) verkaufte am 17.5.1309 der Knappe Volkmar von Etteln mit Zustimmung seines Bruders, des Priesters Konrad, seiner Frau Alheidis und seiner Kinder seine zu Alfen gelegene Mühle dem Kloster Gehrden. – Dieser Kauf scheint aber nicht zustande gekommen zu sein. Nach einer Abschrift des verstorbenen Pfarrer Dr. Mertens – Kirchorchen aus dem Archiv Epernburg verkaufte Konrad von Etteln am Mittwoch vor Pfingsten 1341 den freien Hof und die Mühle zu Alfen an Friedrich von Brenken. Konrad von Etteln, Priester, hatte von seinen Brüdern Menko und Volkmar gegen 120 Mark deren Anteil am gemeinsamen Hofe in Alfen am Sonntag Laetare 1325 in Pfand erhalten. Da augenscheinlich das Pfand nicht eingelöst wurde, konnte Konrad als Alleinbesitzer 1341 den Kauf mit Friedrich von Brenken tätigen.

Unter den von dem verstorbenen Pfarrer Dr. Mertens angefertigten Abschriften – der als Geschichtskenner hochgeschätzte Priester hat viel Material für eine Geschichte seiner Pfarrei gesammelt, aber diese Geschichte nicht mehr geschrieben – findet sich weiter aus dem Archiv Erpernburg ein Kaufbrief über diesen Hof in Alfen, der der Schellenhof heißt, "den jetzt Cuerd (Konrad) Stuke baut", zwischen den Rittern Cord und Albert Schelle am St. Urbanstag 1358.

Auch die Edelherren von Büren haben in Alfen Besitzungen gehabt. Nach einer Erpernburger Urkunde erteilt der Knappe Heinrich von Büren am 7.5.1407 der Tochter des Heinrich Salemen (Salmen) zu Alfen einen Freibrief und entlässt sie aus der Eigengehörigkeit.

Von den Herren von Brenken sind noch einige Urkunden auf Erpernburg erhalten, zumal diese freiherrliche Familie als Grundherr für Alfen eine immer größere Bedeutung erlangte, wie wir noch sehen werden.

Am 13.12.1409 nahmen Friedrich Raven und Friedrich Reineke von Brenken von "den Geistlichen Jungfrauen in der Gokirche" (Benediktinerinnen) ein Darlehen von 70 Mark auf, sie verschrieben dem Kloster unter Zustimmung Bertholds von Büren, ihres Lehnsherren, aus ihrem Hofe zu Alfen, den "Albert der Kahle" baut, 7 Malter Korn.

1515 am "Tage der elftausend Jungfrauen" (St. Ursula und ihre Gefährtinnen) erwirbt Volkar von Büren von Friedrich von Spiegel eine Hube Landes (ca. 30 Morgen) im Alfener Felde, davon "Hinseken Bode sine Lifttucht anhat".—Bald darauf wird bescheinigt, daß die von Brenken in Alfen drei Höfe besitzen, von denen einer "der freie Hof" heißt.

Ob in Alfen ein Adelsgeschlecht bestand, ist nicht sicher nachweisbar. Jedoch finden wir im Westfälischen Urkundenbuche zweimal einen Johannes und einen Gerhard von Alfnen. Im Jahre 1217, dem ersten Jahre, als Honorius Papst war, nötigte Abt Albert von Abdinghof durch Androhung des Kirchenbannes den Villicus (Amtmeier) Johannes von Molenhusen in "Storenbroke" (Stormbruch, unweit Brilon und südwestlich von Padberg), der die ihm übergebenen Gelder veruntreute und die Einkünfte des Gutes drei Jahre dem Kloster vorenthalten hatte, auf das Amt des Amtmeiers zu verzichten, das dem Walter von Medebach übertragen wird. Letzterer verspricht unter Eid und unter Strafe der Exkommunition, daß er pünktlich die Gefälle abliefern werde. Unter den meistens adeligen Vermittlern zwischen dem Kloster und dem ungetreuen Amtmeier von Molenhusen wird auch Gerhard von Alfen aufgeführt (Westf. Urkundenbuch IV Nr. 71).

Am 22.5.1265 bekundet Rudolf, Vogt von Geseke, als Lehnsherr die Schenkung eines Hofes in Velmede bei Geseke seitens des Soester Bürgers Gottschalk von Horhusen an das Ziserzienserkloster Bredelar. Unter den Zeugen wird aufgeführt, allerdings ohne jede nähere Bezeichnung, aus der man etwa auf ritterlichen Stand schließen könnte, Johannes von Alfen (Westf. Urkundenbuch VII Nr. 1187).

Als Kaiser Konrad II. im Jahre 1031 den Besitz von Alfen und Etteln der Paderborner Kirche schenkte, waren die Einwohner von Kirchborchen, Nordborchen und Alfen zur Marktkirche in Paderborn eingepfarrt. Bischof Meinwerk gestattete wegen der weiten Entfernung von Paderborn, daß die Einwohner von Südborchen auf dem von ihm geschenkten Landgute eine Holzkirche bauten, die im Jahre 1043 von Wolfgang, dem zweiten Abte des Klosters Abdinghof, durch eine steinerne Kirche in Südborchen, etwa in der Gegend der heutigen Gallikapelle, ersetzt wurde. Nachdem Südborchen als Dorfsiedlung aufgegeben war, verfiel die dem hl. Gallus geweihte Pfarrkirche. 1268 wird Kirchborchen Pfarrdorf mit der dem hl. Michael geweihten Pfarrkirche. Die Dörfer Kirchund Nordborchen und Alfen waren so von Bischof Meinwerk von der Markkirche in Paderborn abgepfarrt und bildeten die Pfarrgemeinde Borchen. Nach dem Borchener Weistum von 1304 hatten die beiden Filialdörfer Alfen und Nordborchen bereits 1304 eigene Kapellen. Die Bedeutung der Michaelskirche in Kirchborchen als Festungskirche, sowie die Entwicklung der kirchlichen Verhältnisse in Alfen werden in nachfolgenden Abschnitten besprochen werden.

Überblicken wir die geschichtlichen Zeugnisse über Alfens Frühzeit, so müssen wir gestehen, es ist kein lückenloses, klares Bild der Entwicklung gegeben worden, konnte aber auch nicht gegeben werden. Wieviele Dokumente mögen durch Brand oder in Kriegszeiten oder durch menschliche Kurzsichtigkeit verloren gegangen sein? Wieviel ist überhaupt nicht aufgeschrieben worden? Die Kunst des Schreibens und Lesens wurde damals fast ausschließlich nur von Geistlichen verstanden. Einige wenige schriftliche Zeugnisse mögen sich noch in unerforschten Archiven finden. Was bisher gefunden und zum Teil veröffentlicht ist, haben wir im Vorstehenden gebracht und glauben, mit dieser dürftigen Auslese dem Alfener Heimatfreund einen kleinen Dienst erwiesen zu haben.


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