Kapitel 6: Geistliche Grundherrn in Alfen
- Das Fürstbischöfliche Rentamt in Neuhaus.
- Das Domkapitel in Paderborn
- Kloster der Benediktiner zum Abdinghof in Paderborn.
- Das freiweltliche Damenstift zu Geseke.
- Das Kollegiatsstift Busdorf in Paderborn.
- Die Pfarrkirche in Kirchborchen und die Filialkirche in Alfen
1. Das Fürstbischöfliche Rentamt in Paderborn
Das Hochstift Paderborn umfaßte in der Zeit nach der Reformation nur noch die heutigen landrätlichen Kreise Paderborn, Büren, Warburg und den größten Teil von Höxter. Im letzteren Kreise war aus dem Benediktinerstift Corvey ein kleiner selbstständiger Staat mit 18 Pfarreien unter Leitung des Fürstabtes geworden; Corvey war von 1794 – 1821 ein eigenes Bistum.
Am 2.3.1802 rückte General von L'Estocq in Paderborn ein und nahm im Auftrage des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III. vom Fürstbistum Besitz. Der letzte Paderborner Fürstbischof Franz Egon von Fürstenberg (1789 – 1825) war gleichzeitig Fürstbischof von Hildesheim, wo er meistens residierte; dort ist er auch gestorben und begraben.
Zum Staatshaushalt und zum Einkommen des Fürstbischofs trugen bei zunächst die Steuern, Landschatzung und Kopfschatz, ferner die Erträgnisse aus den fürstbischöflichen Gütern und Waldungen; letzere umfaßten bei der Säkularisation ca. 55.000 Morgen.
Endlich gehörten zum fürstbischöflichen Einkommen die Zehnten und Heuergefälle der abgabepflichtigen Kolonen und Kötter. Während im Delbrücker Lande, ferner in Elsen, Sande, Boke, Hövelhof und Stukenbrock die meisten Einwohner dem Fürstbischof oder dem Domkapitel eigenhörig waren, hatte der Landesfürst in Alfen keine eigenbehörige Kolonate.
Am 28.4.1719 berichtet Rentmeister Graes, Oberbeamter des unterwaldischen Distirktes Neuhaus: "In den Landvogtdistrikten: Borchen, Alfen, Dörenhagen, Eggeringhausen und Busch hat der Fürstbischof keine eigenen Leute".
In Alfen hatte der Fürstbischof keine größeren Kolonate. Wie wir in Kapitel 8 und 9 bei der Behandlung der Erbhöfe und kleineren Hausstätten sehen werden, waren die fürstbischöflichen Meierstätten von geringerem Umfange und bildeten Teile anderer Kolonate. Die Heuergefälle von den Meierstätten waren nach Neuhaus in Paderborner oder Neuhäuser Scheffel zu liefern, desgl. Geldabgaben für früheren Hofdienst usw. nach dort zu zahlen.
2. Das Domstift Paderborn.
Bei Aufhebung des Fürstbistums zählte das Domkapitel 24 Domkapitulare. Die Domherrenstellen waren nach dem Kapitelstatut von 1480 dem Adel vorbehalten.
Das Domstift war nach dem Fürstbischof der reichste und wohlhabendste Grundbesitzer und Grundherr des ganzen Fürstbistums. Neben den domkapitularischen Ökonomien zu Lügde, Atteln, Bredenbron, Husen, Blankenrode, dem Kleehof bei Elsen, dem Schultenhof in Scharmede, der alten Ökonomie und dem westfälischen Gut zu Lippspringe, neben den Mühlen in Paderborn und im Altenautal (Blankenrode, Husen, Atteln, Henglarn und Etteln), neben Gärten und Wiesen, verschiedenen Häusern und den Domherrenwohnungen in Paderborn besaß das Domstift ca 15.000 Morgen Waldungen, Zehnten von 15.5514 Morgen Ackerland und vielgestaltige Grundgefälle und Gerechtsame. Kriegs- und Domänenrat von Reimann veranschlagte im Jahre 1804 das Aktivvermögen des Domkapitels mit ca 1 ¼ Millionen Tlr. und einer jährlichen Einnahme von über 64.000 Tlr. Während das Domstift Münster auf Rat des kommandierenden Generals Blücher von der preußischen Regierung am 6.6.1806 aufgehoben wurde, blieb das auch dem Untergange geweihte Paderborner Domstift noch in der ersten preußischen Besatzung (1802 – 1807) bestehen. Die Aufhebung in Paderborn erfolgte durch Dekret der Westfälischen Regierung in Kassel unter König Jerome am 1.12.1810.
Sehen wir nun, welche Besitzungen, Zehnten und Gerechtsame das Paderborner Domstift in Alfen hatte.
