Kapitel 2: Aus harten Kriegszeiten

  • Die Hünengräber bei Gellinghausen.
  • Die Borchener Weistümer von 1304 und 1370.
  • Fehden und Faustrecht. Die große Soester Fehde.
  • Kriegsunruhen in der Zeit der Reformation.
  • Der dreißigjährige und der siebenjährige Krieg.
  • Freiheits- und die nachfolgenden Kriege.

Ein gewaltiges Denkmal aus vorgeschichtlichen Kriegszeiten haben wir in den "Hünengräbern" bei Gellinghausen, nicht allzu weit von Alfen, deren Vorbefestigung noch in das Ritterholz einstens hineinragten. Diese Hünenburg ist eine der größten Volksburgen Deutschlands. Die Wallburg liegt auf dem Bergrücken zwischen den Tälern der Altenau und des Burgdahls, ist nach zwei Seiten durch jäh abfallende Berghänge geschützt, zerfällt in drei mit Wall und Graben umwehrte Anlagen und ist durch mehrere, ehemals stark befestigte und in Steinmauerwerk teilweise ohne Mörtel aufgeführte Tore zugänglich. Die ganze Befestigungsanlage auf Bergeshöhe war zudem noch durch einen Riesenwall im Vorfelde geschützt. Das dieses Vorgebiet umfassende Gelände weist allein ca. 144 Morgen auf! Ebenso sind noch kleine, sehr starke Vorbefestigungsanlagen heute noch vorhanden. Die beiden Hauptbefestigungszentren haben eine Grundfläche von 8.600 Quadratmetern und 23.500 Quadratmetern =32.100 Quadratmeter = ca. 13 Morgen. Die Wälle in ihrer Gesamtlänge bis 1.200 Metern erheben sich bis zu 5,25 Metern über das Gelände. Der Höhenunterschied zwischen der Grabensohle und der Krone des Walles beträgt auch heute noch an einer Stelle 10 Meter, an anderen Stellen 8,20 – 6 Meter. Jedenfalls war in den Zeiten der Entstehung die Wallkrone höher und die Grabensohle erheblich tiefer, da letztere im Laufe der Jahr-hunderte durch das her abfallende Laub des Buchenwaldes usw. ausgefüllt ist. Nach den Forschungsergebnissen der besonderen Kommission des Westfälischen Altertumsvereins, niedergelegt im Atlas vor- und früh geschichtlicher Befestigungen in Westfalen (Münster i. W. 1920) ist "der Umfang der gesamten Arbeiten ein so gewaltiger, etwa 100.000 cbm Erdbewegung, daß bei den mangelhaften Hilfsmitteln der Vorzeit und angesichts des felsigen Bodens eine lange Reihe von Jahrhunderten für die Fertigstellung des Ganzen angenommen werden muß".

Wer hat das staunenerregene Werk geschaffen? Die Geschichtswissenschaft kann bis heute keine eindeutige Antwort geben. Nach neueren Funden nimmt man jetzt wohl an, daß das Kernstück der Gellinghäuser Hühnengräber in der Bronzezeit (2.000 bis 1.000 vor Christus) entstanden ist und die anschließenden Befestigungsanlagen in späterer Zeit hinzugekommen sind. Jedenfalls ist anzunehmen, daß die Hünengräber in geschichtlicher Zeit in der Völkerwanderung, in den Kämpfen Karls des Großen gegen unsere Vorfahren, die alten Sachsen, als Volks- oder Fliehburg benutzt worden sind. In der Zeit drohender Gefahr brachten die Bürger der Umgegend, also auch von Alfen, ihre Familien und die bewegliche Habe dorthin in Sicherheit, um alles gegen den Angriff der Feinde zu verteidigen.

Das Volk staunte über die großen Befestigungsanlagen, und die Volksdichtung erzählte bald, daß alles ein Werk der Hünen oder Riesen in alters-grauer Vorzeit sei und gab ihm den Namen "Hünengräber". Eine weitere vorgeschichtliche Volks- oder Fliehburg haben wir in der "Hünenburg" auf dem Hahnenberg (wohl entstanden aus Hunenburg) bei Brenken. Vielleicht ist auch die "Imbsenburg" im Walde zwischen Alfen und Wewer eine vorgeschichtliche Befestigungsanlage.

In geschichtlicher Zeit, besonders seit König Heinrich I. (919-936) sehen wir in Deutschland die Städte entstehen, umwehrt mit Mauern, Wall und Graben, die gegen eindringende Feinde den Bewohnern und Flüchtlingen aus der Umgebung genügend Schutz gaben. In Paderborn haben wir noch die Reste der mittelalterlichen Befestigung an Stadttürmen, Mauern und früheren Wällen. Die Paderborner Feldflur war gegen Feinde geschützt durch Wall, mit Dornhecke bepflanzt, Graben und Warttürmen, von denen die Reste der Haxter Warte und die Pamelsche Warte heute noch erhalten sind.

Wohin sollten aber die Bauern in ihren offenen Dörfern ihre Familie und bewegliche Habe in Sicherheit bringen? Domkapitular Dr. Völker, Paderborn, legt in einer Abhandlung in der Zeitschrift des Altertumsvereins 1937 dar, daß in den Dörfern befestigte Kirchhöfe, der Kirchturm, ja sogar die Kirche dem Zwecke der Sicherung der beweglichen Habe gedient haben.

