Mein letzter Gruß aus Malawi

Drei Wochen bleiben mir noch in diesem unglaublich beeindruckenden Land !

eva-2009-07-14-005Die nächsten zwei Wochen nutzen wir, um ein wenig mehr von dem Land zu sehen als das Dorf Madisi.
Ob wir es schaffen den Mulange Mountain, den größten Berg Malawis, zu erklimmen und ob wir bei unserer Safari, Löwen, Elefanten, Zebras und Co. gesehen haben, erfahrt ihr dann bald direkt von mir, bei einem gemütlichen Gespräch bei Nsima (Maisbrei) und Chombe tea für euch und Orangensaft mit Paderborner Brot für mich.

Ja, es gibt so einiges, was ich in dem letzten Jahr vermisst habe, aber die zahlreichen Essenspakete von meiner Familie haben mich den Geschmack von Nutella und Fred Ferkel nicht vergessen lassen.
Auch die vielen Briefe und Postkarten haben (meistens) den weiten Weg nach Madisi gefunden und meine Zimmerwand immer ein klein wenig bunter und fröhlicher werden lassen.
Dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken!

Meinen Geburtstag, letzten Monat, habe ich hier gleich über zwei Tage gefeiert.
Mit Andreas, der einige Wochen vor mir Geburtstag hatte, habe ich bei den Schwestern gefeiert.
Auch wenn ich an dem Tag noch gar nicht 20 Jahre auf der Welt war, hatten wir trotzdem ein schönes Fest, mit leckerem Frühstück, u.a. Pommes(!) zum Mittagessen, Waffeln und Kaffee am Nachmittag und Cola zum Abendessen Wie ihr seht, verbrachten wir den der Tag fast nur mit essen und selbst die Arbeit durften wir schon früher verlassen!

Ein großer Geschenketisch mit Holzschmuck, Süßigkeiten und die dringend benötigte Zahnpasta hat natürlich die ganze Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Einige Stunden später, um 24 Uhr, haben wir dann bei uns im Haus in meinen Geburtstag reingefeiert. Nach der Morgenmesse hat mich eine Chitenge, Creme, Nsimapulver und Süßigkeiten beim Frühstück erwartet, sowie eine aufgeregte Karina und ein fröhlicher Andreas. Den restlichen Tag haben Karina und ich mit einem Lehrer aus unserer Schule verbracht, der uns den Weg zu einem Berg zeigte, auf dessen Spitze wir gepicknickt haben.Ein schöner Tag, der durch die Überraschung am Abend noch getoppt werden sollte.

Mrs. Chakanika, eine Freundin, hat für uns 3 Nsima mit Hähnchen(!) gekocht. Wir haben uns alle in ihren Raum gesetzt und bei der in Malawi momentan sehr beliebten westlife musik das Festessen zu einer Flasche Cola genossen.

Die Gastfreundschaft der Malawier hat mich an diesem Abend ein weiteres Mal erstaunt. Zwar haben Andreas und Karina die Zutaten für das Essen gekauft, aber ihr Geschenk, eine Chitenge, die hier ca. 400 Kwacha kostet, hat sie ganz alleine von ihrem Monatsgehalt, welches ca. 5000 Kwacha ( umgerechnet 25 €) beträgt, gekauft!
Die Kultur der Chewa gibt es vor, das Beste von dem anzubieten, was man besitzt, auch wenn danach nicht mehr viel für die Familie und für sich selbst übrig bleibt. Dieser Geburtstag war wohl einer der schönsten, die ich je erlebt habe.

Auch wenn, oder vielmehr weil ich, für deutsche Verhältnisse wohl kaum vorstellbar, keinen Sekt zum Anstoßen und Bier zum Feiern hatte. Die letzten Monate waren für mich alles in allem sehr intensiv und die schönsten in dem ganzen Jahr.

Ich habe viele Freunde und Kollegen besucht, mit ihnen gegessen und geredet. Außerdem haben Karina und ich die Wochenenden für Erkundungstouren rund um Madisi genutzt. Wir sind auf Berge geklettert, haben Flüsse und Seen besucht und in der freien Natur über Feuerstellen gekocht. Gerade deshalb fiel es mir wohl so schwer, vorerst von der Arbeit und den Kollegen „tionana“ zu sagen. Meine Verabschiedungsfeier im Krankenhaus und an der Schule steht zwar noch bevor, aber unser Haus, welches wir ein Jahr bewohnten, haben wir für Renovierungsarbeiten schon komplett ausgeräumt.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge stehe ich nun vor der Rückkehr. Ich freue mich sehr auf unser Wiedersehen, habe aber gleichzeitig auch Angst vor der deutschen Kultur. Ich hoffe, ich konnte von den positiven Eigenschaften der Malawier etwas übernehmen und mit einem deutsch-malawisch geprägten Charakter wieder nach Deutschland zurückkehren.

Das Jahr hat mich so viel erkennen lassen und ich denke und hoffe, dass ihr meine Veränderungen zu Hause selbst miterleben könnt. Herbert Grönemeier singt in einem seiner Songs: “ Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl“ und genauso fühle ich gerade. Malawi ist wie meine zweite Heimat geworden und ich hoffe ein kleines Stückchen von diesem Gefühl euch übermitteln zu können.

Bis ganz bald in Deutschland, eure Eva

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