- Das Dompropsteiliche Lehen des adeligen Hauses "auf der Klinke.".
Im Staatsarchiv Münster finden sich bei den Akten des Paderborner Domstiftes die Bemeierungs- und Belehnungsprotokolle bei Übertragung des Klinkenhofes früher an die von Krewet in Verne, dann an die von Imbsen in Wewer. Das letzte dieser Protokolle von 1791 haben wir oben im Auszuge mitgeteilt.
Die Weinkauf- oder Bemeierungsgelder betrugen jedes Mal 10 Tlr. Eine neue Bemeierung fand statt "in dienender Hand", d.h. bei Antritt eines neuen Freiherrn von Krewet bzw. von Imbsen. An Heuerfrucht waren jährlich 8 Malter (=48 Scheffel) Weizen an die Distributorie des Domkapitels zu liefern.Die Ablösung des Obereigentums des Domstifts, dann dessen Rechtsnachfolgers, des westfälischen Staatsfiskus in Kassel, erwirkte Wilhelm Anton von Imbsen durch eine einmalige Zahlung. Die Ablösung der jährlichen Abgabe von 48 Scheffel Weizen erfolgte durch Friedrich von Brenken 1849/51 mit Hilfe der staatlichen Rentenbank.
Der adelige Inhaber des Klinkenhofes war anderseits wieder Grundherr über ein stattliche Reihe von bäuerlichen Kolonaten und Kötterstellen.
- Ein Viertel des Alfer Buchholzes.
Die interessante Geschichte der Alfer Mark und des Buchholzes wird in besonderer Abhandlung im 7. Kapitel dieser Heimatschrift behandelt.
- Kolonate und Hausstätten
Domkapitularische Meierstätten sind in Alfen etwa 18 nachzuweisen, die allerdings nicht ausschließlich dem Domstift lehnspflichtig waren, sondern wo noch Teilkolonate anderer Grundherren beteiligt waren, wie wir dieses im 8. und 9. Kapitel dieser Geschichte nachweisen.
- Eigenbehörige
Als solche werden 1666 Meinolf Brand und Jürgen (Georg) Thielen bezeichnet. – als im Jahre 1803 die domkapitularische eigenbehörige Witwe Brand den von Brenken'schen eigenbehörigern Rören heiraten will, bedürfen beide der Einwilligung ihrer Grundherren, die auch erteilt wird. – Bei Aufhebung des Fürstbistum hatte das Domstift in Alfen und Wewer 12 eigenbehörige Höfe.
3. Die Benediktinerabtei Abdinghof.
Bischof Meinwerk gründete u.a. westlich der damaligen noch kleinen Stadt Paderborn die Benediktinerabtei Abdinghof, d. h. Hof des Abtes. Um 1030 trennte der Bischof von dem Pfarrbezirk der Markkirche die Dörfer Kirchborchen, Nordborchen und Alfen und inkorporierte (verband) die neue Pfarrei mit seiner Gründung Abdinghof. Die enge Verbindung zwischen Pfarrei Kirchborchen und den Benediktinern hat bis zur Klosteraufhebung 1803 bestanden. Der Pfarrer und sein Gehilfe waren Patres aus Abdinghof. Benediktiner und später Franziskaner aus Paderborn hielten an Sonn- und Feiertagen in Alfen Gottesdienst.
In Kirchborchen war das dem Kloster gehörige Mönchs- oder Abdinghofgut, ca 182 Morgen groß, das die Benediktiner bis 1775 selbst bewirtschafteten. Auf dem Klostergute wohnte der Propst, der an Sonn- und Feiertagen in der Pfarrkirche aushalf. Abdinghof besaß in Kirch- und Nordborchen mehrere Meiergüter und den ca 1000 Morgen großen Wald zwischen Kirchenborchen und Etteln.
Welche waren nun die Klosterbesitzungen und Einkünfte in Alfen?
- Ein Viertel des ungeteilten Alfer Buchholzes zusammen mit dem Domkapitel, den Herren von Imbsen und Brenken. (siehe unten 7. Kapitel dieser Schrift.)
- Mehrere Meiergüter.
Abt Jodocus Rose schreibt 1586 in seinem Wirtschaftsbuch (Thesaurus oeconomicus, Archiv des Generalvikariats Paderborn): Das Kloster besaß in Alfen 2 Huben, genannt das "Tsamgut". 1. Inhaber: Konrad Rissen in Niederntudorf, liefert für den Besitz in Alfen und den Hof in Niederntudorf "up den Scnoren" 1 Malter (6 Scheffel) Roggen und 2 Malter (24 Scheffel) Hafer. 2. Inhaber: Meinolf Arndes: 1 Malter (12 Scheffel) Hafer. Jeder der beiden Kolonen hatte jährlich 1 Fahrdienst für das Kloster.