Schon früh finden wir, daß die Kirche in Notzeiten die Unterbringung der beweglichen Habe in Gotteshäusern und auf Kirchhöfen zuließ, deren Unverletzlichkeit im Glauben des Volkes fest verankert war. Die Kirchhöfe wurden noch dazu vielfach mit einer festen Mauer umgeben und boten so Schutz gegenüber eindringenden Feinden.

Über die Einrichtung einer solchen Schutzanlage handelt das erste Borchener Weistum vom 4.7.1304. Der Abt vom Abdinghof mit den übrigen Grundherren schließt in Gegenwart des Bischöflichen Offizials mit den Kolonnen des Kirchenspiels Borchen einen dahingehenden Vertrag ab.

Der Abt erklärt sich bereit, in den Zeiten der Not seine Erlaubnis zu geben, daß jeder Meier in der Kirche abgabefrei einen Kleiderkasten aufstellen kann. Die Hälfte der Kirche ist den Kolonen aus Kirchborchen vorbehalten, während die andere Seite der Kirche je zur Hälfte Alfen und Nordborchen zustehen soll. Jeder Meier darf zudem einen zweiten Kasten zur Aufnahme von Brotgetreide aufstellen, muß dafür aber je nach Zahl der Malter des hineingeschütteten Getreides je 1 Pfennig für die Kirche zahlen. Damit Raum genug im Gotteshause auch für den sonntäglichen Umgang, der bei Regen in der Kirche geschah, bleibe, müssen die Getreidekästen falls nötig, im Turm, auf dem Kirchenboden oder auf dem Kirchhof aufgestellt werden. In Kriegs- und Fehdezeiten mußten die Getreidekästen aus dem Turm in den Kirchhof gebracht werden, damit die Meier ihre Pferde wenigstens zum Teil im Turm in Sicherheit bringen konnten. Ferner erklärt sich der Abt bereit, die Erbauung von Speichern auf dem Kirchhof gegen bestimmte Abgaben den Kolonnen zu erlauben. Die eingenommenen Beträge sollten zur Hälfte an die Kirche in Kirchborchen, je zu einem Viertel nach Alfen und Nordborchen für deren Filialkapellen kommen. Die drei Kirchspieldörfer übernehmen dafür Bau- und Kulturkosten für die Pfarrkirche, und zwar Kirchborchen die Hälfte, die zwei anderen Dörfer je ein Viertel und erhalten dafür für die Zeit der Not das Zu fluchts-recht an der Pfarrkirche und am Kirchhof.

Das zweite Borchener Weistum von 1370 behandelt denselben Gegenstand, allerdings in etwas abgeänderter Form.

Die Neuregelung geschieht mit aus drücklicher Genehmigung des bischhöflichen Offizials und des dompropsteilichen Archidiakonatsgerichtes. Im Weistum von 1370 wird jedoch auch den Köttern das Zu-fluchtsrecht in Kirche und auf den Kirchhof eingeräumt. Die Kleiderkästen von 1303 werden nicht mehr erwähnt, sondern nur Getreidekästen, beim Kolonen 4-5 Malter fassend, beim Kötter jedoch nur 1-2 Malter. Abgabepflicht von je 1 Pfennig für 1 Malter Korn bleibt bestehen. Auch vom Unterbringen der Pferde im Kirchturm ist keine Rede mehr. Auf dem Kirchhofe dürfen mit Genehmigung des Abtes gegen bestimmte Abgaben von den Kolonen und Köttern Speicher erbaut werden. Es wird ausdrücklich betont, daß die Einwohner keinen rechtlichen Anspruch auf Getreidekästen und auf Speicher auf dem Kirchhof hätten. Es ist auffallend, daß im Weistum von 1370 von dem Zufluchtsort der Alfener Meier und Kötter an der Pfarrkirche und am Kirchhof keine Rede ist. Da aber Alfen das Recht auf ein Viertel der Einkünfte von den Getreidekästen und Speichern für ihre St. Walburga-Kapelle gewahrt bleibt, ist wohl anzunehmen, daß aus Versehen Alfen nicht erwähnt ist, es sei denn, daß die Einwohner von Alfen die eigene Kirche mit Kirchhof zu einer Befesti-gungsanlage geschaffen hätten, und letzteres ist wohl anzunehmen.

Wie groß muß doch die Kriegsnot und die Unsicherheit damals gewesen sein, daß Steinkirchen mit umwehrten Kirchhof zu einer Zufluchtsstätte gemacht wurden !

Weshalb waren in der Zeit des Hochmittelalters befestigte Kirchhöfe und Kirchfestungen zur Sicherung der beweglichen Habe der Einwohner notwendig ?

