Kapitel 4: Die Freiherrn von Imbsen-Wewer, Grundherrn in Alfen

  • Ursprung und Emporblühen des Geschlechts.
  • Erwerbung des Klinkenhofes und der Grundherrschaft in Alfen.
  • Besitzungen und Berechtigungen im oberwaldischen Distrikt, ferner in Alfen, Wewer und anderen Orten des unterwaldischen Distriktes.
  • Erlöschen der Familie im Mannesstamme.
  • Der Klinkenhof.

Die Aufmerksamkeit wohl eines jeden Reisenden in Eisenbahn und Auto wie des Wanderers erregt auf dem Wege durch das liebliche Almetal das auf sanfter Anhöhe bei dem Dorfe Wewer zu Anfang des 17. Jahrhunderts erbaute stattliche Renaissanceschloß der Freiherrn von Imbsen, seit 1838 Eigentum der Freiherrn von und zu Brenken. Die angesehene Familie derer von Imbsen gehörte Jahrhunderte lang dem Paderborner Stiftsadel an und war Grundherr in vielen Gemeinden, so auch in Alfen.

I. Ursprung und Emporblühen des Geschlechtes deren von Imbsen.

Der Familienname wird in den ersten Zeiten verschieden geschrieben: Immessen, Ymmessen, Ymmedeshusen, Immeshusen und Imsen. Seit dem 16. Jahrhundert ist fast ausschließlich Imbsen gebräuchlich. Schon 1150 werden die Brüder Dudo und Gerhard von Imbsen erwähnt, desgl. 1273 ein Miles (Ritter) Friedrich von Imbsen. Der Ursprungssitz der Familie war Immesen, jetzt Wüstung bei Natingen, Pfarrei Borgholz; später waren die von Imbsen auf Messenhausen, einem von der Benediktinerabtei Corvey abhängigen Lehnsgute, zwischen Natingen und Erkeln. Die von Imbsen nannten sich auch später nach Verlegung ihrer Wohnsitzes "Herren auf Messenhausen". Über den Ursprung der Familie von Imbsen ist bis jetzt einwandfreies geschichtliches Material nicht bekannt geworden. Wie so manche Mitglieder des Ministerialsadels, dürften auf die von Imbsen aus dem Bauernstande hervorgegangen sein.

1449 starb die adelige Familie von Wewer oder Wewere im Dorfe gleichen Namens aus. Das adelige Gut in Wewer war Lehnsgut des Paderborner Domkapitels. Im genannten Jahre übertrug der Paderborner Domherr Sterano von der Malsburg, Oboedientiarius in Wewer, dem Arnold von Imbsen das dem Domstift Paderborn gehörende Gut mit Zubehörungen; Arnold von Imbsen wurde so Lehnsträger des Paderborner Domkapitels.

Um 1500 waren Besitzer des Wewerschen Gesamtguts die Brüder Kurt und Johann von Imbsen, letzterer Domherr in Paderborn. Anna von Imbsen, Tochter des Kurt von Imbsen, heiratete Reinecke von und zu Brenken, der den Anteil des Domherrn Johann von Imbsen 1519 käuflich erwarb, nach Wewer übersiedelte und hier die Seitenlinie derer von Brenken auf der alten Burgfreiheit (jetzt Rentei) in Wewer begründete. Nach dem Aussterben dieser Seitenlinie fiel der Besitz in Wewer im Jahre 1817 an die Familie von Brenken auf Erpernburg.

Wir finden auch einen Seitenlinie derer von Imbsen in Dörenhagen vertreten. Der von dieser besessene Hof heißt heute noch Imbsenhof. Grabsteine mit Wappen derer von Imbsen finden sich in der alten Kirche in Dörenhagen, die Wilhelm von Imbsen 1682 wiederherstellen ließ. Der letzte Besitzer des sehr verschuldeten Gutes lebte in Wien. Der damalige Küster und Lehrer Christian Laurentius Auffenberg, in Dörnhagen, geb. 13.3.1701, dessen Ehe mit 7 Söhnen und 7 Töchtern gesegnet war, erwarb den Imbsenhof gegen Übernahme der Schulden. Noch heute ist der ca. 400 Morgen große Hof in der Familie Auffenberg. (Nach familienkundlichen Nachrichten des Herrn Rechtsanwalts und Notars Auffenberg in Paderborn.) Der aus der Zeit des Weltkrieges 1914 – 18 bekannte österreichische Generalfeldmarschall Freiherr von Auffenberg stammt nach Familienüberlieferung von dem obengenannten Lehrer und nachmaligen Besitzer des Imbsenhofes in Dörenhagen ab.