Im Staatsarchiv Münster (Alten Abdinghof Rep. 242 betr. Meiergüter in Alfen) finden wir öfters, daß bei "aufgelaufener Fruchtablieferung den in Not geratenen Kolonen vom Abte ein Nachlaß gewährt wird, so 1626, 1691 und 1696. In der Gemeindechronik von Kirchborchen wird zum Jahre 1800 hervorgehoben, daß das Kloster "Seine Meier auf alle mögliche Weise zu stützen und zu schonen wußte". (Siehe auch Geschichte von Nordborchen, Seite 86/87).
Bei der Klosteraufhebung finden wir nachstehende Nachweisung der meierstättischen Grundstück in Alfen:
- Hermann Becker (Uhle): 25 ½ Morgen; heuer: 12 Scheffel Hafer; für Weinkauf: 7 tlr; für Dienstage: 1Tlr. 18 Gute Groschen; Anerkennungsgebühr bei neuer Bemeierung: 1 Tlr. 24 Gute Groschen. Letzte Bemeierung: 22.10.1800.
- Caspar Rören (Risse): von 18 Morgen 3 Schfl. Roggen, 12 Scheffel Hafer und 1 Scheffel Mengkorn. Für Diensttage: 1 Tlr. 18 Gute Groschen; Anerkennungsgebühr 18 Gute Groschen und sonstige Abgaben: 12 Gute Groschen.
- Caspar Meyer (Lehnert): Von 18 Morgen 3 Scheffel Roggen und 12 Scheffel Hafer; die übrigen Abgaben wie bei Nr. 2
- Augustin Rören (Meilschen): Von 18 Morgen Heuer und Abgaben wie bei Nr. 2
- Lütke ohne Angabe der Größe des meierstättischen Landes: 9 Scheffel Roggen, 6 Scheffel Gerste und 18 Scheffel Hafer.
Bei der Klosteraufhebung mußte die Aufhebungskommission einen Voranschlag für das Ministerium in Berlin aufstellen. Am 27.4.1804 wurde der Etat mit nachstehendenn Richtpreisen nach Berlin eingereicht; an diesen eingesetzten Preisen sieht man recht deutlich den außerordentlich hohen Stand des baren Geldes in damaliger Zeit, erkennt aber auch, wie sehr Geldeswert in den letzten 10 Jahren gesunken ist.
- 1 Schfl. Weizen: 1 ½ Tlr;
- Roggen : 1 Tlr;
- Gerste: 27 Mariengroschen
- Hafer: 18 Mariengroschen.
- 1 Schwein: 3 Tlr;
- ½ Schwein: 1 1/3 Tlr;
- 1 Gans: ¼ Tlr;
- 1 Huhn: 4 Mariengroschen;
- 1 Ei: 1 Pfg.
Demgegenüber ist die vom König Friedrich Wilhelm III. am 30.3.18... geforderte Mindestpacht von 3 Tlr. für den Morgen bei nur 4jähriger Pachtzeit als sehr hoch zu bezeichnen.
Über Eigenbehörige des Klosters heißt es in der Geschichte des 5. Abtes Hamuko um das Jahr 1120: Abdinghof besaß in verschiedenen Teilen der Diözese Eigenbehörige beiderlei Geschlechts. Die Männer zahlten jährlich 6 Denare, die Frauen 4 Denare. Für die Einwilligung des 'Grundherrn bei Verheiratung mußte eine bestimmte Abgabe gezahlt werden. Eigenbehörige des Klosters sind bei der Säkularisation nicht mehr nachzuweisen.
4. Das freiweltlichte Damenstift Geseke
Graf Hahold gründete mit seinen Geschwistern Bruno, Friedrich und Wichburga in Geseke ein Kanonissen- oder Damstift, das von Kaiser Otto I. am 26.10.952 bestätigt wurde.
Die Stiftsdamen adeliger Herkunft lebten nicht nach einer strengen Ordensregel, legten aber die Gelübde des Gehorsams und der Keuschheit ab, nicht aber das der Armut. Mit dem Austritt aus dem Stifte, der jederzeit erfolgen konnte, erloschen die Gelübde. An der Spitze der Kapitularinnen stand eine Äbtissin, der als Gehilfinnen in der Verwaltung zur Seite standen: die Pröpstin, Dechantin und die Inhaberinnen besonderer Kapitelsämter. Ferner gehörten zum Stift einige Geistliche (Kanoniker) zur Abhaltung des Gottesdienstes.