Die Fürstengewalt in den einzelnen Territorien war noch nicht so erstarkt, daß den Urteilssprüchen der Gerichte der notwendige Nachdruck verliehen werden konnte. Auch bestand noch kein ordentliches Gerichtswesen. Deshalb griff jeder, der sich beleidigt oder benachteiligt fühlte, nach altgermanischer Anschauung zur Selbsthilfe, zum Faustrecht. Er sagte dem Gegner die Fehde an, schickte ihm den Fehdebrief zu, und der Fehdekrieg begann. Jeder suchte seinem Gegner möglichst viel Schaden zuzufügen durch Wegtreiben des Viehs, Verwüsten der Häuser und Felder nicht nur des Gegners, sondern auch dessen Eigenbehörigen und Kolonen.
Das mittelalterliche Sprichwort sagte: "Ruten, roven, dat is ghein Schande, dat doynt die besten von dem Lande". ("Reiten und Rauben ist keine Schande, das tun die Besten in dem Lande"). Nach mittelalterlichem Sprachgebrauch hat hier aber "Rauben" nicht die heutige Bedeutung, der gewaltsamen Wegnahme fremden Eigentums, sondern "Rauben" ist im Mittelalter: wegtreiben, wegtragen, nämlich das dem Fehdegegner gehörende Vieh, beweglichen Eigentums usw. . Die Bezeichnung "Raubritter" ist demnach nicht in dem heute noch vielfach gebräuchlichen verächtlichen Sinne zu sehen. Aber es gab nicht nur "Raubritter", sondern auch "Raubbürger" und "Raubbauern", indem auch Bürger und Bauern in der Zeit schwacher Fürstengewalt zur Selbsthilfe der Fehde, zum Faustrecht griffen. Daß bei diesen Fehden auch Gewalttätigkeiten und Über griffe gegen unbeteiligte Leute vorkamen, ist wohl selbstverständlich. Von dem Fehderecht machten Landesfürsten, auch geistliche Landesherren, Domherren und Kleriker vielfach Gebrauch.
Oft wurden auch strittige Angelegenheiten durch einen Vergleich beigelegt. – Erst mit dem Erstarken der Fürstengewalt hörten allmählich die Fehden auf. (Siehe hierzu: "Beiträge zur Geschichte vom Faustrecht und Fehdewesen in Westfalen" von Klocke in der Zeitschrift des Westf. Altertums-vereins 1938).

Führen wir uns einige Fehden des 14. und 15. Jahrhunderts vor, die für unsere Gegend von Bedeutung gewesen sind. Bessen, Geschichtsschreiber des Bistums Paderborn sagte darüber:

"Die Ritter Arnold von Brenken und Wennemar von Fürstenberg zu Waterlappe (bei Neheim-Ruhr) führten miteinander eine Fehde. Arnold wurde geschlagen und flüchtete mit seinen Leuten in des Kanonissenstift Böddeken. Wennemar belagerte ihn 1370 und verwandelte das Stift und die Kirche in einen Aschenhaufen, ersetzte aber die Schäden und verpflichtete sich unter anderen dazu, künftig dergleichen Zwistigkeiten rechtlich vor dem Bischof abzumachen." – Ob Alfen bei dieser Fehde Fürstenberg-Brenken Schaden gelitten, ist wohl anzunehmen, da v. Brenkensche Kolone in Alfen wohnten.
Für das Hochstift Paderborn war im 14. Jahrhundert die verderblichste Fehde die Padberger oder Bengeler Fehde, die 12 Jahre lang überall Furcht und Schrecken verbreitete.

Sie heißt die Padberger Fehde, weil an der Spitze des Fehderitterbundes der Graf Friedlich von Padberg stand. Da die dem Bunde angehörenden Ritter als äußeres Zeichen einen silbernen Stab oder Bengel trugen, hießen sie die Bengeler. Fürstbischof Simon II., Graf von Sternberg (1380-1389), vertrieb die ihm zu mächtig gewordene Familie von Brobecke aus dem Hochstift, starb aber bei der Belagerung der Stammburg der Brobecke im Walddeckschen an den Folgen eines Pfeilschusses. Auf der Seite des Bischofs standen die fehdelustigen Ritter Bert-hold von Natzungen, Gerd von Spiegel und Gyso von Calenberg. – Den bedrängten Rittern von Brobecke entstanden Helfer in den Rittern des Bengelerbundes. Das Augustinerinnenkloster Dalheim wurde niedergebrannt, die Ortschaften des Sintfeldes zum großen Teil verwüstet. Unter dem nachfolgendem Bischof Ruprecht, Herzog von Jüling- Berg, entflammte die Fehde von neuem. Von der Burg Fürstenberg unternahmen die Bengeler Raub- und Plünderungszüge in das Hochstift. Ihre Gegner waren besonders der Fürstbischof und das Domkapitel zu Paderborn, deren Güter sie zu branntschatzen suchten. Verne, ein dompropsteiliches Lehn, wurde geplündert. Da die Klinke zu Alfen ebenfalls dompropstiliches Lehn war und der Fürstbischof und das Kapitel in Alfen ihre Kolonen hatten, wird Alfen vom ihnen nicht verschont geblieben sein. Fürstbischof Ruprecht starb 1394 bei der Belagerung der Bergfeste Padberg an der Pest. Unter dem nachfolgendem Bischof Johannes I., Graf von Hoya, wurde die so verderbliche Bengelerfehde durch Vergleich beendigt.
Eine weitere Fehde war die Fehde Spiegel-Westpfalen.