Auch auf dem Burgsitze "Auf den Klinke" in Alfen haben verschiedentlich Glieder der Familie von Imbsen gewohnt; zu einer gesonderten Nebenlinie in Alfen ist es jedoch nicht gekommen.

Eine sehr wertvolle Vergrößerung ihres Besitzes im niederwaldischen Distrikt erhielt die Familie von Imbsen durch Heirat des Walter Adrian von Imbsen mit Odilia von Krewet aus Verne. Die von der Ruhr stammende Familie von Krewet hatte im frühen Mittelalter durch Einheirat den Besitz der im Mannesstamme ausgestorbenen Familie von Verne oder Vernede im Dorf gleichen Names erworben. Das Wappen derer von Krewet (d.H. Krebs) war ein aufrechter roter Krebs auf silbernem Grunde.

(Zu sehen z.B. auf den Nordwand der heutigen Ruine der Verna- oder Krewetburg bei Verne. Die prachtvolle Wasserburg ist zu Beginn des 17. Jahrhunderts von dem letzten der Familie Dietrich Wilhelm von Krewet erbaut.)

Der letzte Adelige von Krewet, Theodor Wilhelm von Krewet, starb im Jahre 1638, also während des 30jährigen Krieges. Der Besitz in Verne war dompropsteiliches, im Mannesstamme vererbliches Lehn und kam durch Heirat der Anna von Krewet mit Arnold von und zu Brenken in Brenken in den Besitz der Erpernburger Linie, die auch den Besitz der Krewets in Salzkotten bekam. Eine weitere Tochter Maria von Krewet heiratete Caspar Friedrich von Haxthausen auf Welda.

Die älteste Erbtochter Odilia von Krewet heiratete Walter Adrian von Imbsen auf Wewer. Der Familie von Imbsen fielen bei der Erbteilung zu das dompropsteiliche Lehen in Alfen mit dem Burgsitz "Auf der Klinke" und dem 4. Teil des Alfener Buchholzes mit vielen Heuergefällen und Gerechtigkeiten.

Die erste Belehnung der von Imbsen nach dem Aussterben der Familie von Krewet (1638) scheint erst am 30.5.1663 vorgenommen zu sein, und zwar belehnte Dompropst Johann Wilhelm von Sintzig den Jobst Gottfried von Imbsen wohl ein Sohn des Walter Adrian von Imbsen und der Odilia von Krewet mit dem Burgsitz in Alfen samt den zugehörigen Ländereien, Zehnten, Fischerei und Jagd, Wiesen und Weiden.
Nach einem Verzeichnis von 1601 gehörten zum Burgsitz Klinke etwas über 155 Morgen Land, das an die Bauern Cord Nese und Johann Roggenkamp in Zeitpacht ausgegeben war. Zur Zeit des im 13. Kapitels dieser Heimatschrift öfters erwähnten Pfarrer P. Bonifatius Ernesti (1673-1704) war die Familie Roggenkamp in Alfen nicht mehr ansässig und deren Äcker waren an andere Kolonen aufgeteilt.

Die letzte Belehnung mit Alfen fand am 17.7.1791 statt. In dem Lehnprotokoll heißt es u.a.:
"Theodor Werner von Bocholtz, Dompropst zu Paderborn, Hochfürstlicher Paderborner Regierungspräsident und Oberstmarschall, Domkapitular zu Hildesheim und Münster, Oberkommissarius der Judenschaft, des Hessischen Löwen-Ordens Kommandeur, Herr zu Störmede, Alme und Niehausen (Niesen, kreis Warburg) belehnt Dr. Escherhaus, Vertreter des Hochfürstlichen Hildesheimischen Hofkavalliers, des Herrn von Imbsen, mit dem adeligen Burgsitz in Alfen ... mit den dazugehörigen Appertinentien, Gärten, Ländereien, Wiesen und Weiden, Fischereien, Jagden, Meiereien und Kottstätten (Köttereien) u.a."