Außerhalb der Stadt hatte das Damenstift u.a. auch die Kapelle auf dem Borberge bei Brilon und besondere Rechte an die Gallikapelle bei Kirchborchen. Die Äbtissin ernannte den Rektor dieser Kapelle, dem bestimmte Heuergefälle in Kirchborchen zustanden.
In der Säkularisation kam das früher zum Erzstift Köln gehörende Herzogtum Westfalen an den Landgrafen von Hessen-Darmstadt. Das Damenstift Geseke wurde vorläufig nicht aufgehoben, sollte jedoch wie das Damenstift Neuenheerse zu einer Versorgungsanstalt für adelige Töchter ohne Unterschied der Konfession umgeändert werden. Nach der Angliederung des heutigen Regierungsbezirks Arnsberg an die Krone Preußen auf dem Wiener Kongreß 1815 bestimmte König Friedrich Willhelm III. im Jahres 1819, daß die Einkünfte des Damenstiftes Geseke zur Versorgung bedürftiger, unverheirateter Töchter von verdienten Beamten und Offizieren benutzt werden sollten. Im Jahre 1823 starb die letzte Äbtissin des alten freiweltlichen Damenstiftes Gräfin Bernardine von Plettenberg.
Das Stift Geseke hatte meierstättische Grundstücke in Alfen, so bei den Kolonen Drüke (Brand) und Becker (Thebille – Uhlen). Andere Einwohner mußten nach Geseke Hühner und Eier liefern. So Friedrich Fischer und Lüke (Remmert).
5. Das Kollegiatsstift zum Busdorf in Paderborn
Dieses Stift wurde wie Kloster Abdinghof von Bischof Meinwerk 1036 gegründet. Da es außerhalb (östlich) der damals noch sehr kleinen Stadt Paderborn lag, kam wahrscheinlich der Name auf: "biuten Dorp", woraus die Bezeichnung Busdorf entstanden ist.
Das Busdorfstift bestand aus dem Propst, dem Dechant und 10 Kanoikern, 17 Vikaren und Benefiziaten und 4 Choralisten. Die Aufhebung des begüterten Stiftes war zwar von der preußischen Regierung beschlossen, konnte aber nicht sofort durchgeführt werden, da die Säkularisation des Fürstbistums Paderborn und der sog. "5 fundierten" Männerklöster (Abdinghof, Marienmünster, Hardehausen, Dalheim und Böddeken) den Aufhebungsbehörden viel Mühe und Arbeit verursachte. Durch den Frieden von Tilsit kam das Paderborner Land zum Königreich Westfalen, und durch Dekret vom 1.12.1810 hob König Hieronymus die nocht bestehenden Klöster und Stifter seines Reiches auf.
Unter den Einnahmen des Stiftes werden bei der Aufhebung u.a. aufgeführt: gleichbleibende Getreidegefälle von Meierstätten, abgeschätzt zu 2786 Tlr. 6 Schilling 11 Pfg. neben Geldgefällen aller Art, Fruchtzehnten, Lieferung von Hühnern, Eiern, Holz, Salz, Wachs usw.
Während das Busdorf in Nordborchen neben 18 Morgen sog. Zinsländereien durch die Teilung des Deggengutes im Jahre 1731 vier Meiergüter besaß, ist in Alfen nur eine Busdorfer Hube von 33 Morgen nachzuweisen, die zum Gehlen-Kolonat Nr. 55 gehörte.
Nach dem Westfälischen Urkundenbuch (IV 272) war einstens auch das Augustinerchorherrenklosten Böddeken in Alfen begütert gewesen, das jedoch seine Besitzungen an das Busdorfstift verkauft hatte.
6. Die Pfarrkirche in Kirchborchen und die Kirche in Alfen.
Dem tüchtigen Pfarrer P. Bonifatius Ernesti (1673 – 1704) verdanken wir eine genaue Aufstellung der Einnahmen der Pfarrkirche, des Pfarrers und Küsters in den Pfarrdörfern. Bei Anlage des Grundbuches sind die Forderungen für die kirchlichen Stellen, sowie für die Kapelle in Alfen von dem damaligen Pfarrer Anselmus Tiemann, Exbenediktiner von Abdinghof (1805 – 1820), Liborius Graen, Exzisterzienser von Hardehausen (1820 – 1836) und Ferdinand Seneca (1836 – 1859) zum Hypothekenbuche angemeldet bzw. vertreten.
Die Pfarrkirche hatte in Alfen aber nur eine meierstättische Hube; es ist das Kolonat Lüke (Knaup) zur Größe von rund 53 Morgen.
Die Filialkirche in Alfen hatte eine Meierstatt in Alfen (1680 Meier: Paul Dransfeld) und ca. 48 ½ Morgen groß und verschiedene Einnahmen, über die im 13. Kapitel näher berichtet wird.
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