1438, am Tage vor Mariä Geburt, schickte Ritter von Spiegel = Desenberg (Stammburg der Familie von Spiegel war der Desenberg bei Warburg) dem Ritter von Westpfalen auf Burg Fürstenberg den Fehdebrief zu. Die Ritter von Brenken, damals Burgmannen auf der Wewelsburg, standen auf Seiten derer von Spiegel, während der Ritter von Calenberg zu Husen und Westheim mit dem von Westpfalen verbündet war. Von der Burg Wünnenberg aus, damals im Besitz derer von Westpfalen, überfielen diese mit dem Calenberger die Dörfer Ober- und Niederntudorf, die den von Brenken verpfändet waren; das Dorf Brenken wurde abgebrannt und die Dörfer Alfen und Upsprunge, in denen die von Brenken Grundherren waren, ausgeraubt. Die verderbliche Fehde wurde endlich 1453 durch einen Urteilsspruch eines besonderen Gerichtes beigelegt unter Fürstbischof Dietrich III, Graf von Mörs, der gleichzeitig Erzbischof von Köln war; Zeugen des Vertrags waren Domkapitel, Ritterschaft und Städte des Hochstiftes Paderborn.

Es ist unmöglich, in einer kurzen Darstellung alle Ritterfehden, soweit sie Stadt Paderborn und Umgebung betrafen, hier aufzuführen. Dazu sind die Urkunden, Fehdebriefe in manchen Archiven noch nicht durchforscht; auch ist sehr viel geschichtliches Material an Urkunden im Laufe der Zeit verlorengegangen. Abschließend sei noch der hochinteressanten Arbeit des Universitätsdozenten Fr. von Klocke über Faust- und Fehderecht in Westfalen eines großen Fehde gedacht, die in der Zeit 1410 - 1420 die Stadt Paderborn betraf.

Die drei Brüder Gerd, Hermann und Friedrich von Ense zu Anröchte sagten Paderborn Fehde an; weitere 87 adelige Fehdehalter mit ihren reisigen Knechten schlossen sich ihnen an. Paderborn ersuchte die Alt- und Neu-stadt Warburg, damals noch zwei getrennte Stadtgemeinden, ihrerseits den Rittern von Ense und deren Bundesgenossen die Fehde anzusagen. Wenn dann noch weitere befreundete Städte, etwa Brakel, Steinheim usw. in die Fehde eintraten, dann ergaben sich ganz außerordentliche, unheilvolle Folgen für die allgemeine Sicherheit, ja auch für Verwüstung und Plünderung, von denen unbeteiligte Dörfer, wie Alfen, gar leicht betroffen werden konnten.

Haben wir im Vorhergehenden die Kleinkriege durch Faustrecht und Ritterfehden besprochen, wollen wir im Nachstehenden kriegerische Verwicklungen bringen, die von den Paderborner Bischöfen ausgingen, bzw. gegen diese gerichtet waren.

Im Jahre 1410 sagten Herzog Adolf von Berg und sein Bruder Wilhelm, der mit zwanzig Jahren zum Fürstbischof von Paderborn (1401 -–1415) gewählt war, der aber nie eine höhere Weihe empfangen hat, dem Kurfürsten von Köln, Erzbischof Friedrich von Saarwerden, die Fehde an. Die Kölner Bewaffneten – unter den Fehdehelfern des Kölner Erzbischofs war auch sein getreuer Lehnsmann Friedrich von Fürstenberg-Waterlappe – fielen am 18.12.1410 in das Delbrücker Land ein, wo ihnen die tapferen Bewohner, freilich vergebens, entgegentraten. Alles wurde von den Kölnern in Brand gesteckt, der Hauptort Delbrück wurde aber verschont, um im kalten Winter ein Unterkommen zu haben. Während die Delbrücker Männer sich in Büschen und Sümpfen versteckt hielten, bewirten die tapferen Delbrücker- innen die Feinde nach besten Kräften, steckten aber nachts die Häuser selbst in Brand. Den aufgeschreckten und zurückweichenden Kölnern verlegten die Delbrücker Bauern den Weg, und Fürstbischof Wilhelm von Berg brachte den Feinden am 19.12.1410 eine entscheidene Niederlage bei. In gegen-seitigen Landverwüstungen und Plünderungen ging die Fehde weiter bis zum 6.9.1411, wo es zu einen für Paderborn ehrenvollen Frieden kam.

Nach dem Tode des Kurfürsten Friedrich von Saarwerden kam es in Köln zu einer zwiespältigen Bischofswahl zwischen Dietrich von Mörs und Fürstbischof Wilhelm von Berg in Paderborn. Mit Letzterem waren Domkapitel, Adel, Städte und einige Klöster sehr unzufrieden und suchten sich des Landesherren zu entledigen. Das Paderborner Domkapitel wählte Dietrich von Mörs zum Administrator des Fürstbistums Paderborn.

Es kam zu einer neuen Fehde zwischen Dietrich von Mörs und dem Herzog Adolf von Berg und dessen Bruder Wilhelm von Berg, bisheriger Bischof von Paderborn. Der Kampf mit den üblichen Verwüstungen, Bränden und Wegführungen von Vieh usw. dauerte von 1411 bis 1417 und endigte durch den Vergleich vom 21.8.1417. Wilhelm von Berg, der, wie schon gesagt, keine höhere Weihe empfangen hatte, verzichtete auf das Bistum Paderborn, heiratete die Nichte seine bisherigen Gegners Dietrich, die Gräfin Adelheid von Tecklenburg mit 20.000 Gulden Mitgift und nahm seinen Wohnsitz auf der Sparrenburg bei Bielefeld, wo er 1428 starb.