II. Übersicht über das Vermögen der Familie von Imbsen zu Ende des 18. Jahrhunderts

Der Land- und Waldbesitz der Familie nebst den zehnt- und abgabepflichtigen Gemeinden bzw. Kolonen waren zum weitaus größten Teil im Hochstift Paderborn, das damals in den oberwaldischen Distrikt (jetzt ungefähr die Kreise Höxter und Warburg) und in dem niederwaldischen Distrikt (jetzt Kreise Paderborn und Büren) aufgeteilt war.

A. Besitzungen und Berechtigungen der von Imbsen im Oberwaldischen Distrikt.

Auch nach Belehnung der Familie mit dem domkapitularischen Gütern in Wewer im Jahre 1449 behielten die von Imbsen ihrer Besitzungen im Oberwaldischen bei. Als 1517 ein Teil des früheren vom Wewerschen Lehnsgute an die von Brenken auf der alten Burg in Wewer kam, blieben die oberwaldischen Besitzungen und Berechtigungen im Alleinbesitze der Familie von Imbsen auf Wewer. Es waren dieses:

  1. Messenhausen (Lehnsgut des Benediktinerklosters Corvey) mit Gärten, Wiesen und Ackerland, zusammen ca. 376 ½ Morgen;
  2. Rittersitz Borgholz mit 2 kleinen Gärten und Wiesen, 65 Morgen Ackerland, an 3 Kolonen ausgetan;
  3. Borhausen (Waldecker Lehnsgut); das Land war im Meierstatt an 2 Kolonen und 3 Kötter gegeben;
  4. Natingen u. Auenhausen 95 Morgen Ackerland, verpachtet;
  5. Waldbesitz in Natzungen 2 Hufen und in Tietelsen der 4. Teil vom Oberholze und 101 Morgen Buchenwald;
  6. Heuerfrüchte aus Peckelsheim (der halbe Budenhausensche Zehnt) aus Hohenwepel an Pacht je 32 Scheffel Roggen und Hafer; Brakel (der Modexer Zehnt); Pömbsen (der Bovenhauser Zehnt).

B. Im unterwaldischen Distrikte.

Hier waren die lehnspflichtigen Besitzungen und Berechtigungen weit größer und bedeutender als im oberwaldischen Teil. Es waren dieses:

  • in Wewer:
  1. Schloß mit Wirtschaftgebäuden und Mühle, 20 Morgen Gärten, 34 Morgen Wiesen, 98 Morgen Ackerland, 1426 Morgen Wald (der Wald meistens Samtbesitz mit den von Brenken auf der alten Burg in Wewer. Dem Paderborner Domkapitel mußten jedes Jahr 10 vierspännige Fuder Brennholz aus dem Samtholz geliefert werden); ferner Hude-Jagd und Fischereigerechtsame.
  2. Patrimonialgerichtsbarkeit zusammen mit denen von Brenken in Wewer.
  3. An Grundzinsen jährlich 98 Tlr., ferner große Heuergefälle, 138 Hühner, 2320 Eier und Zehntgänse.
  4. Einnahmen aus Bemeierungsgeldern und aus früheren Hand- und Spanndiensten.
  • In Alfen: (Vom dompropsteilichen Lehen in Alfen jährliche Lehnsabgabe an die Distributorie des Domkapitels betrug 48 Schfl. Weizen.)
    1. der Burgsitz "Auf den Klinke" mit je 6 Morgen Gärten und Wiesen und 137 Morgen Acker in Eigenbewirtschaftung;
    2. Gerechtsame: Bier- und Branntweinbrennerei (s. Schäfers, Zur Geschichte von Nordborchen, S. 115) Jagd und Fischerei, Hude- und Weidegerechtsame in der Gemeinde Alfen
    3. ca. 100 Morgen Wald von dem Samtholze "Alfener Buchholz" und Anteil an der Patrimonialgerichtsbarkeit im Bereich des genannten Waldes.
    4. Von 3 Vollmeiern (Neesemeyer, Kersting und Göllner), 2 Halbspännern (Grüe und Cord Neese) und 4 Köttern (Kochs, Henkemeyer, Kleinjohann und Dummert): Hof- und Dienstgelder und Erbpachtgelder.
    5. 5 Hühner, 150 Eier und der sehr bedeutende Naturalzugzehnt von 909 Morgen. (Dieser erbrachte im Jahre 1787: 19 ¼ Schfl. Weizen, 180 ¾ Schfl. Roggen, 99 7/8 Schfl. Gerst, 77 Schfl. Mengkorn, 108 ¾ Schfl. Rauhfutter und 4 ¼ Schfl. Erbsen. Bald darauf wurden die Heuerfrüchte in öffentlichen Terminen meistbietend verpachtet.)
  • in Östinghausen (auch Oistorp, später Sunder (Wüstung zwischen Alfen und Salzkotten) genannt) lehnspflichtiges Gut vom freiweltlichen Damenstift Heerse: 68 Morgen Acker und 560 Morgen Wald (eine eigenartige Erdwallanlage heißt heute noch "Imbsenburg" obwohl dort nie eine Burg gestanden hat). Als Fürstbischof Simon zur Lippe (1247-1277) zur Abwehr gegen Köln Salzkotten zur Stadt erhob, sind die Einwohner von Oestinghausen mit den Einwohnern von Habringhausen, Vielhusen und Hohenrod in die befestigte neue Stadt gezogen.