Der neue Landesherr im Hochstift Paderborn war Dietrich III. (1415 – 1463), Graf von Mörs, Erzbischof von Köln. Über ihn heißt es in der geschichtlichen Einleitung zum Paderborner Realschematismus:

"Er war ein ausgesprochener Kriegsmann und stürzte seine Länder in viele Fehden und Schulden. Mit allen Mitteln versuchte er, Paderborn mit Köln zu vereinigen, und hatte dafür 1429 bereits die Genehmigung des Papstes Martin V. erlangt. Aber Paderborn fand eine starke Stütze an seinem Metropoliten, den Erzbischof in Mainz, und als dann Dietrich in der Soester Fehde (1444 bis 1449) der Hilfe Paderborns bedurfte, verzichtete er endgültig auf seine Pläne."

Dietrich besaß das Churfürstentum von Köln, das Herzogtum Westfalen, das heutige Sauerland und das Bistum Paderborn; sein Bruder Heinrich war Fürstbischof von Münster und Osnabrück und sein Bruder Vinzenz war Graf von Mörs. Der Kölner Churfürst war unstreitig einer der mächtigsten Reichsfürsten, der schon drei Kaiser gesalbt und gekrönt hatte. Da wagte es die Hansestadt Soest, diesem mächtigen Fürsten den Gehorsam aufzukündigen, der von allen Gütern der Bürger den 10. Pfennig verlangt hatte. Soest schickte nach Köln folgendes, weithin bekannt gewordenes Aufkündigungsschreiben:

Wetet, Bischof Derich von Mörs, dat wy den vesten Junker Johann van Cleve leber hebben als Juwe. Und wert Juwe hiermit abgesagt. Datum Soest 1444."

Die Paderborner Landstände traten auf die Seite Dietrichs, während die Hansestadt Paderborn zuerst zu Soest hielt, das mehrere Male belagert, aber nicht erobert wurde. Der Churfürst wollte um jeden Preis den Sieg erringen. Der Landgraf von Hessen und der Graf von Starnberg führten ihm ein Heer von 60.000 Söldnern, größtenteils Böhmer zu, die sich mit den 20.000 Kölner Streitern vereinigten. Auch gegen Soest, das durch den Herzog von Cleve Unterstützung erhalten hatte, konnten Dietrichs Söldnerscharen nichts ausrichten. Soest blieb bei Cleve.

Das Hochstift Paderborn hat durch die Soester Fehde unendlich viel gelitten!

Simon III., Edler Herr zu Lippe, Fürstbischof von Paderborn (1463 – 1498) führte im Anfange seiner Regierung verschiedene Fehden zur Sicherheit seines Gebietes. In Verbindung mit dem Erzbischof von Köln, den Bischöfen von Osnabrück und Hildesheim und dem Abte von Fulda, sowie mit seinen Bruder, dem Grafen Bernhard zur Lippe, führte er Krieg gegen den Landgrafen von Hessen, wobei die Gegner an Feldern und Früchten, Häusern und Besitzung sich gegenseitig großen Schaden zuzufügen suchten. 1471 kam ein Friede auf 33 Jahre zustande.

Mit Graf Otto von Waldeck, seinem eigenen Lehnsträger, wurde Simon III. 1474 in eine Fehde verwickelt, und 1470 war der Fürstbischof gezwungen gewesen, gegen den rauflustigen Ritter von Spiegel zu ziehen, dessen feste Burg auf dem Desenberg erobert wurde.

Die bald beginnende Zeit der Reformation (1517) sollte für das Fürstbi-stum Paderborn große Veränderungen, Verwicklungen und Kriegsunruhen nach sich ziehen. Die Grafen von Lippe und Waldeck, bisher Lehnsträger von Paderborn, machten sich frei von dieser Lehnsoberhoheit, wurden selbstständige Reichsfürsten und führten, gestützt auf den Augsburger Religionsfrieden (1555) in ihren Gebieten den neuen Glauben ein. Die geistliche Gewalt des Bischofs von Paderborn wurde in Lippe, Waldeck und Ravensburg ausgeschaltet und beschränkte sich auf das kleine Gebiet des Fürstentums Paderborn mit den heutigen 4 landrätlichen Kreisen Paderborn, Büren, Warburg und dem größten Teil von Höxter ohne das Abteigebiet von Corvey.

Unter Fürstbischof Hermann II. Graf von Wied (1532 – 1547), gleichzeitig Fürstbischof von Köln, erlebte das Fürstbistum Paderborn die Fehde zwischen dem Landgrafen von Hessen und dem Grafen Otto von Rietberg und dessen Verbündeten, dem Grafen Johann von Schauenburg (1544), wodurch Paderborn und Umgegend zum Teil in Mitleidenschaft gezogen wurde. Hermann von Wied wurde wegen lutherischer Gesinnung vom Papste seine Bistümer Köln und Paderborn entsetzt und verzichtete 1547 auf Be-fehl des Kaisers auf seine bisherigen geistlichen Würden.

In der Folgezeit verbreitete sich die Reformation in der Hauptstadt Paderborn und im Fürstbistum immer mehr. Unter Fürstbischof Johann II. von Hoya (1568–1574), gleichzeitig Fürstbischof von Münster und Osnabrück, wird berichtet, daß auf Anstiften der Edelherren von Büren der lutherische Archidiakonatsbezirk des Dompropstes, wozu auch Kirchborchen, Nord-borchen und Alfen gehörte, war dagegen dem katholischen Glauben treu geblieben. Die größten Fort- schritte machte der neue Glaube im Fürstentum Paderborn unter dem lutherischen Administrator Heinrich von Sachsen-Lauenburg (1577–1585), der vom Papste für Paderborn nie die Bestätigung erhalten hat. In drei Pfarrkirchen der Stadt Paderborn wurde lutherisch gepredigt. Das Domkapitel hielt fest am katholischen Glauben und berief 1580 die Jesuiten nach Paderborn. Heinrich von Sachsen-Lauenburg, der das Bistum Paderborn durch den Landschreiber Joachim Tenmeyer aussaugen ließ, starb unerwartet 1588 durch einen Sturz vom Pferde nach Besuch des protestantischen Gottesdienst in Bremervörde.

Restaurator des alten katholischen Glaubens im Fürstentum Paderborn wurde Theodor von Fürstenberg, (1585–1618), dessen gewaltiges Grabdenkmal jetzt am Nordeingang des Domes steht. Unter Theodor oder Dietrich von Fürstenberg hat das Paderborner Land viele und große Kriegsschrecknisse erlebt, und zwar zuerst durch äußere Gegner.

In den Niederlanden (Holland und Belgien) tobte schon ein langer Krieg zwischen den katholischen Spaniern, denen das Land bei der Teilung des Reiches des Kaisers Karl V. zugefallen war, und den kalvinistisch gewordenen Holländern. Holländische Streifkorps fielen plündernd und sengend in das Reich ein und brand- schatzten auch das arme Hochstift Paderborn.

Besonders berüchtigt war der erste Einfall aus den Generalstaaten (Holland) unter dem Grafen von Oberstein im Jahre 1590. Delbrück wurde am 30.12.1590 geplündert, dann zog das Streifkorps über Anreppen, Scharmede, Bentfeld, Elsen, Wewer, Obern- und Niederntudorf, Haaren, Böddeken nach Geseke. Alle Pferde wurden geraubt. Überall, besonders auch in Geseke, wurden die größten Grausamkeiten verübt. Um vor weiteren Raubzügen verschont zu bleiben, gab das kur-kölnische Herzogtum Westfalen dem Grafen von Oberstein 18 000 Reichs- Taler und die Landstände des Fürstbistums Paderborn 11 000 Reichstaler. Graf von Oberstein fiel bald nachher bei der Belagerung von Zütphen.

Die Holländer bedrohten 1595 zum zweiten Male das Paderborner Land. Der Fürstbischof Theodor befahl bei Verlust ihres Lehns allen Lehnsträgern des Bistums, ihre Leute gut zu bewaffnen und mit den bewaffneten Bauern vor dem fürstlichen Schloß in Neuhaus zu erscheinen. Auch Wilhelm von Krewet zu Verne zog in Befolgung des fürstlichen Befehls mit seinen Bewaffneten aus Verne und Alfen nach Neuhaus. Diese militärische Gegenmaßregel und 3000 Rtlr bewirkten, daß die Holländer dieses Mal von einem Raubzug absahen.
Bei einem 3. Überfall (1597) waren die Bewaffneten des Fürstbischofs im Delbrücker Landes aufgestellt, und die Holländer wagten keinen Angriff.

Ein holländischer Räuberkorps von 600 – 800 Reitern erschien 1601 wieder im Hochstift, raubte die Dörfer Benhausen und Neuenbeken aus, wurde aber von Paderborner Soldaten und bewaffenten Bauern besiegt und vertrieben. Die Holländer wandten sich plündernd und raubend nach Osten, wo besonders das Benediktinerkloster Marienmünster ihnen zum Opfer fiel. Um solchen Raubüberfällen tatkräftig sofort zu begegnen, mußte fortan jedes Dorf eine Anzahl Bewaffneter stellen, die ein Wartegeld bekamen und von dem adeligen Grundherrn befehligt wurden; so die Alfener von Wilhelm von Krewet.

Der Herzog von Braunschweig hatte Fehde mit seiner unbotmäßigen Hauptstadt und rief Holländer zu Hilfe, die 1606 bei ihren Rückzuge im Paderborner Lande großen Schaden anrichteten. Nach Zahlung von 3000 Rtlr. verließen sie das Hochstift Paderborn, aber im folgenden Jahre 1607 wieder im Delbrückschen erschienen und gegen Zahlung von 2000 Rtlr. zum Abzuge sich bereit finden ließen. Aus Anlaß dieser Raubzüge wurden an einigen Orten Schützenbruderschaften zum Selbstschutz gegründet, so in Neuenheerse.