Die von Krewet in Verne, dann seit 1638 die von Brenken und von Imbsen waren Lehnsträger des freiweltlichen Damenstiftes Neuenheerse und mit dem Grundbesitz in Oestinghausen belehnt. Jeder der beiden Lehnsträger zahlte bei Neubelehnung in "herrschender Hand" dem Damenstift eine Anerkennungsgebühr, "Lehnware" genannt von je 16 Tlr. 1 Schilling, 6 Pfg. Bei der Familie von Imbsen war das Erbschenkeamt das Stiftes Neuenheerse.

  • Grundbesitz in den Gemarkungen Paderborn, Neuhaus, Tudorf, Salzkotten mit Anteil an den dortigen Salinen;
  • Naturalabgaben von pflichtigen Kolonen oder Meiern in Paderborn (3), Bensen (2), Elsen, Etteln (2) und Enkhausen (2);
  • Zehnteinnahmen aus Dahl, Scharmede und Upsprunge (Höchstgebot auf den Imbser Zehnten in Upsprunge 21.7.1803: 334 Tlr.

Hierzu kamen noch einige Einnahme aus kurkölnischen Gemeinden so in Geseke (Höchstgebot am 21.7.1803: 392 Tlr.), Westernkotten u.a. Im ganzen bezogen die von Imbsen aus 30 verschiedenen Ortschaften Einkünfte.

J.C. Pyrach sagt 1737 in seiner Beschreibung "Das Hochstift Paderborn": Alfen, denen von Imbsen zu Wewer zugehöriges Dörflein an der Alme, welches sie von denen von Krewet zu Vernaburg ererbet; das adelige Haus daaselbsten wirde die "Klinke" genannt; hat eine steinerne Brücke über die Alme von 7 Bogen".

Alles in allem genommen war die Familie von Imbsen reich begütert. Sie erfreute sich unter dem Paderborner Stiftsadel eines besonderen Ansehens. Viele Glieder der Familie sind in den Domkapitels zu Paderborn, Münster und Hildesheim und in anderen Stiftern nachweisbar. Wir finden die Herren von Imbsen auch in Hofdiensten der Fürstbischöfe von Paderborn und Hildesheim; die unverheirateten Töchter waren der damaligen Sitte gemaäss in freiweltlichen Damenstiftern, besonders im Münsterland, untergebracht.

Das Wappen der Freiherren von Imbsen:

In Blau: 2 Querreihen Schindel, die eine Querreihe Rosen einschließen, jede Reihe zu 3 Stück.

III. Erlöschen der Familie von Imbsen im Mannesstamm

Der drittletzte Inhaber der Familiengüter war Philipp Moritz von Imbsen, "Herr auf Wewer, Alfen und Messenhausen", von dem sein Sohn Franz Arnold im Jahre 1770 den Besitz übernahm. Dieser übertrug durch Privatvertrag vom 8.7.1806 von Natingen aus seinem Sohne Wilhelm Anton bei dessen Verheiratung mit Gräfin Bernhardine von Schmiesing aus Münster den gesamten Familienbesitz, wobei der übertragende Vater sich besondere Unterhaltsrechte vorbehielt und dem Gutsübernehmer die Abfindung seiner Töchter auferlegte: Agnes und Sophia, Stiftsdamen zu Langenhorst, sollen bei eventueller Verheiratung die Aussteuer und je 2000 Tlr. erhalten, während der Konventualin Philippine zu Gravenhorst eine jährliche Rente von 80 Tlr. Zugeschrieben wird. Dieser privatschriftliche Übertragsvertrag wurde nach der Wiederangliederung des Hochstiftes Paderborn an Preußen am 8.2.1819 und 26.2.1820 gerichtlich bestätigt.

Wilhelm Anton von Imbsen, der letzte seines Stammes, führte zunächst die Verwaltung der Familiengüter in der vom Vater geübten Weise weiter. Im Jahre 1802/3 erfolgte die Säkularisation. Preußen zog das Hochstift Paderborn ein und ferner zunächst die 5 sog. Fundierten Männerklöster des Paderborner Landes: die Benediktinerklöster Paderborn und Marienmünster, die Zisterzienserabtei Hardehausen und die Klöster der Augustiner in Böddeken und Dalheim. Eine neue Zeit war abgebrochen! Die frühere Gebundenheit der lehnspflichtigen Bauern schien gelockert, zumal in der bald folgenden französischen Zeit (1807 –1813) durch die Regierung des Königreichs Westfalen zunächst die persönliche Unfreiheit, die Eigenbehörigkeit der leibeigenen Untertanen aufgehoben wurde. In der Zeit der französischen Fremdherrschaft war Wilhelm Anton von Imbsen Canton – Maire oder Amtsbürgermeister.

Er entwickelte als Gutsherr von Wewer und Alfen eine etwas weitgehende Geschäftigkeit. Im Jahre 1808 tauschte er mit Freiherrn von und zu Brenken auf Erpernburg auf Drängen der Kasseler Regierung die den beiden Herren zustehende je ¼ des Alfener Buchholzes gegen Teile des Dickenbusches vom früheren Waldbesitz von Böddeken ein. Im Jahre 1812 gab er den Gutsbetrieb auf dem Klinkenhofe in Alfen auf und errichtete auf der Wilhelmsburg einen neuen Landwirtschaftbetrieb ein. Die Güter Wewer und Alfen waren früher domkapitularisches bzw. dompropstliches Lehn gewesen, wobei das Obereigentum dem Domkapitel bzw. Dompropst zustand. Durch Zahlung einer Abfindungssumme an die Lehnskammer in Kassel im Jahre 1812 löste er das Obereigentum der früheren geistlichen Stellen ab; Alfen und Wewer wurden so freie oder Allodial-Familiengüter.

Wilhelm Anton betätigte sich auch im Ankauf von verschuldeten Bauerngütern. So kaufte er in Alfen u.a. die Kolonate Göllner, Neesen, Timmer und Dummert. Die gekauften Bauerngüter wurden zum Teil aufgeteilt und verkauft oder in Erbpacht oder in kleinen Meiergütern ausgetan. Die erworbenen Besitzungen waren aber kein reines Eigentum der frühreren Besitzer, sondern mit Abgaben, Zehnten usw. belastet gewesen. Die Abfindung der Berechtigten zog viele Verdrießlichkeiten bei den Auseinandersetzungen mit sich. Wilhelm Anton von Imbsen sah sich oft genötigt, zum Ankauf der verschuldeten Bauerngüter, Abfindung der Berechtigten usw. Kapitalien aufzunehmen. Er geriet zwar nicht in Vermögensverfall; dafür war das von Imbsen'sche Vermögen doch zu bedeutend! Auch scheinen seine Ankäufe und Verkäufe, Errichtung von Erbpachtgütern und neuen kleine Kolonaten, ferner die vielen Verhandlungen mit den Gläubigern und Berechtigten bei den angekauften Bauerngütern ihm etwas über den Kopf gewachsen zu sein. Am 17.3.1827 übertrug er seinem Schwager, dem Grafen Max von Korff-Schmiesing auf Tatenhausen die Vermögensverwaltung. Nach der vom Vermögensverwalter am 11.4.1827 gemachten Aufstellung beliefen sich die Schulden derer von Imbsen auf rd. 33195 Tlr. In 32 verschiedenen teilweise kleineren und kleinsten Kapitalien. Graf Max Korff-Schmiesing nahm nachträglich weitere 6600 Tlr. zur Abwicklung der Verbindlichkeiten auf.