Im Staatsarchiv Münster ( XIII. Nr. 516) finden wir zum Alfer Buchholz für die Zeit 1580 – 1612 folgende No-tiz:
"In Anbetracht der "Statischen" (d. h. holländischen) Brandschatzungen werden erlassen Brüche, Strafen wegen Hudefrevel, Holzdiebstahl, und es wird Holz unentgeltlich überlassen. Dasselbe geschah im 30jährigen Kriege unter Wrangel und Königsmark und im siebenjährigen Kriege."
Nicht nur die holländischen Generalstaaten, sondern auch ihre Gegner, die katholischen Spanier, bedrohten das westliche Reichsgebiet und damit auch das Hochstift Paderborn. Der General Mendoza, der mit einem starken Heerhaufen einrückte, hatte bekannt gegeben, das seine Soldaten Paderborn streng bestrafen würden, wenn sie in Stadt und Hochstift Protestanten anträfen.

Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg benutzte diese Gelegenheit, um den abgefallenden Pastor Tünneken zu entfernen und die protestantisch gewordene Markkirche zu schließen.

Um die Spanier vom deutschen Boden zu vertreiben, rüstete der lutherische Landgraf Moritz von Hersen mit anderen Fürsten ein Heer aus und rückte in das Hochstift ein. In der Stadt Paderborn bekamen die Protestanten wieder Oberwasser. Pastor Tünneken kehrte in die Markkirche zurück.

Die hessischen Soldaten haben das Hochstift schwer bedrückt, rückten zum Niederrhein unter dem Oberbefehl des Grafen Simon von der Lippe, wurden aber von den kriegstüchtigen Spaniern, den besten Soldaten der damaligen Welt geschlagen und zerstreut.

Im Jahre 1604 bedrohten noch einmal die Spanier das Hochstift, dieses Mal mit Plünderung und Brandschatzung. Fürstbischof Theodor ließ ihnen in Unna 13 000 Rtlr. als Geschenk übergeben, wogegen die Spanier versprachen, das Land zu schonen gegen Aufenthalt für eine Nacht und Lieferung der Lebensmittel für einen Tag. Auf ihrem Wege von Schlangen im Lippischen durch die Senne nach Rietberg kamen sie durch das Delbrücker Land, wo zwei vornehme Soldaten durch Delbrücker Bauern getötet wurden. Die erbitterten Spanier hielten sich jetzt nicht mehr an ihren Vertrag gebunden, richteten unter den Delbrückern ein großes Blutbad an, steckten die Häuser in Brand und hätten das ganze Delbrücker Land völlig verwüstet, wenn nicht der Fürstbischof durch Hergabe einer weiteren großen Summe sie zum Abzuge bewogen hätte.

Noch einmal sollte die Bevölkerung der Dörfer rings um Paderborn, wenn auch nur zum Schein, vom Fürstbischof Theodor militärisch aufgeboten werden, der 1604 in einem entscheidenen Kampfe gegen die widerspenstige Hauptstadt Paderborn sich befand. Der lutherische Teil der Bürgerschaft unter dem Bürgermeister Liborius Wichart versagte dem Landesfürsten den Gehorsam. Der Graf Johann von Rietberg wurde vom Fürsten mit der Erstürmung der Stadt beauftragt. Die Aufrührer erwarteten sehnsüchtig Hilfe von dem lutherischen Landgrafen von Hessen, der schon lange ein begehrliches Auge auf das Hochstift geworfen hatte. Die Entlastungsoffensive von Hessen-Kassel kam jedoch nicht. Um die Aufrührer in Schrecken zu jagen und um die eigenen Anhänger in der eingeschlossen Stadt zu stärken, beorderte der Fürstbischof die Bauern der benachbarten Dörfer mit Wehr und Wasser auf den südlichen und östlichen Höhenzügen von Paderborn zu erscheinen, um so den Ein- druck zu erwecken, daß dort ein großes Heer zur Abwehr gegen die Hessen stehe. Die Kriegslist gelang. Die Tore der Stadt wurden dem Rietberger Grafen geöffnet; der gefesselte Bürgermeister wurde dem Fürsten ausgeliefert. Liborius Wichart wurde auf der "Karmisse", jetzt Platz der Herz-Jesu-Kirche, hingerichtet, und sein Leichnam wurde nach damaligen harten Recht in fünf Teile zerlegt und an den fünf Stadttoren zum abschreckenden Beispiel aufgehängt. Die Stadt Paderborn verlor ihre bisherigen Privilegien und Selbstverwaltung. Der Erzbischof, gestützt auf die Anordnung des Augsburger Religionsfriedens von 1555, wonach der Landesherr die Religion seiner Untertanen bestimmen konnte, suchte im Fürstbistum Paderborn alle Einwohner zum Glauben der Väter, zur katholischen Religion, zurückzuführen.

Fürstbischof Theodor von Fürstenberg war Gründer des Gymnasiums und der Universität in Paderborn, die er den Jesuiten anvertraute, und denen er das große Kollegiengebäude am Kamp, jetzt Gebäude des Gymnasiums und der Philosophischen-Theologischen Akademie, erbaute, starb am 4.12.1618, im ersten Jahres des für das Hochstift Paderborn so äußerst verderblichen 30jährigen Krieges.

Der harten und verderblichen Kriege, des 30jährigen und des 7jährigen Krieges, sei im Nachstehenden nur aller Kürze gedacht; wir verweisen auf die Ausführungen in der Geschichte von Nordborchen (6. Kapitel).