Bot das Leben dem Wilhelm Anton von Imbsen in wirtschaftlicher Hinsicht manche Enttäuschung, so war für ihn das Familienleben noch bitterer. Er mußte seine 3 Söhne vor sich sterben sehen: Franz Arnold + 1825, Max Friedrich + 1830 und Clemens August + 1831. Seine vier Töchter verheirateten sich, und zwar Elisabeth mit Albert von Haza-Radlitz, herzoglich anhaltischen Kammerherrn; Antonia mit Frhr. Franz Fritz zu Fürstenberg-Eggeringhausen; Sophia mit Graf Max Franz vom Schmiesing-Kerssenbrock und Anna mit Graf Erbdroste zu Vischering. Wilhelm Anton von Imbsen starb als letzter seines Geschlechtes am 28.4.1833.

Mangels männlicher Erben trat nach dem zwischen Franz Arnold von Imbsen und seinem Sohne Wilhelm Anton getätigten Übertragsvertrag von 1806 Intestat-Erbfolge ein. Die Erben Wilhelm Antons von Imbsen verkauften am 6.2.1838 die Güter in Wewer, Alfen, Wilhelmsburg, ferner Teilbesitz in Paderborn, Neuhaus, Tudorf und Salzkotten, insgesamt etwas über 700 Morgen, mit aufstehenden Gebäuden, Schloss, Mühle, Oekonomiegebäuden in Wewer und Wilhelmsburg samt den Heuergefällen und sonstigen Gerechtsamen in Wewer und Alfen usw. an den Freiherrn Friedrich von und zu Brenken auf Erpernburg für 85000 Tlr. Der von Imbsen'sche Besitz im Oberwaldischen Distrikt war schon zum Teil von dem letzten Besitzer abverkauft. Der Rest des Grundbesitzes nebst den verschiedenen Zehnten ist von den erbberechtigten Familien veräußert worden.

Mit den am 28.4.1833 erfolgten Tode des Freiherrn des "Canton-Maire" Wilhelm Anton von Imbsen geht ein uraltes Adelsgeschlecht des Paderborner Landes zu Ende.

Über den Klinkenhof in Alfen kurz folgendes:

Wegen mangelnder Einsichtnahme in das von Imbsen'sche Archiv z.Zt. im Staatsarchiv in Münster kann über die Baugeschichte des adeligen Sitzes "Zur Klinke" und über die mit dem Klinkenhofe verbundene Gutswirtschaft aus der älteren Zeit nichts Näheres mitgeteilt werden. Nach einigen zerstreuten Mitteilungen scheinen die Ländereien an einen oder mehrere Pächter in Zeitpacht ausgetan zu sein. Franz –Arnold von Imbsen, der vorletzte männliche Spross des Geschlechtes hat den Klinkenhof mit seinen Ländereien in Eigenbewirtschaftung geführt.

Auch Wilhelm Anton von Imbsen ist seinem Vater hierin zunächst gefolgt. Im Jahre 1812 jedoch erbaute er die Wilhelmsburg zwischen Alfen und Wewer, nach seinem Namen benannt, und richtete dort einen landwirtschaftlichen Gutsbetrieb ein, der näher seinem Schloss Wewer lag. Der Wirtschaftsbetrieb des Klinkenhofes wurde aufgelöst; die Ländereien meistens von der Wilhelmsburg bewirtschaftet und zum kleineren Teil abgestoßen, nähere bestimmte Nachrichten hierüber fehlen uns bis heute.

Am 14.3.1817 verkaufte der Freiherr von Imbsen das Restgut, das früher adelige Haus "Zur Klinke". Josef Kruse erwarb die Gebäudlichkeiten nebst 1 ¼ Morgen großen Garten, 3 Morgen Wiese und den Obstgarten, der "Klinkenkamp" genannt, oder der Alme-Brücke bei dem Klinkenhause in Erbmeierstatt für 700 Tlr. "groben Berliner Courant" und einen jährlichen Kanon (feste Abgabe) von 15 Tlr. anstatt bestimmter jährlicher Heuerfrüchte. Der Käufer trägt von den erworbenen 5 1%4 Morgen Grundbesitz die jährliche Grundsteuer von 4 Guten Groschen und zahlt bei Veränderungen "in herrschender und dienender Hand" das Bemeierungsgeld mit 2 Tlr. 12 Guten Groschen nebst 12 Guten Groschen Schreibgeld. Das Kaufgeld ist bar bezahlt. Im übrigen gilt die Große Meierordnung des Fürstbischofs Wilhelm Anton von Asseburg von 1765 (Es ist bemerkenswert, daß wie bei andern von Wilhelm Anton von Imbsen verkauften Meierstätten auch hier die Paderborner Meierordnung noch gelten soll, die doch durch die Bauernbefreiung nach der Säkularisation faktisch aufgehoben war.) Das Kaufgeld zur Erwerbung des Restgutes vom Klinkenhofes hat Josef Kruse zweifellos von dem Kaufmann C. Moorss aus Paderborn erhalten; er musste dafür Zinsen zahlen und dem Wilhelm Anton von Imbsen die jährliche Abgabe von 15 Tlr. leisten. Es ist anzunehmen, daß der geldbedürftige Freiherr das Kaufgeld von 700 Tlr. vom Kaufmann Moorss direkt erhalten hat.

Am 9.6.1823 verkaufte der Baron von Imbsen dem genannten Kaufmann Moorss 13 ¾ Morgen auf den vier von ihm aufgekauften Kolonaten für 750 Tlr. In dem Kaufpreis ist eingeschlossen das Obereigentum über das Klinkenhaus nebst 5 ¼ Morgen, das Josef Kruse 1817 erworben hatte. Das an Kaufmann Moorss so übergehende Obereigentum über Restgut Klinkenhof schließt jedoch ausdrücklich aus: die Jagd- und Fischereigerechtsam und den Anspruch auf Landzuweisung bei Aufteilung des Alfer Bruches. Kaufmann Moorss verkaufte die 13 ¾ Morgen nebst dem Obereigentum im Spätherbst desselben Jahres an Josef Kruse für 800 Tlr. also mit den namhaften Nutzen von 50 Tlr.

Am 12.5.1823 verkaufte ferner Wilhelm Anton von Imbsen an Josef Kruse weitere 27 ½ Morgen in 23(!) Parzellen für 525 Tlr., die er bereits von C. Moorss erhalten hatte; dieser war so der Geldgeber von Josef Kruse geworden. Da letzterer seine Zinsverpflichtungen nicht erfüllen konnte, kam der Klinkenhof mit dem ganzen zugekauften Grundbesitz 1835 an Moorss zurück. (Caspar Moorss stammte aus Nübelhagen bei Aachen, wurde 1794 zur Paderborner Bürgerschaft aufgenommen und war Besitzer des jetzigen Sigges'schen Hauses im Schildern Nr. 4. Freundliche Mitteilung der Herrn Uhlenhuth aus Paderborn.)

Mit einem vom Bischöflichen Generalvikariat Paderborn gewährten Darlehen von 2830 Tlr. kam der Klinkenhof 1845 an Johann Kruse, Sohn des Josef Kruse, zurück. In der damaligen betrübten und armseligen Zeit – es sei an die Hungerjahre 1846/47 erinnert – konnte aber von Johann Kruse der Besitz nicht gehalten werden, und er war gezwungen, zur Herabminderung seiner Schulden ein Teil seiner Ländereien an (13) verschiedene Leute in Alfen zu verkaufen. Bei der Schichtung am 22.11.1855 aus Anlass der zweiten Ehe des Johann Kruse wurde ein Inventar aufgenommen, in dem u .a. der Wert des Fachwerkhauses mit 663 Tlr. abgegeben wird bei einer Größe des Grundbesitzes von ca. 29 ½ Morgen. Auf Johann Kruse folgte sein Sohn Franz. Jetziger Besitzer ist Heinrich Kruse.


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