Nach der Beraubung Paderborns und seines Domes durch den "tollen Christian" 1622 hatte das Hochstift eine etwa 8jährige Ruhe. Aber von 1633 bis zum Ende des Krieges 1648 waren bald die Kaiserlichen, bald die Hessen und Schweden in Paderborn, wobei Stadt und Land furchtbaren Schaden erlitten. Die Felder waren zerstampft, Häuser in Brand gesteckt und von den unglücklichen Bewohnern das Letzte herausgepreßt. Dazu kam die Pest im Jahre 1636, durch welche 6 Monaten in Pfarrgemeinde Borchen 461 Personen starben, woran noch die jährlichen Vitusprozessionen erinnern. Zum Schluß des Krieges wollte jeder den beiden Parteien das Hochstift in der Hand haben, um beim Friedensschluße es für sich reklamieren zu können. 1646 wurde die Hauptstadt unter Ge-neral Wrangel erobert. Auf Betreiben des tatkräftigen Franz Wilhlem von Wartenberg, Bischof von Osnabrück und Regensburg, dessen Bischofsbild auf dem Altar auf der Evangelienseite im Dom dargestellt ist, wurde Paderborn kurz vor Friedensschluß von den Kaiserlichen unter Balduin von Réumot zurückerobert.

Vielleicht noch verderblicher als dieser Krieg war für unsere Heimat der 7-jährige Krieg (1756 bis 1763), wo die Fürstbistümer Paderborn, Münster, ferner das churkölnische Sauerland und das Stift Minden der westliche Kriegsschauplatz zwischen den Franzosen und dem mit England verbündeten Braunschweig, Hessen und Hannover war, und doch ist dieser westliche Kriegsschauplatz so vielen auch in unserer engeren Heimat nicht bekannt.

Die Franzosen und ebenso die Alliierten sogen das Land aus, legten dem armen Hochstift unerschwingliche Forderungen zur Lieferung von Lebensmitteln usw. und Geldkontributionen auf. Von der Teuerung, ja von der Hungersnot besonders der letzten drei Kriegsjahre vermögen wir uns heute kaum noch eine Vorstellung zu machen. Der Hauptschaden ist jedoch durch die Alliierten entstanden, die die Fürstbistümer Münster und Paderborn als Feindesland behandelten, da Kurfürst Erzbischof Clemens August von Bayern (gest.1761), der gleichzeitig Bischof von Paderborn und Münster war, von den Franzosen Unterstützungsgelder bezog.

Daß im Westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück 1648 und im Frieden von Hubertusburg 1763 das Hochstift seine Selbstständigkeit gegenüber Hessen-Kassel bzw. Preußen behielt, ist der Intervention Frankreichs zu danken, da in beiden Fällen das mit Paderborn seit der Übertragung der Reliquien des hl. Liborius aus Le Mans (836) befreundete Domkapitel dieser Stadt sich an den König von Frankreich bittend gewandt hatte.

Der schlimmen Zeiten unter der Franzosenherrschaft (1807 bis 1813) und in den Freiheitskriegen ist im Nachfolgenden dieser Heimatschrift gedacht. Auch im Königreich Westfalen wurden die wehrfähigen Bewohner von Napoleon zu den Waffen einberufen. Ob aus Alfen auch Soldaten in Spanien beim Westfälischen Korps verwendet sind, ist bis jetzt nicht nachgewiesen. – Bei der "Großen Armee" in Rußland 1812 fanden 7 Jünglinge aus Alfen den Tod:

  • Heinrich Brandt,
  • Caspar Brandt,
  • Josef Papencordt,
  • Liborius Becker,
  • Meinolf Fischer
  • Conrad Schäfers.

Noch nach 20 – 30 Jahren hofften einzelne Familien vergeblich auf Rückkehr der auf Rußlands Schneefeldern gebliebenen Söhne und Brüder.

In den Kriegen Preußens gegen Dänemark und Österreich 1864 wurden Reservisten auch aus Alfen eingezogen, und zwar gegen Dänemark 5 und 1866 gegen Österreich 21 Mann; von beiden Mannschaften ist niemand gefallen. Am deutsch-französischen Kriege 1870/71 nahmen 23 Alfener teil, von denen allein Heinrich Becker (Lütken) verwundet wurde, aber keiner den Tod im Felde fand.

Im Weltkriege 1914/18 haben nach der Pfarrchronik aus Alfen 71 Frontsoldaten gekämpft. Den Heldentod fanden 19 wackere Kämpfer:

  • Josef Nillies (Nr. 35),
  • Konrad Fischer (Nr. 44),
  • Lorenz Becker; Lehrer (Nr. 25),
  • Kaspar Schumacher (Nr. 39),
  • Kaspar Finke (Nr. 9),
  • Franz Bielemeier (Nr. 41),
  • Heinrich Thebille (Nr. 22),
  • Anton Thiele (Nr. 36),
  • Heinrich Kruse (Nr. 12),
  • Karl Meyer (Nr. 21),
  • Heinrich Kloppenburg (Nr. 72),
  • Heinrich Bockhof (Nr. 49),
  • Franz Lammers (Nr. 96),
  • Hermann Drüke (Nr. 11),
  • Johannes Ahrens (Nr. 26),
  • Franz Rochell (Nr. 14),
  • Franz Meyer (Nr. 4),
  • Josef Hillebrand (Nr. 42),
  • Gustav Töpker (Nr. 83).

Für die Gefallenen ist auf dem früheren Friedhof bei der alten Kirche ein Ehrenmal errichtet.


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